Connecticut

28 Menschen sterben bei Massaker in US-Grundschule

Der Amoklauf eines 20-Jährigen kostet 28 Menschen das Leben, darunter 20 Kinder. Das Motiv ist weiter unklar.

Newtown/USA. Eineinhalb Wochen vor Weihnachten stehen die USA nach einem Amoklauf an einer Grundschule im US-Staat Connecticut unter Schock: Ein 20-Jähriger junger Mann hat dort am Freitag 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen. Anschließend nahm sich der Schütze selbst das Leben. US-Präsident Barack Obama zeigte sich tief erschüttert und erklärte: „Unsere Herzen sind heute gebrochen.“ Er ordnete an, die Flaggen auf Halbmast zu setzen. Keine Angaben gab es zunächst zum möglichen Motiv des Todesschützen.

Obama sagte, die Opfer seien mehrheitlich „wunderschöne kleine Kinder zwischen fünf und zehn Jahren“. Sie hätten das ganze Leben noch vor sich gehabt, „Geburtstage, Abschlussfeiern, Hochzeiten, eigene Kinder.“ Der US-Präsident unterbrach seine kurze Ansprache mehrmals und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Das Land müsse nun innehalten und zusammenrücken und etwas unternehmen, um Ähnliches in der Zukunft zu verhindern, mahnte er. Die USA hätten schon zu viele solcher Taten erlebt.

Der Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Newton war einer der blutigsten in der Geschichte der USA. Die Tat weckte Erinnerungen an das Massaker an der Columbine Highschool in Colorado 1999, bei dem 15 Menschen getötet wurden. Schlimmer als der jetzige Amoklauf war in den USA nur das Massaker 2007 an der Universität Virginia Tech, bei dem es 32 Tote gab.

Zu den Opfern gehörte auch die Mutter des Täters, die Lehrerin an der Grundschule gewesen soll. Die Polizei bestätigte das aber nicht. Nach Polizeiangaben erschoss der Täter zuerst seine Mutter und fuhr dann mit ihrem Auto zur Schule, wo er 20 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren sowie sechs Erwachsene erschoss. Anschließend nahm er sich selbst das Leben. Insgesamt kostete die Tat nach Angaben der Polizei 28 Menschen das Leben. Eine Person wurde verletzt.

Der Täter hatte mindestens zwei Pistolen bei sich, eine automatische Waffe wurde zudem im Auto gefunden. Bei den Ermittlungen fand die Polizei noch weitere Waffen in der Schule, nähere Angaben lagen dazu nicht vor. Die Waffen würden von der Staats- und der Bundespolizei untersucht. Einige der Tatwaffen könnten der Mutter des Täters gehört haben, wie es hieß, sie hatte fünf Waffen rechtmäßig erworben.

Die Polizei vernahm auch den älteren Bruder des Amokläufers. Der 24-Jährige sei sehr kooperativ gewesen und habe wahrscheinlich nichts mit der Tat seines Bruders zu tun, hieß es. Er glaube, dass sein Bruder eine gestörte Persönlichkeit gehabt habe und „etwas autistisch“ gewesen sei, sagte der 24-jährige. Sein Bruder habe bei seiner Mutter gelebt, sagte er. Er habe seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Bruder gehabt.

Die US-Polizei hat bei ihren Ermittlungen zu dem Massaker weitere Waffen gefunden. Wie ein Polizist sagte, wurden mehr Waffen als die zuerst genannten zwei Pistolen in der Schule gefunden. Einzelheiten nannte er nicht.

Der Landkreis von Newtown, rund hundert Kilometer nordöstlich von New York gelegen, gilt als einer der wohlhabendsten in den USA. In der Schule werden Kinder vom Kindergarten bis zur vierten Klasse unterrichtet. Am Freitagmorgen erreichte ein Notruf die Polizei gegen 9.40 Uhr. Ein Mann in den 20ern laufe Amok und töte offenbar wahllos Kinder und Lehrer.

18 Kinder waren sofort tot, zwei weitere starben später im Krankenhaus, hieß es. Die sechs Erwachsenen wurden den Angaben zufolge tot in dem Gebäude aufgefunden. Ein Polizeisprecher sagte, alle Todesopfer seien in einem Bereich der Schule gefunden worden. Der Täter habe nur in zwei Räumen um sich geschossen.

Das Gebiet um die Sandy-Hook-Grundschule wurde nach dem Notruf weiträumig abgeriegelt. Rettungswagen fuhren zum Tatort, während ein Hubschrauber in der Luft kreiste. Die Eltern der Getöteten wurden in die örtliche Feuerwache gebracht und von Geistlichen und Psychologen betreut.

Einzelheiten der Tat erzählte der 17-jährige Mergim Bajraliu. Er habe zu Hause Schüsse gehört und sei losgelaufen, um nach seiner neun Jahre alten Schwester zu sehen. Seine Schwester habe Schreie über das Lautsprechersystem gehört. Lehrer hätten gezittert und geweint. „Jeder war traumatisiert“, erklärte er. Die Schwester wurde nicht verletzt.

Ein Vater sagte, sein sechsjähriger Sohn habe gesehen, wie sein Lehrer erschossen worden sei. „Dann hat mein Sohn seine Freunde geschnappt und ist zur Tür hinaus gerannt“, sagte Robert Licata. „Er war sehr tapfer, er hat auf seine Freunde gewartet.“ Der Schütze habe bei seinem Amoklauf kein Wort gesagt.

Es wird erwartet, dass in den USA nun wieder eine Debatte über schärfere Waffengesetze beginnt. Regierungssprecher Jay Carney erklärte auf die Frage, ob strengere Waffengesetze für den US-Präsidenten jetzt eine höhere Priorität erhielten, es gebe sicherlich einen Tag, um dieses Thema zu diskutieren. „Aber ich glaube nicht, dass heute dieser Tag ist“, fügte er hinzu.