Katastrophe in Japan

Sarkophag als letzte Rettung vor den Strahlen?

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abendblatt.de

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Die Methode, die bereits 1986 in Tschernobyl eingesetzt wurde, sei ein letzter Ausweg, teilten Ingenieure des Betreibers Tepco mit.

Tokio. Ein Sarkophag um das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima könnte Japan als letzte Möglichkeit vor einer massiven Strahlenverseuchung bewahren. Die Methode, die bereits 1986 in Tschernobyl eingesetzt wurde, sei ein letzter Ausweg, teilten Ingenieure des Betreibers Tepco am Freitag mit. Derzeit werde aber alles daran gesetzt, einen Super-GAU durch die Kühlung der Reaktoren noch zu verhindern. Die Feuerwehr setzte erneut Wasserwerfer ein, um eine Kernschmelze im großen Stil doch noch zu verhindern. Die japanische Atombehörde stufte den Störfall der Reaktoren eins, zwei und drei unterdessen auf die Kategorie fünf hoch – die gleiche Kategorie wie der schwere Störfall im US-AKW Three Mile Island 1979. In Tschernobyl war die höchste Stufe sieben erreicht worden.

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Die Ankündigung des Unternehmens, das gesamte Kraftwerk möglicherweise unter einem Sarg aus Sand und Beton zu begraben, könnte ein Hinweis darauf sein, dass Tepco ein Scheitern aller Rettungsversuche in Betracht zieht. Doch auch ein Sarkophag wäre keine saubere Lösung, sondern könnte einen Teil des Landes für Jahrzehnte als radioaktiv verseuchte Brache zurücklassen. Außerdem ist der Reaktor derzeit noch so heiß, dass aus Sand theoretisch Glas werden könnte und auch die Aufschüttung einer einer stabilen Betonhülle die nächsten Wochen oder gar Monate scheitern würde. Der Sarkophag in Tschernobyl setzte sich nicht richtig und bekam Risse, so dass Strahlung die Luft und das Wasser verseuchte.

Starkstromkabel verlegt - Erfolg ungewiss

Am AKW Fukushima und in der unmittelbaren Umgebung arbeiteten unterdessen rund 300 Techniker in Schutzanzügen weiter mit Hochdruck daran, eine Starkstromleitung zu zwei der sechs Reaktoren zu verlegen. Am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) meldete die Betreiberfirma, dass die Leitung stehe. Mit der neuen Energieversorgung können die Wasserpumpen zur Kühlung der überhitzten Brennstäbe möglicherweise wieder gestartet werden. Der Strom zu den Unglücksreaktoren eins und zwei und vielleicht vier könnte bis Samstag wieder fließen, erklärte die Atomaufsicht. Einen Tag später könnte auch der Reaktor drei wieder mit Elektrizität versorgt sein. Allerdings war unklar, ob die Wasserpumpen nicht durch das Erdbeben, den Tsunami und die späteren Explosionen im AKW beschädigt wurden.

Inzwischen wurden die Reaktoren weiter mit Wasser besprüht. Die Arbeiter konzentrierten sich dabei auf Reaktor drei, von dem die größte Gefahr ausgeht. Er wurde mit Mischoxid-Brennstäben betrieben, die sowohl Uran als auch das hochgiftige und krebserregende Plutonium enthalten. Eine weiteres Problem stellen alte Brennstäbe des Reaktors vier dar, die noch in einem Abklingbecken gekühlt werden müssen. Unklar war, ob die Brennstäbe bereits trocken lagen.

