Gefängnis Lucasville

25-minütiger Todeskampf: Häftlingsfamilie sah zu

| Lesedauer: 4 Minuten

Der zum Tode verurteilte Mörder Dennis McGuire sollte im US-Staat Ohio mit einer noch nie angewendeten Giftmischung hingerichtet werden. Nach dem qualvollen Verlauf will die Familie des 53-Jährigen jetzt klagen.

Lucasville/USA. Nach der ungewöhnlich langen Hinrichtung eines verurteilten Mörders durch einen neuen Giftmix will dessen Familie nun den US-Staat Ohio verklagen. Die Angehörigen von Dennis McGuire seien über den Verlauf der Exekution tief bestürzt und gingen von einer Verletzung seiner Grundrechte aus, sagte deren Anwalt John Paul Rion am Donnerstag. Alle Bürger hätten das Recht darauf, nicht auf grausame und unübliche Weise bestraft zu werden.

Kurz davor war McGuire wegen der Vergewaltigung und dem Messermord an einer jungen Schwangeren im Jahr 1989 mit einer in den USA noch nie angewendeten Giftmischung hingerichtet worden. Es dauerte fast 25 Minuten, bis die Kombination des Beruhigungsmittels Midazolam mit dem Schmerzmittel Hydromorphon zum Tod des 53-Jährigen führte.

Mehrmals schien er im Todeskampf nach Luft zu schnappen und machte laute, schnaubende Geräusche. Es war eine der längsten Hinrichtungen, seit der US-Staat die Todesstrafe 1999 wieder einführte. Um 10.53 Uhr (Ortszeit) erklärte das Gefängnis in Lucasville McGuire schließlich für tot.

Auch nach Angaben von Journalisten, die im Gefängnis von Lucasville anwesend waren, dauerte die Hinrichtung von McGuire außerordentlich lange. Die Injektion des Gift-Cocktails begann demnach um 10.29 Uhr – 24 Minuten vor Feststellung des Todes.

Gegen 10.33 Uhr habe McGuire begonnen, laut zu röcheln, berichtete die Lokalzeitung „Columbus Dispatch“. Mindestens zehn Minuten habe er Würgegeräusche von sich gegeben, während er die Hände zur Faust geballt habe.

Auch die Fernsehjournalistin Sheila Gray, die der Hinrichtung beiwohnte, berichtete später, McGuire habe vor seinem Tod etwa zehn Minuten lang um Luft gerungen. „Seine Kinder und seine Schwiegertochter weinten und waren sichtlich bestürzt“, schrieb sie im sozialen Netzwerk Twitter.

Anwälte hatten noch gewarnt

McGuires Verteidiger hatten die Hinrichtung noch mit dem Argument zu stoppen versucht, dass das Medikament sogenannten Lufthunger herbeiführen könne, ein stark erschwertes Atmen, das zu Panik führen kann. Doch der stellvertretende Generalstaatsanwalt Thomas Madden lehnte dies mit dem Hinweis ab, dass die US-Verfassung zwar grausame und unübliche verbiete, jedoch „kein Recht auf eine schmerzfreie Exekution“ bestehe.

Besonders ungewöhnlich an der jüngste Hinrichtung war der Umstand, dass McGuire nach Verabreichung der Giftspritze zunächst fünf Minuten regungslos auf der Trage lag, dann jedoch plötzlich schnaubte und mehr als zehn Minuten unregelmäßig japste und keuchte. In der Regel treten ruckartige Bewegungen am Anfang der Exekution ein.

„Oh Gott“, sagte McGuires Tochter Amber, als sie ihren Vater beim Sterben zusah. Seine restlichen erwachsenen Kinder saßen im Zeugenraum und schluchzten.

Der Einsatz der neuen Giftmischung wurde nötig, weil der bisherige Medikamentenhersteller sich weigerte, sein Produkt weiter für Exekutionen zur Verfügung zu stellen.

McGuires Anwalt, Allen Bohnert, kritisierte den Tod seines Mandanten als „ein gescheitertes, qualvolles Experiment. Die Bürger von Ohio sollten entsetzt über das sein, was heute in ihrem Namen geschehen“ sei, fügte er hinzu. Bohnert rief Gouverneur John Kasich zu einem Moratorium gegen künftige Hinrichtungen auf.

Die Sprecherin der Haftanstalt in Ohio gab keinen Kommentar über den Ablauf der Hinrichtung ab, kündigte aber eine Untersuchung an. In dem US-Staat stehen in diesem Jahr noch fünf weitere Exekutionen an, die nächste ist für den 19. Februar geplant.

Probleme auch bei anderer Hinrichtung

McGuire hatte 1989 eine schwangere Frau vergewaltigt und ermordet. Fünf Jahre später wurde er für das Verbrechen zum Tode verurteilt. McGuire hatte sich erfolglos gegen die Vollstreckung des Urteils gewehrt. Ein Bundesrichter in Ohio befand, es gebe keine Beweise für ein „substanzielles Risiko“, dass der Verurteilte „starke Schmerzen“ empfinden werde.

McGuires Hinrichtung war die dritte Vollstreckung der Todesstrafe in den USA seit Jahresbeginn. Bereits in der vergangenen Woche hatte es bei einer Hinrichtung in Oklahoma offenbar Probleme mit neuen Medikamenten gegeben. „Ich fühle, dass mein ganzer Körper brennt“, waren die letzten Worte des Todeskandidaten Michael Lee Wilson.

( (ap/afp) )