Fliegerbombe in München-Schwabing

Sprengung versetzt Stadtteil in Schrecken

Die Bombe kann jeden Moment hochgehen, hieß es lange. Dann wurde sie kontrolliert gesprengt. Das hochexplosive Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg versetzte die Menschen im Münchner Stadtteil Schwabing in helle Aufregung. Zum Schluss barsten Fenster, es entstanden kleine Brände.

München. Die Menschen in Altschwabing haben seit sechs Jahrzehnten mit einer hochexplosiven Bombe in der Nachbarschaft gelebt. Diese Nachricht sorgte am Dienstag für einen Ausnahmezustand rund um den Platz an der Münchner Freiheit. Am Vortag war ein extrem gefährlicher Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden.

Am Dienstabend schließlich – nach mehr als 24 Stunden Verspätung - wurde die US-amerikanische Fünf-Zentner-Bombe gezielt gesprengt. Dabei gingen etliche Fensterscheiben in der Umgebung zu Bruch. Stroh, das die Druckwelle bremsen sollte, fing Feuer und flog durch die Gegend. Die Münchner Berufsfeuerwehr hatte die Situation aber nach eigenen Angaben im Griff.

Mehrere Straßen wurden zuvor komplett gesperrt, Geschäfte geschlossen. 2500 Menschen hatten bereits am Montagabend oder in der Nacht ihre Wohnungen verlassen müssen. Ein eigens aus Brandenburg angereister Experte machte sich dann ein Bild von der Lage. Ob sich die Bombe entschärfen lässt, blieb lange unklar. Die Alternative war die kontrollierte Sprengung an Ort und Stelle.

Nachdem die Entschärfung gescheitert war, bereiteten die Experten am Dienstag etwa ab 20.30 Uhr diese Sprengung vor. Etwa eineinhalb Stunden später war es dann so weit: Das Grollen der Detonation war in der ganzen Innenstadt zu hören, kurze Zeit später rasten etliche Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Sirenen durch die Stadt.

Unzählige Polizeiautos, Feuerwehrfahrzeuge, Einsatzwagen des Technischen Hilfswerks blockierten zuvor schon den ganzen Tag den Platz nahe des Fundortes. Rot-weißes Absperrband flatterte entlang der Straßen. Für Radfahrer und Fußgänger gab es kein Durchkommen. Die Menschen waren dennoch geduldig. Drei Buben löcherten einen Polizisten, was denn los sei. „Das ist echt aufregend“, sagte einer. Journalisten brachten ihre Kameras in Position.

Schon am Vormittag hatten Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes Sandsäcke rund um die Bombe gestapelt, um im Fall einer möglichen Detonation die Splitterfolgen gering zu halten. Die Entschärfung verzögerte sich. Parkende Autos waren im Weg, mehrere Abschleppfahrzeuge rollten an. Der Entschärfungsversuch wurde auf den Nachmittag verlegt, dann auf den Abend – die Stunden vergingen, die Menschen wurden immer nervöser.

Die Wohnstraßen rund um das Sperrgebiet fuhr während dieser Zeit ein Feuerwehr-Auto ab. „Achtung! Achtung! Wegen einer akuten Gefahr muss diese Straße kurzfristig geräumt werden“, tönte es blechern aus dem Megafon. Viele Menschen waren hier sowieso nicht mehr unterwegs. Anwohner wurden schon in der Nacht aus ihren Betten geklingelt. Die meisten seien bei Verwandten oder Freunden untergekommen, sagte ein Polizei-Sprecher. Alle anderen hätten in Notunterkünften Unterschlupf gefunden.

Am Abend wurde es dann brisant: Sprengmeister Günther Sobieralski aus Brandenburg versuchte zunächst mit seinem Thüringer Kollegen Andreas West die Bombe mit einer Art Fernsteuerung zu entschärfen. Dafür hatten sie sich in 100 bis 150 Metern Entfernung hinter einem Häuserblock in Schutz gebracht. Mit einer Videokamera beobachteten sie den Blindgänger sowie ihre Arbeit daran.

Die Experten bezeichneten zuvor diese Art von Bomben als „saugefährlich“. Es reiche „ein Hammerschlag von 100 Gramm Gewicht und die geht hoch“. Ein weiteres Probleme beim Schwabinger Sprengkörper sei, dass er so nahe an der Oberfläche liege. Dadurch könne sich die Druckwelle viel leichter an den Seiten verbreiten als bei einer Bombe, die tief in der Erde liegt, erläuterte Sobieralski. Als sich abzeichnete, dass die Entschärfung misslingt, war die Sprengung unausweichlich. Die Spezialisten ließen sich auch von der Dunkelheit nicht abhalten – um 21.53 Uhr erschütterte die Explosion ganz Schwabing.

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