Glücksatlas

Das große Glück: Hamburger sind die "Dänen Deutschlands"

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Die Allensbach-Studie liefert den Beweis: In der Hansestadt regiert die bundesweit höchste Zufriedenheit. Insgesamt denken Frauen positiver als Männer - außer in Hannover. Außerdem werden im Osten Menschen allmählich genauso glücklich wie im Westen.

Berlin. Was die Dänen auf europäischer Ebene sind, gilt für die Hamburger in Deutschland: Die Bewohner der Hansestadt sind die glücklichsten in ganz Deutschland - zumindest, wenn es nach der neuesten Allesnbach-Studie geht. Aber auch bundesweit gibt es laut erstem "Glücksatlas Deutschland", der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, einen erfreulichen Trend zu verzeichnen. Nach der Erhebung im Auftrag der Deutschen Post sind die Deutschen insgesamt so glücklich wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Bei der Studie vergaben die Bundesbürger sieben von zehn möglichen Punkten für die persönliche Lebenszufriedenheit. Ost und West gleichen sich dabei immer weiter an. Der Glücksatlas basiert zum großen Teil auf Daten des Sozio-Ökonomischen Panels von 2009. Ergänzende Daten lieferte eine Umfrage, die im Auftrag der Deutschen Post vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde. Die zufriedensten Deutschen leben demnach in Hamburg - am wenigsten glücklich sind die Menschen in Thüringen.

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Studienleiter Bernd Raffelhüschen. "Fast überall gilt außerdem: Frauen sind glücklicher als Männer." Nur in Hannover seien die Männer - aus unbekanntem Grund - zufriedener. Ferner fanden die Forscher heraus: Die Jüngeren bis 30 und die Menschen nach der Familienphase sind glücklicher. "Dazwischen hat das Glück eine Delle", sagte Raffelhüschen. Die zehn wichtigsten Fakten zum Glück:

Der Glückswert sieben ist so hoch wie zuletzt im Jahr 2001. Er sank bis 2005 und steigt seit etwa 2009 kontinuierlich an. Daraus lässt sich schließen, dass die Finanzkrise die Lebenszufriedenheit wenig beeinflusst hat.

Männer und Frauen sind zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr am glücklichsten, zwischen 40 und 50 am unglücklichsten. Mit dem Alter nimmt die Lebenszufriedenheit wieder zu: Ab 65 Jahren ist erneut das Niveau von 30-Jährigen erreicht. Im hohen Alter geht die Zufriedenheit dann etwas zurück.

Verheiratete und in fester Partnerschaft lebende Menschen sind glücklicher als Alleinstehende. Im Zusammenhang mit einer Scheidung sinkt der Zufriedenheitswert, erholt sich aber wieder. Allerdings bleiben Geschiedene weniger glücklich als Verheiratete, vor allem, wenn sie keinen neuen Partner finden.

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Kinder haben keine Auswirkung auf die Lebenszufriedenheit der Eltern. Der Wert bei Paaren ohne Kinder entspricht etwa dem der Paare mit zwei Kindern. Wer ein Kind beziehungsweise drei Kinder und mehr hat, ist etwas weniger zufrieden.

Mit vielen sozialen Kontakten sind Menschen glücklicher als ohne. In Süddeutschland spielt Geselligkeit eine größere Rolle als in Ostdeutschland.

Ein hohes Nettoeinkommen macht glücklich - bis zu einem bestimmten Punkt: Ab einem Nettoverdienst von etwa 5000 Euro tritt ein Gewöhnungseffekt ein und die Zufriedenheit steigt nicht mehr.

Sport ist ein Glücksfaktor, ebenso der gelegentliche Genuss von Alkohol. Häufiger Konsum von Bier, Wein etc. dagegen verringert die Zufriedenheit.

Menschen ohne Arbeit sind erwartungsgemäß deutlich weniger glücklich als Menschen mit Arbeit.

Die Arbeitszufriedenheit ist trotz hoher Erwartungen an den Beruf hoch. Die überwiegende Mehrheit sieht das, was sie in ihrem Beruf erwartet, als erfüllt an. 76 Prozent macht ihre Arbeit Spaß. Unzufrieden sind Berufstätige mit der Entlohnung, Aufstiegsmöglichkeiten und dem Arbeitsdruck. 28 Prozent fühlen sich beruflich überfordert.

Anerkennung der eigenen Leistung steigert die Arbeitszufriedenheit. Ebenso wichtig sind Spaß an der Arbeit sowie die Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern. Diese Faktoren sind wichtiger als Entlohnung oder Stress.

Glück kann man übrigens lernen, sagt der Therapeut und Glücksexperte Ernst Fritz-Schubert. Auf dem Weg dahin helfen kleine Tricks. So sollte man sich das Positive bewusst machen und Abstand bekommen. Aus der Distanz betrachtet wirkten Probleme meistens nicht mehr so groß, sagt Fritz-Schubert. Um dem nachzuhelfen, reiche es, auf einen Stuhl zu steigen, wenn einem alles zu viel wird: "Stellen Sie sich vor, in einem Ballon aufzusteigen und das Problem von oben anzuschauen. Und Sie werden feststellen, dass es eigentlich klein ist." Eine Alternative sei eine Frage an sich selbst: "Welche Rolle spielt das Problem in einem Monat?" Der zeitliche Abstand mache oft deutlich, dass Sorgen unbegründet seien.