Ex-Wetter-Moderator

Kachelmann kritisiert „männerverurteilende Justiz“

Der ehemalige ARD-Wettermoderator nennt Falschbeschuldigungen bei Vergewaltigungen und Missbrauch ein Massenphänomen.

Hamburg. Der vor mehr als einem Jahr vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochene frühere Wettermoderator Jörg Kachelmann rechnet mit der „gewohnheitsmäßig männerverurteilenden Justiz“ in Deutschland ab. „Im Bereich Missbrauch und Vergewaltigung sind Falschbeschuldigungen ein Massenphänomen geworden“, sagte Kachelmann dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Er wolle wirklich, dass jeder Vergewaltiger hinter Gitter komme. „Aber für Frauen sind Verleumdungen heute eine beliebte und effektive Waffe geworden“, sagte der 54-Jährige, der angeklagt war, eine frühere Freundin vergewaltigt zu haben, und 132 Tage in Untersuchungshaft gesessen hat.

Kachelmanns Frau Miriam betonte in dem Magazin, mit Missbrauchsvorwürfen könne man sich heute „sehr einfach an Chefs und Lebenspartnern rächen“ und „problemlos das Sorgerecht für Kinder erstreiten“. Es gebe „eine Opferindustrie, die in dieser kranken Form endlich weg muss“, sagte die 26-jährige Psychologiestudentin.

Das Resümee des einstigen ARD-Wetterexperten fällt in dem fünfseitigen „Spiegel“-Interview insgesamt bitter aus: Die Mannheimer Staatsanwaltschaft hätte „gemeinsam mit dem Gericht versucht, mit Hilfe meines ’Vorlebens’ ein Monster aus mir zu machen. Ich war nie gewalttätig und habe erst recht nie jemanden vergewaltigt.“

Auch Miriam Kachelmann, die damals als Zeugin auftreten musste, attackiert die Justiz scharf: Ihre eigene Befragung sei „furchtbar“ gewesen, „weil ich bis in die letzten Details, bis zu meiner Periode und zu meinen sexuellen Fantasien ausgefragt wurde. Irgendwann gab es für diese Richter kein Halten mehr“.

Beide kündigten an, „ein informelles Netzwerk“ gründen zu wollen. Ihr Ziel sei es, „dass künftig weniger Menschen wegen falscher Vorwürfe unschuldig verurteilt werden“.

Unter den Titel „Recht und Gerechtigkeit“ soll in dieser Woche beim Heyne-Verlag ein Buch erscheinen, in dem Jörg und Miriam Kachelmann ihre persönliche Bilanz ziehen.