Afrikareise

Papst wirbt für Zusammenarbeit mit dem Islam

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Oberhaupt der Kirche unterzeichnet während seiner Afrikareise Dokument für mehr Respekt gegenüber anderen Religionen.

Ouidah. Während seiner Afrikareise hat Papst Benedikt XVI. am Sonnabend in Benin das Arbeitsprogramm für die Kirche des Kontinents veröffentlicht. Das Kirchenoberhaupt wandte sich in einer Rede an Politiker und Religionsführer sowie an die internationale Staatengemeinschaft: Niemand solle sich respektlos gegenüber Afrika verhalten und Vorurteile gegenüber diesem Kontinent hegen, betonte er im Präsidenten-Palais in Cotonou, der größten Stadt des Landes. Der Kontinent und seine Menschen brauchten nicht die Ausbeutung ihrer Bodenschätze und Energien, sondern Würde, Hoffnung und Zukunft.

Benedikt XVI. verband den Appell mit einem Aufruf zu Dialog und religionsübergreifender Zusammenarbeit. Gewalt im Namen Gottes und Hass unter Berufung auf Heilige Schriften seien ein gewaltiger Irrtum.

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Zwei Stunden später setzte der Papst im 40 Kilometer entfernten Ouidah seine Unterschrift unter das Schlussdokument der Afrikasynode von 2009. Unweit des „Tors der Nimmerwiederkehr“, durch das einst Hunderttausende Sklaven ihren Weg zu den Schiffen nach Übersee und in die Zwangsarbeit antraten, steckte er mit seinem Lehrschreiben „Africae munus“ den Rahmen für den künftigen Weg der afrikanischen Kirche ab. Inmitten von Not und Gewalt, von Katastrophen und Korruption müssten die Katholiken für Versöhnung, Gerechtigkeit und Freiheit eintreten, betonte er in dem 150-seitigen Papier.

Im Autokonvoi hatte Benedikt XVI. die Strecke von Cotonou nach Ouidah zurückgelegt, von wo vor 150 Jahren die Evangelisierung der Region ihren Ausgang nahm. Entlang der Strecke wurde er von vielen tausend Menschen lautstark begrüßt. Es gehe der Kirche nicht um Politik, stellte der Papst bei einer Ansprache in der Basilika von Ouidah klar. Es gehe ihr nicht um eine soziale oder politische Revolution, sondern um eine Revolution der Liebe. Sie plane nicht die Gestaltung einer gerechten Gesellschaftsordnung, sondern – gleichsam im vorpolitischen Raum – die Formung der Gewissen. Voraussetzung sei freilich Versöhnung – mit Gott und mit den Mitmenschen. Auf dieser Grundlage, so fordert der Papst, müsse und könne die Kirche Afrikas „als Friedensstifterin, als Agentin für Versöhnung und als Verkünderin der Gerechtigkeit“ wirken.

Äußerst vielfältig, und unterschiedlich konkret sind die Vorschläge und Empfehlungen, die „Africae munus“ der Kirche Afrikas an die Hand gibt. Sie soll sich für eine gerechte Güterverteilung und gegen Ausbeutung einsetzen, auf gutes Regieren und transparentes Verwalten achten. Sie sollen für Umweltschutz, ganz besonders aber für einen Schutz des menschlichen Lebens eintreten. Sie soll sich für Ehe und Familie stark machen. Ihre Schulen sollen den Analphabetismus bekämpfen, und bei aller Öffnung ihr katholisches Profil bewahren.

Über weite Strecken gibt „Africae munus“ die 57 Thesen wieder, die die Synodalen am Ende ihrer dreiwöchigen Beratungen erstellt hatten. Im Wesentlichen bestätigten sie bekannte Positionen der Kirche: Für die Abschaffung der Todesstrafe, für mehr Gerechtigkeit für Migranten, gegen überzogenes Stammesdenken und gegen Hexerei. Für eine gleiche Würde von Mann und Frau – wobei die Fortschritte in Afrika zu langsam seien. Ausführlicher äußert sich das Papier zum Thema Aids – das sich nicht allein medizinisch und pharmazeutisch lösen lasse, sondern eine Verhaltensänderung voraussetze. Es fällt auf, dass die Frage von Kondomen keine Rolle spielt.

Den vielen Worten und Vorschlägen folgte am Nachmittag noch eine Begegnung mit einigen Kindern. In einer Sozialstation der Mutter-Teresa-Schwestern traf er mit einer Gruppe von Kindern zusammen – die Zukunft der Welt und der Kirche. Das Kirchendokument wirbt für mehr Ökumene und Respekt, für Dialog und Zusammenarbeit mit den anderen Religionen, insbesondere mit dem Islam und den Naturreligionen. (kna)