Affäre in Schweden

Intrige gegen Schwedens König Carl XVI. Gustaf?

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Ingrid Raagaard

Nach vier Büchern über Sex-Affären von Carl Gustaf soll ein fünftes ihn endlich entlasten. Republikaner stehen unter Rufmord-Verdacht.

Stockholm. Alle Welt scheint inzwischen ein bestimmtes Bild von König Carl XVI. Gustaf, 66, von Schweden zu haben. Dank vier verschiedener Enthüllungsbücher glaubt man zu wissen, dass der Ehemann von Königin Silvia Ende der 90er-Jahre eine Affäre mit der Popsängerin Camilla Henemark, 48, hatte, aber auch jahrzehntelang gerne und häufig Sex- und Stripklubs besuchte und die Puppen im wahrsten Sinne des Wortes tanzen ließ.

Für seine Untertanen war das harter Tobak, aber am schlimmsten war: Der König - das Staatsoberhaupt des Landes und zweifelsohne dank seiner Position im Auswärtigen Ausschuss auch Geheimnisträger - hatte sich bei diesen Ausflügen ins Nachtleben in bedenkliche Nähe von Gangstern und Ganoven begeben, sich als mögliches Erpressungsopfer quasi fast schon dargeboten und damit die nationale Sicherheit riskiert. War es so? Oder war alles doch ganz anders?

In dem vergangene Woche erschienenen Buch "Adieu, du süßes Leben" hat Camilla Henemark ihrem Verhältnis mit dem König ein ganzes Kapitel gewidmet. Ein weiteres Buch zu diesem pikanten Thema wird von übermorgen an in Schweden in den Buchläden liegen. Es beleuchtet alles nun erstmals von der anderen Seite. Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach Erscheinen des ersten Enthüllungsbuchs ("Der widerwillige Monarch") werden Dick Harrison, Professor für Geschichte an der Universität Lund, und die Journalistin Desirée Schein ihr Buch "Aus sicherer Quelle" veröffentlichen. Zwei Jahre lang haben sie die Quellen von Patrick Sjöberg und Deanne Rauscher - den Autoren des ersten Skandalbuchs - unter die Lupe genommen und sind dabei vor allem über eines gestolpert: Haben die Autoren die Aussagen ihrer Quellen überhaupt überprüft?

Eine Mitarbeiterin eines Nachtklubs in Atlanta, den der König 1998 besucht haben soll, ist laut "sicherer Quelle" käuflich und sagt für Geld alles. Die Amerikanerin wirbt sogar damit, dass sie für Honorar Texte auf Bänder spricht, sei es für Geburtstage oder auch für kleine Skandale. Die Mitarbeiter eines Klubs in Bratislava - hier war der König 2008 angeblich Gast - sprechen laut der jüngsten Recherche so schlecht Englisch, dass sie nicht einmal verstehen, um was es geht, wenn man ihnen ein Foto des Königs unter die Nase hält. Aber gerade diese Aussagen sind in "Der widerwillige Monarch" besonders wichtig. Auch ein Interview mit einem Freund des Königs soll so zusammengestellt worden sein, dass die Aussagen genau passten. Und überhaupt sei die einzige richtige Quelle in "Der widerwillige Monarch" jener Mille Markovic, Ex-Nachtklubbesitzer und mehrfach vorbestrafter Krimineller, dem man in Schweden sowieso kein Wort mehr glaubt. Monatelang hatte er behauptet, Sexfotos vom König zu besitzen - am Ende konnte er nur eine plumpe Fälschung vorlegen.

Am meisten empören sich Harrison und Schein jedoch darüber, dass der Verband der Republikaner seine Finger mit im Spiel gehabt haben könnte. "Man entschied sich für den Titel 'Der widerwillige Monarch' nach einem Treffen mit dem Republikanischen Verband." Schein: "Es gab eine Zusammenarbeit mit diesem Verband, der ja die Monarchie abschaffen will. Eine Biografie sollte jedoch objektiv sein." Tatsache ist, dass der Verband keine Gelegenheit auslässt, um den König anzuschwärzen. Bereits im Jahr 2004 sorgte er dafür, dass zum allerersten Mal überhaupt über Affären des Königs gemunkelt wurde. Damals hatte man sich im Verband darauf geeinigt, mithilfe von PR-Spezialisten den Ruf des Königs so zu schädigen, dass die Monarchie abgeschafft wird. Die damalige Vorsitzende Birgitta Ohlsson, 37, - damals Abgeordnete, heute Ministerin für EU-Fragen - bestätigte 2004 sogar, dass es innerhalb des Parlaments parteiübergreifende Treffen gebe, in denen alle Möglichkeiten durchgesprochen werden.

Vielleicht haben Harrison und Desirée Schein also recht, und der ganze "Skandal" war nichts anderes als eine gelungene Aktion der Republikaner. Allerdings stehen auch sie in der Kritik, denn sie stehen dem Hof nahe. Harrison wurde 2009 zum königlichen Privatlehrer berufen - er sorgte dafür, dass Daniel Westling vor seiner Hochzeit mit Victoria das Allgemeinwissen bekam, das er nun als Prinz Daniel benötigt. Schein dagegen soll im Privatleben der Skandalbuch-Autoren herumgeschnüffelt haben, um dann für die Freunde des Königs einen Bericht zu erstellen.

Hofsprecher Bertil Ternert will sich im Moment noch nicht über das neue Buch äußern. "Wir wussten, dass es ein solches Buch geben wird, ansonsten hat der Hof nichts damit zu tun."