Nach den Anschlägen in Berlin und im Havelland müssen auch Reisende zwischen Hamburg und Berlin zusätzliche Fahrtzeit einplanen.

Berlin/Hamburg. Durch den Brandanschlag am Montagmorgen westlich von Berlin und den versuchten Anschlag am Berliner Hauptbahnhof haben sich mehr als 300 Züge verspätet. Betroffen waren hauptsächlich Züge in Berlin und Brandenburg und die Strecke von Berlin nach Hamburg. Einige Züge fielen seit dem Anschlag am Montagmorgen komplett aus, andere verzögerten sich um weit mehr als eine Stunde. Nach Angaben eines Bahnsprechers summierten sich die Verspätungen auf 17.000 Minuten. Durch einen "Dominoeffekt“ kamen auch Fern- und Regionalzüge Richtung Westen und Süden nicht pünktlich an.

"Wir hoffen, dass sich die Verhältnisse bis zum heutigen Dienstag stabilisiert haben," sagte ein Bahnsprecher. Kleinere Störungen im Betrieb werde es aber bis Mittwoch geben. Die Züge zwischen Hamburg und Berlin müssten über Stendal und Wittenberge umgeleitet werden und bräuchten eine Dreiviertelstunde länger.

Brandanschlag auf die Bahn

Bereits am Montag waren Zehntausende Bahnfahrer von den Folgen der Brandanschläge nahe des Berliner Hauptbahnhofs und im brandenburgischen Havelland betroffen, die wichtige Teile des Verkehrsnetzes der Deutschen Bahn lahmlegten. Reisende kamen zu spät zu Terminen, Berufspendler warteten vergeblich auf ihre Züge. Fahrgäste im Fern- und Regionalverkehr mussten auf der Nord-Süd-Strecke lange Wartezeiten und Umleitungen in Kauf nehmen.

Die Bahn verurteilt die Anschläge aufs Schärfste: "Unsere Kunden sollen nach den Bekennerschreiben für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr herhalten. Das ist absolut verantwortungslos", sagt Prof. Gerd Neubeck, Leiter der Konzernsicherheit der DB. "Bei einem Streckennetz von 34.000 Kilometer Länge ist eine flächendeckende Überwachung schlicht unmöglich", gibt Neubeck zu bedenken. "Wir sind zwingend bei der Bekämpfung extremistischer Gewalt auf die staatlichen Ermittlungsbehörden angewiesen. Dies ist nicht Aufgabe der Bahn. Wo wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Befugnisse unterstützen können, tun wir dies gerne."

Zunächst hatten in der Nacht zu Montag gegen 3.45 Uhr Brandstifter an der ICE-Strecke zwischen Hamburg und Berlin Feuer in einem Kabelschacht gelegt. Zwischen den Bahnhöfen Finkenkrug und Brieselang wurden Signalanlagen schwer beschädigt, die Strecke musste gesperrt werden. Der Regional- und Fernbahnverkehr in Berlin und Brandenburg wurde dadurch erheblich beeinträchtigt.

Außerdem fand ein Bahnmitarbeiter am nördlichen Ausgang des Tieftunnels am Berliner Hauptbahnhof gegen 11.45 Uhr mehrere verdächtige Gegenstände. Sie enthielten flüssigen Brandbeschleuniger und wurden von der Bundespolizei entschärft. Für etwa eineinhalb Stunden mussten Fern- und Regionalzüge umgeleitet werden, betroffen war der Zugverkehr auf der Nord-Süd-Tangente.

Bahnreisende zwischen Berlin und Hamburg müssen sich bis Mittwoch auf deutlich längere Fahrzeiten einstellen. Züge mit Abfahrt vor Mittwoch, 10 Uhr, sind zwischen beiden Städten voraussichtlich 35 bis 45 Minuten länger unterwegs, weil sie umgeleitet werden. Darauf weist die Bahn Kunden bei der Fahrplanauskunft hin und gibt als Grund "Vandalismus" an.

Die Auswirkungen der Anschläge waren im Zugverkehr in ganz Deutschland zu spüren, Züge nach Leipzig und München mussten ebenfalls ab Berlin umgeleitet werden. Laut Bahn waren viele Tausend Fahrgäste von den Auswirkungen auch hier betroffen. Außerdem werden die Reparaturen an den Signalverbindungen im Havelland noch Tage in Anspruch nehmen.

Wer am Montag wegen des Brandanschlags auf die Bahnstrecke in Brandenburg zu spät an seinem Reiseziel ankam, erhält keine Entschädigung. Die Deutsche Bahn sei nicht für die Verspätung verantwortlich, da der Anschlag durch Dritte verübt wurde, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Ebenfalls leer gehen laut dem Bahnsprecher Passagiere aus, wenn sich ein Zug aufgrund von Naturgewalten wie Stürmen, Überschwemmungen oder extremen Schneefällen verspäte. Ist dagegen zum Beispiel ein Fahrzeugschaden die Ursache, steht den Reisenden eine Entschädigung zu. Wie hoch diese ausfällt, hängt von der Verspätung ab: Ab 60 Minuten erhalten die Fahrgäste 25 Prozent, ab 120 Minuten die Hälfte des Ticketpreises zurück.

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