Zwei Tote auf Kreuzfahrtschiff

Die "Nordlys" der norwegischen Hurtigruten droht nach einem Feuer an Bord zu sinken. Zwei Deutsche verletzt

Bergen. Feueralarm auf einem Kreuzfahrtschiff der Hurtigruten: Die "Nordlys" musste gestern auf einer Reise durch Norwegens Fjordlandschaft wegen eines Brands evakuiert werden. Am Abend drohte der Havarist zu sinken. Zwei Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben.

Alle 207 Passagiere, unter ihnen 41 Deutsche, seien zwar "sicher an Land gekommen", wie die bei deutschen Touristen beliebte Reederei Hurtigruten mitteilte. Die 262 Menschen an Bord hatten nach Überzeugung der Polizei aber großes Glück. Der Unfall habe nur deshalb nicht mehr Opfer gekostet, weil das Feuer kurz vor dem Anlegen im Hafen von Ålesund ausbrach. Dort konnte die brennende "Nordlys" innerhalb von 20 Minuten zum Kai bugsiert werden.

Nach Rundfunkangaben werden im Krankenhaus von Ålesund sieben schwer verletzte Menschen behandelt, unter ihnen seien keine Bundesbürger. Ein Kliniksprecher berichtete, zwei Patienten hätten schwere Verbrennungen erlitten. Alle anderen würden vor allem wegen Rauchvergiftungen behandelt. Zwei deutsche Gäste mussten ambulant versorgt werden. Insgesamt gab es neun leicht verletzte Passagiere.

Der Brand ist wahrscheinlich durch eine Explosion im Maschinenraum ausgelöst worden. Wie Sprecher der Polizei und der Feuerwehr bei einer Pressekonferenz in Ålesund erklärten, hätten dies erste Ermittlungen ergeben. Wegen der starken Rauchentwicklung auf dem Kreuzfahrer gebe es aber noch keine näheren Untersuchungen.

Gut die Hälfte der Passagiere war zunächst auf herbeigeeilte Boote gebracht worden. Dann gelang es Schleppern, den Havaristen an den Kai zu ziehen. Dort konnten die verbliebenen Menschen von Bord der 122 Meter langen "Nordlys" gehen. Passagiere berichteten der norwegischen Nachrichtenagentur NTB später, dass die Evakuierung des Schiffes nach dem Brandalarm ohne Panik abgelaufen sei. Die Dänin Benedicte Skovested lobte die Crew: "Es gab keine Panik. Die Besatzung hat das sehr professionell bewältigt."

Wegen der Rauchentwicklung ließen die norwegischen Behörden das Zentrum der Kleinstadt in Westnorwegen vorübergehend räumen. Es wurde Katastrophenalarm gegeben. So konnten aus Bergen und anderen norwegischen Städten Feuerwehrkräfte herbeigerufen werden. Sie brachten die Flammen am Nachmittag unter Kontrolle, etwa drei Stunden nach dem Ausbruch des Feuers.

Die Sprecherin des Koordinierungszentrums für Rettungseinsätze in Südnorwegen, Borghild Eldöen, berichtete am Abend man habe Probleme mit dem Löschwasser im Rumpf. Helfer seien bemüht, es abzupumpen. Auch Taucher seien im Einsatz, um sich ein Bild vom Zustand der "Nordlys" unter Wasser zu machen.

Das Schiff bekam mit einbrechender Dunkelheit zunehmend Schlagseite. "Unsere wichtigste Aufgabe besteht jetzt darin, die 'Nordlys' zu stabilisieren", sagte ein Polizeisprecher. Es laufe so viel Wasser durchs Schiff, dass die "Nordlys" auch kentern könne.

Die Reederei Hurtigruten verkehrt längs der lang gestreckten norwegischen Küste bis in den arktischen Norden. Die 1994 in Stralsund vom Stapel gelaufene "Nordlys" hatte am frühen Morgen in Bergen abgelegt und sollte 34 Häfen anlaufen. Die Postschifflinie ist bei deutschen Kreuzfahrt-Touristen wegen der Schönheit der Fjordlandschaft beliebt. Der Konzernchef von Hurtigruten, Olav Fjell, sagte: "Dies ist ein trauriger Tag für uns."

Die Passagiere des Kreuzfahrtschiffs erhalten Schadenersatz. Es handle sich um einen Reisemangel und das Verschulden liege in diesem Fall klar bei der Reederei, erklärte Reiserechtler Prof. Ernst Führich aus Kempten. "Ein technischer Defekt ist immer Betriebsrisiko, nie höhere Gewalt."

Deshalb bekommen Passagiere für die Tage, um die sich die Kreuzfahrt verkürzt, den Anteil des Reisepreises zurückerstattet. Zusätzlich stehe ihnen für diese Tage Schadenersatz in voller Höhe des Tagespreises zu, sagte Führich - für "vertane Urlaubszeit". Schadenersatz für Sach- und Personenschäden sei gemäß des Seerechts gedeckelt - sofern dem Personal keine Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann. Für Schäden am Kabinengepäck zum Beispiel bekommen Passagiere maximal 2045 Euro.