WHO: Derzeit keine akute Gesundheitsgefahr im Umland

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von dem stark beschädigten Kraftwerk derzeit keine unmittelbare gesundheitsschädliche Strahlenbelastung für die Menschen im weiteren Umland aus. „Zu diesem Zeitpunkt gibt es weiterhin keinen Hinweis darauf, dass sich bedeutende Strahlung über das Gebiet direkt an den Reaktoren hinaus ausbreitet“, sagte der WHO-Vertreter in China, Michael O'Leary, am Freitag. Allerdings müsse die Lage genau beobachtet werden. „Dinge können sich offensichtlich ändern und haben sich in dieser letzten Woche geändert.“

Bei einem Störfall der Kategorie fünf wird von einer begrenzten Freisetzung radioaktiver Strahlung außerhalb der betroffenen Anlage ausgegangen. Nach Angaben der Atombehörde lag die Strahlung innerhalb des Atomkomplexes bei 20 Millisievert pro Stunde. Der Mensch ist normalerweise einer natürlichen Strahlung von zwei Millisievert pro Jahr ausgesetzt. Rund um Fukushima ist eine Evakuierungszone von 20 Kilometern eingerichtet worden. In einem Radius von weiteren zehn Kilometern wurden die Menschen angewiesen, sich nicht im Freien aufzuhalten. Die japanische Atomaufsicht erklärte, derzeit sei es nicht nötig, die Evakuierungszone auszuweiten.

Die Situation bleibe weiterhin sehr ernst, erklärte die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA). Allerdings gebe es keine deutliche Verschlechterung seit Donnerstag. Die Strahlenbelastung in der rund 240 Kilometer entfernten Metropole Tokio sei nicht gefährlich. Die IAEA forderte die japanische Regierung auf, mehr Informationen über das Reaktorunglück zu veröffentlichen. Experten der Organisation wollen sich am Samstag und Sonntag bei einem Besuch des AKW ein Bild von der Lage machen.

Während sich die Aufmerksamkeit auf die Atomkatastrophe von Fukushima richtet, leiden nach wie vor Hunderttausende Menschen unter den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis. Sie leben in Notunterkünften oft ohne Heizung und Trinkwasser, während ein Kälteeinbruch Eis und Schnee brachte. Auch die medizinische Versorgung ist nicht gesichert. Die Regierung in Tokio erwog, einen Teil der betroffenen Menschen in andere Landesteile zu bringen, die nicht von Erdbeben und Tsunami betroffen sind. Im Norden Japans waren am Freitag bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt immer noch mehr als 300.000 Haushalten ohne Strom.

Die bestätigte Zahl der Todesopfer von Erdbeben und Tsunami stieg unterdessen auf knapp 7000. Allerdings werden nach offiziellen Angaben noch 10.700 Menschen vermisst. Etwa 390.000 Japaner sind durch die Katastrophe obdachlos geworden.

Freitag, 18. März

21.03 Uhr: Nach dem massiven Wasserwerfereinsatz im Block 3 des Atomkraftwerks Fukushima ist der Druck in der Reaktorkammer etwas gesunken, wie aus dem jüngsten Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA) hervorgeht. In den beiden anderen Blöcken aber, die nach dem Erdbeben vor einer Woche automatisch abgeschaltet wurden, zeigen die am Morgen des Sonnabend (Ortszeit) veröffentlichten Werte eine leicht steigende Tendenz. Die NISA gibt lediglich Zahlenwerte an und bewertet diese nicht. An Stelle der Notkühlung von Block 3 mit Wasserwerfern will die Betreibergesellschaft Tepco am Samstag versuchen, die reguläre Kühlung für die Reaktorblöcke 1 und 2 wieder in Gang zu setzen.

20.12 Uhr: Der US-Hersteller der japanischen Krisenreaktoren hat den Vorwurf von Konstruktionsmängeln zurückgewiesen. Die Reaktoren des Typs Mark 1 entsprächen allen Vorschriften und hätten „in den vergangenen 40 Jahren gut funktioniert“, erklärte der im US-Bundesstaat Connecticut ansässige Konzern General Electric (GE) am Freitag. Das in den 1960er Jahren entwickelte Reaktormodell sei in den 80er Jahren überholt worden, um es den neuen Bestimmungen anzupassen. „Alle Änderungen, die von den Regulierungsbehörden verlangt wurden, sind umgesetzt worden“, erklärte GE.

