"Wetten, dass ..?"

Gottschalk gibt potenziellen Nachfolgern Tipps

Gottschalk gibt zu, „dass der Knochen, den ich hinterlasse, schon ziemlich abgenagt ist", sagte der 61-Jährige.

Berlin. Noch-„Wetten, dass...?“-Moderator Thomas Gottschalk hat eingeräumt, dass es sein Nachfolger schwer haben wird. Er gebe zu, „dass der Knochen, den ich hinterlasse, schon ziemlich abgenagt ist“, sagte der 61-Jährige der „Bild“-Zeitung (Dienstagausgabe). Die Absicht eines jeden Nachfolgers müsse sein, „es nicht besser machen zu wollen als der Vorgänger – sondern anders“. Es gebe auch nach der Absage von Hape Kerkeling geeignete Nachfolger.

Gottschalk sagte, er halte sich mit Äußerungen zur Zukunft der Sendung bewusst zurück. Das ZDF habe natürlich die Sorge, „dass ich bei meinem Ritt in den Sonnenuntergang den Gaul gleich mit um die Ecke bringen könnte. Das ist nicht meine Absicht.“ (dapd)

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Neben dem Bundeskanzler und dem Bundestrainer ist der Moderator der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ allem Anschein nach die wichtigste Personalie der Republik – auf jeden Fall ist sie derzeit die öffentlich meistdiskutierte. Eine Entscheidung war bis zum Wochenende zum Greifen nahe, ist aber nun in weite Ferne gerückt: Denn die Absage von Hape Kerkeling an das ZDF hat dem Sender eine schöne Katerstimmung eingebrockt, weil die Suche nach einem geeigneten Nachfolger jetzt wieder von vorne anfängt.

Programmdirektor Thomas Bellut versuchte sofort nach der Show am Samstag, in der Kerkeling vor zehn Millionen Zuschauern „nein“ sagte, die TV-Nation zu beruhigen. Eine Entscheidung werde nach Gottschalks letzter Ausgabe im Dezember fallen. Gemeinsam mit einem neuen Moderator werde dann an einer Weiterentwicklung des Formats gearbeitet. Einen Zeitpunkt der Rückkehr von „Wetten, dass..?“ nannte Bellut überhaupt nicht mehr. Vor kurzem hieß es noch: Ein halbes Jahr Pause stehe nun an.

Kann es vielleicht sein, dass das prestigeträchtige Flaggschiff „Wetten, dass..?“ eingestampft wird, weil hinter Gottschalk kein geeigneter Moderator mehr folgen kann? Dies stehe nicht zur Debatte, sagte ein Sprecher des Senders am Montag. „Auch den Wechsel von Frank Elstner auf Thomas Gottschalk konnte sich niemand vorstellen“, sagte er. „Und „Wetten, dass..?“ blieb trotzdem die erfolgreichste Show.“ Das war 1987. Doch damals waren die Zeiten noch andere. Die Zuschauer wollten große Shows in dem Stil.

Und nun? Bellut favorisiert eine Pärchenlösung, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ andeutete. „Ein Duo ist eine naheliegende und wahrscheinliche Option“, ergänzte der ZDF-Sprecher auf dpa-Anfrage. Doch wer kann diesen Job machen? TV-Pärchen gibt es bereits einige – so zum Beispiel Anke Engelke und Bastian Pastewka: Sie haben als satirisches Volksmusikgespann Anneliese und Wolfgang bereits den Deutschen Fernsehpreis moderiert. Sonja Zietlow und Dirk Bach haben sich in der RTL-Dschungelshow „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ einen Namen gemacht. Und nicht zu vergessen die Nachwuchs-Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.

Welche Rolle spielt nun Michelle Hunziker (34) in diesen Überlegungen? Auch sie ist laut ZDF eine Variante, denn Bellut plant ohnehin mit ihr weiter. Doch welcher Mann könnte ihr zur Seite stehen? Keine schlechten Chancen werden jetzt wieder Jörg Pilawa eingeräumt, auch wenn der in rhythmischer Gleichmäßigkeit betont, er komme nicht infrage. Außerdem wird er sowieso schon Gottschalks Nachfolger als Botschafter der ZDF-Lotterie „Aktion Mensch“. Wer nicht dauernd ablehnt, ist ZDF-Mann Markus Lanz – den 42-jährigen Talker, Nordpol-Abenteurer und TV-Küchenmeister kann man zur Not auch in einen Smoking stecken und die Showtreppe runterschicken.

Und wieder ante portas: Johannes B. Kerner. Denn der 46-Jährige könnte im nächsten Jahr erneut auf dem Markt sein – erstens beendet er zum Jahresende sein Sat.1-Magazin „Kerner“ und zweitens gibt Sat.1 die Champions-League-Rechte an das ZDF ab. Eigentlich ideal für Kerner, wäre das Tuch zwischen ihm und Bellut nicht nach seinem Abgang im Jahr 2009 zerschnitten worden. Ein hochbegabter Entertainer wie Stefan Raab scheint zu stark im System ProSieben integriert, denn er produziert und moderiert dort. Auch gilt er nicht gerade als massenkompatibel, ein Problem für eine Mainstream-Familienshow wie „Wetten, dass..?“.

Ein Problem aber haben alle möglichen Kandidaten, auch wenn es das ZDF nicht so sieht: Nach Gottschalk kann jeder im Grunde nur verlieren. Zwar hat Gottschalk auch seinen Vorgänger Elstner vergessen lassen, aber Wolfgang Lippert, vorübergehend 1992 und 1993 bei „Wetten, dass..?“ im Einsatz, wurde Gottschalks Schatten nicht los.

Und was ist eigentlich mit „Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner? Der 69-Jährige wollte sich am Montag nicht äußern und wies darauf hin, dies bis Gottschalks Abschied am 3. Dezember auch nicht zu tun.

Bleibt im Grunde als weitere mögliche Option: Gottschalk ersetzt Gottschalk. Wie bitte? Gut, die Theorie ist vage, aber nicht auszuschließen: Der große Meister, das ist sicher, wechselt zur ARD und beginnt am 23. Januar mit seiner Montags-bis-Donnerstags-Vorabendshow „Gottschalk live“. Nicht wenige Skeptiker haben sich auf die Meinung versteift, dass der Entertainer nach anfänglichem Interesse auf das Quotenniveau sinken wird, das der Vorabend gegenwärtig hat: sechs bis acht Prozent Marktanteil.

Wollte das ZDF dann „Wetten, dass..?“ im zweiten Halbjahr wieder fortsetzen, hätte Gottschalk nach einem möglichen ARD-Ausstieg im Mai sogar noch Zeit für eine ordentliche Sommerpause.

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