Supermarkt-Kette

Überfälle auf Netto-Märkte geklärt - Täter reiste aus Kenia ein

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Ein bundesweit gesuchter Supermarkt-Räuber und sein Komplize sind gefasst. Sie sollen mindestens 19 Fillialen Netto-Kette überfallen haben.

Köln. Die Polizei hat eine bundesweite Serie von spektakulären Raubüberfällen auf den Discounter Netto geklärt. Die beiden mutmaßlichen Täter seien unmittelbar vor vier geplanten neuen Überfällen auf Netto-Filialen in Niedersachsen festgesetzt worden, berichtete der Kölner Polizeipräsident Klaus Steffenhagen am Montag. Die Fahnder hatten die Männer am Sonnabend in Lübeck und am Niederrhein festgenommen. In den vergangenen beiden Jahren sollen sie insgesamt 19 Filialen in mehreren Bundesländern überfallen und dabei mehrere hundert Tausend Euro erbeutet haben. Der 38 Jahre Haupttäter habe hauptsächlich in Kenia gelebt und sei für die Überfälle nach Deutschland eingereist.

Die Überfälle habe der Mann zusammen mit einem 39 Jahre alten Netto-Gebietsverkaufsleiter geplant, der ihn mit detailliertem Geschäftswissen versorgte. Die Männer seien „hoch professionell“ vorgegangen und von einer ungewöhnlichen „Abgebrühtheit“. Bei den ersten Überfällen habe sich der Haupttäter als Revisor im Auftrag der Geschäftsführung ausgegeben. Später schlüpfte er in andere Rollen und änderte jedes Mal geschickt sein Äußeres.

Die Netto-Mitarbeiter habe er mit vorgehaltener Schusswaffe zur Herausgabe des Gelds gezwungen. Seine Opfer habe er auch mit Kabelbinder gefesselt oder geknebelt vor den Tresoren zurückgelassen und nachhaltig traumatisiert, betonte Küpper.

In einigen Fällen war der 39-jährige Gebietsverkaufsleiter nicht nur Mit-Planer der Überfälle, sondern steuerte auch das Fluchtauto, wie die Ermittlungen bisher ergaben. Die beiden Männer kannten sich noch aus Jugendzeiten, hatten auf einem Gymnasium am Niederrhein gemeinsam die Schulbank gedrückt. Am vergangenen Sonnabend wollten sie eine Raubüberfallserie begehen, die „Deutschland ins Stöhnen bringen sollte“, sagte Küpper nach den Vernehmungen. Es werde nun auch geprüft, ob die Männer noch für weitere schwere Straftaten infrage kommen.

Rund 60 Ermittler hatten an der Aufklärung des Falls allein in Köln gearbeitet. Mehr als 1000 Hinweise waren dort eingegangen. Neben einer Fahndung mit Phantombildern hatte die Polizei auch mit einer Plakataktion in bundesweit 4000 Filialen der Discounterkette nach dem Räuber gesucht. Zunächst waren die Ermittler von einem Täter ausgegangen. Auch per TV war etwa im ZDF-Magazin „Aktenzeichen XY: ...ungelöst“ um Mithilfe der Bevölkerung gebeten worden. (dpa)