Katholische Kirche

Papst beruft deutschen Vertrauten in den Vatikan

Bischof Müller übernimmt Spitzenamt im Vatikan. Zollitsch wünscht ihm "glückliche Hand". Rom-Kritiker zeigen sich ob der Wahl besorgt.

Rom/Regensburg. Nach dem Papst ist nun auch der oberste Glaubenshüter der katholischen Weltkirche ein Deutscher: Papst Benedikt XVI. hat den bisherigen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller mit sofortiger Wirkung zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt, wie der Vatikan und das Bistum Regensburg am Montagmittag zeitgleich mitteilten. Müller folgt auf den amerikanischen Kardinal William Levada, der aus Altersgründen zurücktrat.

In seiner neuen Funktion ist der 64-Jährige auch Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, die für den Dialog mit der traditionalistischen Piusbruderschaft verantwortlich ist. Ferner leitet er künftig auch die Päpstliche Bibelkommission und die Internationale Theologische Kommission. Müller erhielt vom Papst - seinem Vorvorgänger an der Spitze der Glaubenskongregation - zugleich die Würde des Erzbischofs und kann für die Zukunft mit der Ernennung zum Kardinal rechnen.

+++ "Vatileaks"-Medien könnten ins Visier der Justiz geraten +++

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wünschte Müller für sein neues Amt „eine glückliche Hand“. Der Freiburger Erzbischof betonte: „Bischof Gerhard Ludwig Müller hat die besten Voraussetzungen, um die neuen Aufgaben in der Kongregation für die Glaubenslehre auszufüllen. Er ist einer der profiliertesten Theologen der Gegenwart.“

Müller schon in Rom

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, schrieb in seinem Glückwunschbrief an Müller, es sei gut, künftig einen Kenner der ökumenischen Verhältnisse in Deutschland an so wichtiger und verantwortlicher Position in der katholischen Weltkirche zu wissen. Müller bringe in sei neues Amt die Erfahrung aus Deutschland mit ein, einem Land, in dem das Miteinander der Konfessionen das Bild der Christenheit präge.

+++ Papst Benedikt ruft neuen Vertrauten in den Vatikan +++

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer lobte den Erzbischof als „Mann des klaren Glaubens und der deutlichen Worte“. Die Berufung des bisherigen Bischofs von Regensburg „durch unseren bayerischen Papst Benedikt XVI. nach Rom macht den Vatikan noch ein Stück bayerischer“, schwärmte der CSU-Chef.

Müller reiste schon am Montagmorgen nach Rom, wie der bisherige Regensburger Generalvikar, Prälat Michael Fuchs, sagte. Er wolle „das neue Amt mit gutem Schwung anpacken“. Die Diözese sei stolz, dass der Papst den Bischof mit dieser herausragenden Aufgabe betraut habe.

+++ 183.000 Katholiken leben in Hamburg - so viele wie nie zuvor +++

„Bei aller Freude müssen wir dennoch feststellen, dass das Bistum einen großen Hirten und leidenschaftlichen Seelsorger verliert“, sagte Fuchs. Der Bischofsstuhl in Regensburg ist mit Müllers Wechsel in den Vatikan nun vakant. Ein Diözesanadministrator, der das Bistum bis zur Amtseinführung eines neuen Oberhirten führt, soll in den nächsten Tagen gewählt werden.

Streitbarer Oberhirte

Soweit er das wahrgenommen habe, freue sich Müller „sehr auf diese neue Aufgabe, wiewohl es ihm nicht leichtfällt, Abschied zu nehmen von der Diözese“, erläuterte der Prälat. Müller stand fast zehn Jahre lang an der Spitze des Bistums Regensburg. Über einen Wechsel in den Vatikan war in den vergangenen Jahren wiederholt spekuliert worden.

Müller polarisierte zwar wie kaum ein zweiter Bischof in Deutschland, ist aber ein weltweit anerkannter Theologe und hatte in Rom bereits eine Reihe von Funktionen inne. Ende 2007 berief ihn Benedikt XVI. in die Glaubenskongregation, Anfang 2009 wurde er zudem Mitglied im Päpstlichen Rat für die Kultur. Wie sehr der Papst den Bischof schätzt, zeigt auch, dass er Müller mit der Herausgabe seiner Gesammelten Schriften beauftragt hat.

Die Rom-kritische Bewegung „Wir sind Kirche“ beklagte, Müller trete in vielen Bereichen „für eine Profilierung der offiziellen römisch-katholischen Lehrmeinung, also für eine Polarisierung und nicht für eine Versöhnung“ ein. Es sei zu befürchten, dass der Erzbischof darauf hinwirken werde, Reforminitiativen in der ganzen Weltkirche zu bekämpfen.