18.23 Uhr: Die Zeitung "Yomiuri Shimbun“ aus Tokio vermeldet auf ihrer Internetseite, dass der verheerende Tsunami vom 11. März an seiner höchsten Stelle bis zu 23 Meter hoch war. Diese Höhe sei vor der Küste der Stadt Ofunato in der Präfektur Iwate registriert worden, berichtete die Zeitung und berief sich auf Forscher der Hafenbehörde. Iwate war von dem Tsunami mit am schwersten betroffen worden.

18.01 Uhr: Die Ausläufer der Krise in Japan sind in Deutschland angekommen: Opel muss die Produktion im Werk Eisenach wegen fehlender Teile unterbrechen. Auch in den USA muss eine Autofabrik pausieren. Die Japaner kriegen ihre Fabriken nur langsam wieder ans Laufen.

17.51 Uhr: Die Situation im und um das Atomkraftwerk Fukushima hat sich nach Einschätzung der IAEA weiter stabilisiert. „Ich würde es so beschreiben, dass es sich hin zu einer stabilen Lage entwickelt – was positiv ist“, sagte der IAEA-Experte Graham Andrew. Dass dies Grund für Optimismus sein könnte, wollte Andrew jedoch nicht bestätigen: „Es ist weiterhin sehr ernst, aber es ist nicht bedeutend schlimmer geworden.“

17.32 Uhr: Deutschland hat Japan die Lieferung von Robotern für den Einsatz im Atomkraftwerk Fukushima angeboten. „Die Geräte stehen bereit“, sagte am Freitag ein Sprecher des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Berlin. Jetzt warte das Ministerium auf eine Entscheidung der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA), welche Roboter konkret benötigt würden.

16.20 Uhr: Der Wind am japanischen Unglücksreaktor Fukushima 1 soll zu Beginn kommender Woche wieder in Richtung der Millionen-Metropole Tokio drehen. „Wie weit sich die Radioaktivität dann ausbreitet, kann man aber noch nicht sagen“, sagte Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Am Dienstag soll der Wind voraussichtlich erneut seine Richtung ändern und wieder auf Nord/Nordwest umschwenken. Am Montag werde zudem Niederschlag „ein großes Thema“ sagte Speicher. Starken Regen gebe es vor allem im Süden des Landes, ob es auch in Fukushima regne, sei noch nicht absehbar, aber durchaus möglich. Dann würden die radioaktiven Partikel in die Erde geschwemmt und könnten ins Grundwasser gelangen. Bereits in der Nacht zum Montag könne am Kraftwerk Fukushima der Wind drehen. Schon am Sonntag weht er vermutlich kurzzeitig in Richtung Süden und damit zum Großraum Tokio hin, wo 35 Millionen Menschen leben.

14.31 Uhr: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat Japans Ministerpräsident Naoto Kan erneut die Hilfe seines Landes angeboten. Sarkozy würdigte in dem Telefonat nach Angaben seines Amtes „den Mut und die außergewöhnliche Würde“ des japanischen Volkes angesichts der Katastrophe in dem Inselreich. Frankreich stehe bereit, um weitere Hilfe für den Schutz der Bevölkerung sowie bei der Krisenbewältigung im Atomkraftwerk Fukushima Eins zu leisten. Schon vor Tagen hatte Sarkozy als „Geste der Solidarität Frankreichs und der Länder der G-8 und der G-20“ einen Besuch in Japan vorgeschlagen. Voraussetzung wäre aber das Einverständnis der japanischen Behörden.

13.42 Uhr: Am Katastrophen-AKW Fukushima 1 sind am Freitag fast 140 Feuerwehrleute aus Tokio zum Einsatz gekommen. Diese rückten mit 30 Fahrzeugen an, berichtete das staatliche Fernsehen NHK am Freitagabend (Ortszeit). Sie verspritzten 50 Tonnen Wasser auf den havarierten Reaktor 3, um eine Kernschmelze darin zu verhindern. Es handelte sich um Fahrzeuge, die normalerweise für Einsätze an hohen Gebäuden gedacht sind: Mit ihnen können die Feuerwehrleute aus 22 Metern Wasser spritzen.

