Der Verdacht ist ungeheuerlich: Rund neun Monate soll ein arbeitsloses Ehepaar eine junge Frau als Haussklavin gehalten haben.

Mosbach. Todesdrohungen, Schläge und sexuelle Übergriffe - rund neun Monate soll das Martyrium einer jungen Frau gedauert haben. Seit Donnerstag muss sich ein Ehepaar aus Haßmersheim (Neckar-Odenwaldkreis) vor dem Landgericht Mosbach verantworten, weil es die Frau als Haussklavin gehalten und misshandelt haben soll. Der 51 Jahre alte Mann und seine 46-jährige Ehefrau hätten die junge Frau, wie eine Leibeigene behandelt und durch „ein Herrschafts- und Gewaltverhältnis“ eingeschüchtert, um ihre Flucht zu verhindern, sagte Staatsanwältin Michaela Molnar zum Prozessauftakt.

Das arbeitslose Paar muss sich wegen gemeinschaftlicher Geiselnahme sowie gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Dem Mann wird zudem sexuelle Nötigung zur Last gelegt. Zu den Vorwürfen sollen die beiden erst am zweiten Prozesstag am kommenden Montag Stellung nehmen. Der Staatsanwaltschaft zufolge bestritt das Paar bei seinen Vernehmungen die Vorwürfe.

Die junge Frau - eine Internetbekanntschaft des Sohnes - war im März 2010 freiwillig zu der Familie gezogen. Spätestens im September habe das Paar den Beschluss gefasst, sie so einzuschüchtern, dass sie nicht fliehen würde, sagte Staatsanwältin Molnar. Der Angeklagte habe seine sadistischen Neigungen an der heute 21-Jährigen ausleben können. Er soll die junge Frau geschlagen, sexuell genötigt und gedroht haben, ihr bei Fluchtversuchen den Kopf abzuschneiden.

Nach dem Umzug der Familie von Eppingen (Kreis Heilbronn) nach Haßmersheim im vergangenen Winter soll der 51-Jährige das mutmaßliche Opfer fast täglich geschlagen oder getreten haben. Seine Ehefrau soll die Gewalt billigend in Kauf genommen haben, auch um nicht allein den Angriffen ihres Mannes ausgesetzt zu sein.

+++ Medienandrang zum Auftakt des Haussklavin-Prozesses +++

Laut Anklage durfte die junge Frau, die als Nebenklägerin vor Gericht erschien, das Haus nur in Begleitung von Familienmitgliedern verlassen. Nachbarn berichteten, die junge Frau habe einen ungepflegten und traurigen Eindruck gemacht, sagte ein Polizeibeamter im Prozess. Im Juni schließlich gelang der Frau die Flucht. Die Ermittlungen gegen den 15-jährigen Sohn der Familie wurden eingestellt, da ihm laut Staatsanwaltschaft kein ausreichender Verdacht nachgewiesen werden konnte.

Der Prozess wurde am Donnerstag nach rund zwei Stunden beendet. Das Verfahren soll am kommenden Montag fortgesetzt werden. Insgesamt sind vier Verhandlungstage angesetzt, 13 Zeugen sind geladen.

Das Paar war bereits 2002 wegen der Misshandlung einer Verwandten vom Landgericht Heidelberg verurteilt worden. Beide hatten demnach die damals minderjährige Schwester der Frau mehrfach schwer mit einer Eisenstange und einer Kette verletzt.