Festnahme: 32 Jahre alter US-Haftbefehl vollstreckt

Haft statt Filmpreis für Roman Polanski

Der Regisseur wurde bei der Einreise in Zürich verhaftet. Er soll im Jahr 1977 eine 13-Jährige vergewaltigt haben.

Zürich/Hamburg. Er ist einer der größten Filmemacher unserer Zeit - doch in den Vereinigten Staaten wird er seit 32 Jahren von der Justiz gesucht. Jetzt wurde Roman Polanski (76) bei der Einreise in die Schweiz am Züricher Flughafen verhaftet. Grundlage ist ein internationaler US-Haftbefehl, in dem Polanski die Vergewaltigung einer 13-Jährigen vorgeworfen wird.

Mit Filmen wie "Tanz der Vampire" (1967), "Rosemary's Baby" (1968) oder zuletzt "Oliver Twist" (2005) erlangte der polnisch-französische Filmregisseur Weltruhm. Auf dem Zürcher Filmfestival sollte er mit dem "Goldenen Auge" für sein Lebenswerk geehrt werden. Stattdessen wartete am Airport die Polizei und nahm ihn in "provisorische Auslieferungshaft".

So leuchtend seine filmische Karriere ist, weist seine Vergangenheit auch Schattenseiten auf. Großer Schicksalsschlag war 1969 die Ermordung seiner hochschwangeren Ehefrau Sharon Tate ( 28) durch Anhänger des US-Sektenführers Charles Manson. Doch ein anderes dunkles Kapitel ist die mutmaßliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen durch Polanski. Ende der 70er-Jahre habe der Regisseur die damals 13 Jahre alte Samantha Gailey (heute Geimer) zu einem Fotoshooting für eine Modezeitschrift in die Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson in Los Angeles eingeladen. Nach ihren Angaben habe er ihr dort Drogen und Champagner eingeflößt und im Anschluss Oben-ohne-Fotos von ihr gemacht. Schließlich habe der Regisseur sie im Whirlpool sexuell missbraucht. Noch im selben Jahr wurde Polanski wegen Vergewaltigung unter Benutzung von Drogen angeklagt.

Der in Paris geborene Regisseur bekannte sich schuldig und begab sich 42 Tage in psychiatrische Behandlung. Nachdem deutlich wurde, dass der zuständige Richter im weiteren Verfahren eine höhere Haftstrafe für Polanski verhängen würde als vereinbart, floh der damals 45-Jährige aus den USA.

1978 kehrte Polanski in seine Geburtsstadt zurück. Da er seit 1975 neben der polnischen auch die französische Staatsbürgerschaft hat, konnte er nicht an die USA ausgeliefert werden. Seitdem meidet der heute 76-Jährige das Land. Sogar den Oscar für die beste Regie des autobiografischen Holocaust-Dramas "Der Pianist" nahm Polanski 2003 nicht entgegen. Bei der Einreise in die USA drohen dem Familienvater sofortige Festnahme und bis zu vier Jahre Haft.

Seit 2005 besteht ein internationaler Haftbefehl. Obwohl das damalige Opfer Samantha Geimer (45) inzwischen öffentlich um Gnade für Polanski bat ("Ich finde, er hat für seine Tat gebüßt"), lehnte ein Gericht in Los Angeles im Mai einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens ab.

Ein Sprecher der Züricher Kantonspolizei sagte gestern: "Wir haben diesen Haftbefehl vollziehen müssen." Warum gerade jetzt, bleibt rätselhaft, denn Polanski weilte schon oft unbehelligt in der Schweiz, machte mehrfach Urlaub in noblen Skiorten wie Gstaad. Guido Balmer, Sprecher des Justizministeriums in Bern: "Wir wussten diesmal genau, wann er einreist." Die Verhaftung war laut "Los Angeles Times" Tage zuvor von der US-Justiz eingefädelt worden. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles hatte von Polanskis geplantem Besuch in der Schweiz erfahren, mit der die USA ein Auslieferungsabkommen haben, und über das Justizministerium in Washington den Schweizer Behörden einen einstweiligen Haftbefehl ausgehändigt. Balmer: Polanski könne schon "in wenigen Tagen" nach Kalifornien überstellt werden, falls er seiner Auslieferung zustimme. Umgekehrt könnte sich das Verfahren in der Schweiz "Monate, wenn nicht sogar länger" hinziehen.

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski will die US-Behörden um Gnade für den Regisseur bitten. Der französische Kulturminister Frederic Mitterrand reagierte empört auf die Festnahme Polanskis. Er sei "wie vom Donner gerührt". Er stehe mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Kontakt. Beide hoffen, dass "die Situation schnell bereinigt werden kann".