Máxima verzaubert Berlin

Die Prinzessin beeindruckte mit besonderer Eleganz. Königin Beatrix besucht das "neue Deutschland"

Berlin. Von einem Abschiedsbesuch spricht offiziell niemand - aber alle gehen davon aus, dass die niederländische Königin Beatrix das letzte Mal offiziell deutschen Boden betreten hat. Betont herzlich begrüßten Bundespräsident Christian Wulff, 51, und Kanzlerin Angela Merkel, 56, gestern in Berlin die 73 Jahre alte Monarchin zu ihrer viertägigen Staatsvisite, die bis Freitag auch nach Sachsen und Nordrhein-Westfalen führen wird.

Beatrix traf in Begleitung von Kronprinz Willem-Alexander, 43, und seiner argentinischen Frau Máxima, 39, ein. Allgemein wird in den Niederlanden erwartet, dass die Königin schon bald das Zepter an ihren Sohn übergeben wird. Hinter den Kulissen heißt es, die Königin wolle ihren Thronfolger in Deutschland vorstellen.

Die schöne Schwiegertochter eroberte jedenfalls auf Anhieb die Herzen der Zaun- und Schaugäste in Berlin. Bei einem Empfang im Schloss Bellevue etwa trug sie einen großen rosafarbenen Hut zu einem lilafarbenen Kleid. Bei einem Termin im vornehmen Hotel Adlon hatte sich Máxima umgezogen und überraschte mit einem Hut, der an die niederländischen Meisjes erinnerte. Eine ähnliche Kreation gehört zur Tracht, mit der schon "Käsefrau Antje" aus der Werbung berühmt wurde.

Der erste Besuchstag der königlichen Familie war vor allem politischen und wirtschaftlichen Themen gewidmet. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern gelten als eng und ausgezeichnet. Beim Mittagessen mit Merkel ging es nach Auskunft von Regierungssprecher Steffen Seibert auch um die Energiepolitik sowie Fragen der Demografie.

Nach Bildung einer rechten Minderheitsregierung in Den Haag unter Duldung durch die Partei des Islamgegners Geert Wilders hatte es in Berlin Sorgen über ein sich verschlechterndes Verhältnis zwischen beiden Ländern gegeben. Sie bewahrheiteten sich aber nicht. Königin Beatrix sagte, sie sei gekommen, um das "neue Deutschland" kennenzulernen. Am Abend war die Königin zu einem Staatsbankett mit 150 Gästen eingeladen. Wulff, der im November 2010 seinen Antrittsbesuch in den Niederlanden absolviert hatte, rief Deutsche und Niederländer dazu auf, die EU voranzubringen. "Als Gleichgesinnte können unsere Länder dazu beitragen, dass Europa häufiger mit einer Stimme spricht", sagte Wulff im Berliner Schloss Bellevue. "Nur so werden wir dem Anspruch auf Mitgestaltung auch dann gerecht, wenn der Einfluss unseres Kontinents gegenüber anderen Nationen und Kontinenten relativ zurückgeht", fügte Wulff hinzu.

Heute steht auf dem Terminplan der Königin die Stadt Berlin. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wird die Monarchin über den Pariser Platz am Brandenburger Tor führen. Kronprinzessin Máxima besucht mit First Lady Bettina Wulff eine Oberschule in Charlottenburg. Bei einem Mittagessen diskutieren die Gäste und das Präsidentenpaar mit jungen Deutschen, die um das Jahr des Mauerfalls 1989 geboren wurden. Mit einem Konzert des Koninklijk Concertgebouw Orkest Amsterdam will sich die Königin am Abend in der Berliner Philharmonie bei den Berlinern und den Deutschen für die Gastfreundschaft während ihres Besuchs bedanken.

Der dritte Tag des Staatsbesuchs führt nach Dresden, wo Königin, Prinz und Prinzessin unter anderem die Frauenkirche und das historische Grüne Gewölbe besichtigen. Letzte Station ist am Freitag Nordrhein-Westfalen. Es ist nach fast 30 Jahren der zweite Staatsbesuch der Königin in Deutschland - neben weniger offiziellen Reisen zwischendurch. Auch das wird als Zeichen besonderer Wertschätzung von Beatrix für Deutschland gesehen.