Londoner Gericht: WikiLeaks-Chef wird ausgeliefert

| Lesedauer: 2 Minuten
Ingrid Raagaard

Julian Assange soll in Schweden eine Frau vergewaltigt haben

London. Er war in jener August-Woche ganz oben auf dem Gipfel des Olymps - und stürzte tief ab. Julian Assange, 40, hatte mit seiner Enthüllungs-Webseite WikiLeaks Weltruhm erlangt, als er am 10. August 2010 nach Stockholm reiste. Er war vom Sozialdemokratischen Freundschaftsverein eingeladen worden, sollte Vorträge halten. Sein Besuch endete mit einem ungeheuerlichen Vorwurf. Er soll eine Frau im Schlaf vergewaltigt haben.

Seit fast einem Jahr nun kämpft Assange gegen seine Auslieferung nach Schweden. Freunde im englischen Norfolk haben den Australier aufgenommen. Gestern entschied der Londoner High Court, dass der IT-Spezialist ausgewiesen wird. Jetzt bleibt nur noch der Gang zum Supreme Court, dem höchsten britischen Gericht, vorausgesetzt, es nimmt die Berufung an. Lässt es Assange abblitzen, dann wird er schon in wenigen Wochen in einem Flugzeug in Richtung Skandinavien sitzen.

Rechtsexperten sind völlig uneinig über den Fall

Was danach passiert, ist völlig offen. Rechtsexperten halten es nicht einmal für ausgeschlossen, dass die Vorwürfe in Schweden gar nicht für eine Haftstrafe ausreichen. Andere halten auch mehrere Jahre Gefängnis für möglich. Was war geschehen? Eine 31 Jahre alte Mitarbeiterin der Sozialdemokraten hatte Assange für eine Woche in Stockholm ihre Wohnung zur Verfügung gestellt. Es kam zum Sex, das Kondom platzte. Soweit sind sich beide einig. Assange behauptet, man habe einvernehmlich ohne Kondom noch mehr Sex gehabt. Die Frau fühlte sich nach eigener Aussage genötigt. Schon am nächsten Tag lernte er eine 25-Jährige kennen. Erst gingen sie essen. Später hatten sie Sex, und Assange benutzte ein Kondom. So steht es in den Ermittlungsakten. Zwei Tage später besuchte er sie noch einmal. In der Nacht sei sie davon wach geworden, dass Assange ohne Kondom mit ihr schlief, behauptet die Frau. Auch hier sagt Assange, der Sex sei einvernehmlich gewesen.

Beide Frauen fühlten sich von ihrem IT-Idol ausgenutzt, gingen zur Polizei. Aber anzeigen wollten sie ihn nicht. Sie wollten ihn nur zu einem HIV-Test zwingen. Doch die Mühlen der Behörden hatten zu mahlen begonnen. Vor elf Monaten wurde er deshalb in Großbritannien festgenommen. Er lebt seitdem bei den Freunden unter Hausarrest. Assange ist davon überzeugt, dass hinter den Anklagen eine politische Intrige der USA steckt. Er hatte geheime Akten veröffentlicht.