"Es machte bang, bang, alle schrien"

Beim Amoklauf eines 24-Jährigen in einer US-Grundschule starben mindestens 27 Menschen, darunter viele Kinder

Newtown/Connecticut. Es war gegen 9.30 Uhr Ortszeit (15.30 Uhr MEZ), als die ersten Schüsse fielen. "Es machte bang, bang, alle schrien", schilderte später ein Junge. Kurz nach den Schüssen seien Polizisten und Lehrer in sein Klassenzimmer gestürmt und hätten die Schüler aus dem Raum gedrängt.

Bei dem Amoklauf eines jungen Mannes in der Sandy-Hook-Grundschule von Newtown im US-Bundesstaat Connecticut hat es mindestens 27 Tote gegeben. Darunter seien 20 Kinder und sechs Schulbedienstete, sagte der Sprecher der Polizei in Connecticut, Paul Vance, am späten Freitagabend bei einer Pressekonferenz. Auch der Amokschütze sei tot. Zudem sei ein weiterer Mensch an einem anderen Ort in Newtown tot aufgefunden worden, sagte Vance, wollte aber keine Einzelheiten nennen.

Zuvor hatte der Nachrichtensender CNN berichtet, dass der Bruder des Amokläufers tot in seinem Haus in New Jersey entdeckt worden sei. Der Gouverneur von Connecticut, Dan Malloy, sagte, "eine Person, die mit dem Eindringling zusammengelebt habe", sei tot. Ob es sich dabei um denselben Toten handelt, von dem auch Vance sprach, war zunächst noch unklar. Die Kinder in der Schule sind bis zu zehn Jahre alt, die jüngsten im Kindergartenalter.

Um 9.41 Uhr war bei der Polizei der Notruf eingegangen. Eine Augenzeugin berichtete einer CNN-Reporterin, sie sei mit sechs anderen Personen für eine Besprechung in einem Raum gewesen, als die ersten Schüsse fielen. Die Frau habe den Notruf 911 gewählt, drei Kollegen seien aus dem Raum auf den Flur gegangen. Nur einer sei zurückgekommen. Die Frau berichtete von einer ganzen Schusssalve. Nach aktuellen Erkenntnissen wurden auch die Direktorin und der Schulpsychologe von Schüssen getroffen und möglicherweise sogar getötet.

Die Vize-Direktorin wurde am Fuß verletzt. Rettungswagen fuhren zur Sandy-Hook-Grundschule. Eltern versammelten sich in der Nähe des Gebäudes, während ein Hubschrauber kreiste. Die Schulverwaltung erklärte, Schulen des Bezirks seien abgeriegelt worden.

Drei Verletzte wurden in das Danbury-Krankenhaus, das rund 18 Kilometer westlich der Schule liegt, eingeliefert, so ein Kliniksprecher laut NBC Connecticut. "Ihr Zustand ist kritisch", sagte der Bürgermeister von Danbury, Mark Boughton, dem Sender MSNBC.

Ein Mädchen, das zum Zeitpunkt der Schießerei Sportunterricht hatte, sagte dem Sender NBC, es habe mehrere laute Knalle gehört. Kinder hätten zu weinen begonnen und Lehrer hätten die Schüler in ein nahe gelegenes Büro gebracht.

Der 17-jährige Mergim Bajraliu, der in der Nähe der Schule in der 27.000-Einwohner-Stadt lebt, erzählte, er habe zu Hause Schüsse gehört und sei losgelaufen, um nach seiner neun Jahre alten Schwester zu sehen. Seine Schwester habe Schreie über das Lautsprechersystem gehört. Lehrer hätten gezittert und geweint. "Jeder war traumatisiert", erklärte er. Die Schwester wurde nicht verletzt.

Bei dem Schützen soll es sich um einen 24 Jahre alten Mann handeln. Sein Name wurde am Abend mit Ryan L. angegeben, später mit dem Namen des Bruders, Adam L. Erste Hinweise, dass er Vater eines der Schulkinder war, blieben unbestätigt. Laut Augenzeugen war der Todesschütze, der in der Stadt lebte, ganz in Schwarz gekleidet und trug eine kugelsichere Weste. Er habe mehrere Schusswaffen gehabt. Über sein Tatmotiv war noch nichts bekannt. Unklar blieb zunächst auch, ob er sich nach der Tat selbst gerichtet oder ob die Polizei ihn erschossen hat.

US-Präsident Barack Obama hat den Betroffenen telefonisch sein Mitgefühl ausgesprochen. Er telefonierte nach Angaben des Weißen Hauses auch mit dem Direktor der US-Bundespolizei FBI, die an den Ermittlungen beteiligt ist. Sprecher Jay Carney erklärte, das Weiße Haus werde alles tun, um die Sicherheitskräfte vor Ort zu unterstützen.

In den vergangenen Jahren ist es mehrfach zu Amokläufen an amerikanischen Schulen und Universitäten mit vielen Toten gekommen. Vor acht Monaten erschoss ein 43-Jähriger an einem Privatcollege in Kalifornien, das er selbst besucht hatte, sieben Menschen. Im Februar 2008 stürmte ein 27-Jähriger an der Northern Illinois University eine Vorlesung und erschoss fünf Menschen und sich selbst.

Ein Englisch-Student aus Südkorea tötete im April 2007 in der Technischen Universität in Blacksburg im US-Bundesstaat Virginia 32 Studenten und Lehrkräfte. Als die Polizei eintraf, erschoss er sich. Einer der spektakulärsten Amokläufe ereignete sich im April 1999: Zwei mit Sturmgewehren bewaffnete US-Schüler töteten in der Columbine High School in Littleton (Colorado) zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Danach erschossen sich die Täter selbst. Columbine wurde zu einem Synonym für Schulmassaker.

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