13.08 Uhr: Noch mehr als 30 Kilometer vom Katastrophen-AKW Fukushima 1 entfernt ist eine deutlich erhöhte Strahlenbelastung festgestellt worden. Die Verstrahlung nordwestlich der havarierten Anlage lag bei 170 Microsievert am Donnerstag und 150 Microsievert am Freitag, wie das japanische Wissenschaftsministerium mitteilte. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die höchste Belastung habe dabei in einer Zone gelegen, die bisher nicht evakuiert worden ist. Die Menschen hier wurden lediglich aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Nach Expertenmeinung nehmen Menschen bei der gemessenen Belastung innerhalb von sechs bis sieben Stunden so viel Strahlung auf, wie sonst innerhalb eines Jahres gerade noch verträglich wäre.

Die Strahlung direkt am Reaktor ist um ein Vielfaches höher: Erst am Donnerstag hatten die Betreiber nach eigenen Angaben wieder 400 Millisievert am Block 3 gemessen. Ein Millisievert sind 1000 Microsievert. Die japanische Regierung hat den Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk evakuiert. Wer bis zu 30 Kilometer entfernt lebt, soll im Innern von Häusern bleiben.

12.41 Uhr: Ministerpräsident Naoto Kan hat sich in einer Fernsehansprache an die Menschen in Japan gewandt. „Japan als Land wird die Katastrophe überwinden und sich erholen“, betonte Kan. Die Bevölkerung habe die erste Woche nach der Katastrophe mit Ruhe bewältigt. Die atomare Krise erlaube keinen Optimismus. Den Opfern und Angehörigen der Opfer drückte er sein Beileid und Mitgefühl aus. Ministerpräsident Kan erklärte weiter, Japan stehe vor der größten Krise der Nachkriegszeit. Als Antwort würden alle verfügbaren Kräfte gebündelt.

12.37 Uhr: Das US-Militär hat Japan Unterstützung durch 450 Strahlenexperten angeboten. Die Einheit könne dem Land bei der Bewältigung seiner Nuklearkrise helfen, sagte der Befehlshaber des US-Pazifikkommandos, Admiral Robert Willard. Ein Team aus neun US-Spezialisten sei bereits nach Japan geschickt worden. Es soll die Behörden unterstützen, den drohenden Super-GAU in den außer Kontrolle geratenen Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima abzuwenden. Die US-Experteneinheit könne unter anderem zur Strahlenmessung und Dekontamination verstrahlter Menschen oder Objekte eingesetzt werden, hieß.

11.42 Uhr: Auf die massive Kritik am Krisenmanagement der japanischen Regierung hat Ministerpräsident Naoto Kan mit dem Versprechen reagiert, mehr Informationen über die Atomkrise zu liefern. „Ich möchte versprechen, dass wir der internationalen Atomenergiebehörde IAEA so viele Informationen wie möglich zur Verfügung stellen wollen, auch der ganzen Welt“, sagte Kan nach einem Treffen mit IAEA-Chef Yukiya Amano am Freitag in Tokio.

11.11 Uhr: Neben Wasserwerfern und Hubschraubern ist zur Kühlung der Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima 1 jetzt auch ein Diesel-Generator im Einsatz. Der Generator sorge von Reaktor 6 aus für die Wasserzufuhr in die Abklingbecken mit gebrauchten Brennstäben der Reaktoren 5 und 6, berichtete die Internationale Atomenergiebehörde IAEA unter Berufung auf japanische Behörden. Nach den der IAEA vorliegenden Daten scheinen die bisherigen Kühlungsversuche bei den Abklingbecken am Donnerstag nur wenig Wirkung gehabt zu haben.

10.41 Uhr: Japan hat die Gefährlichkeit des Störfalls im Atomkraftwerk Fukushima hochgestuft. Der Störfall wurde von der Stufe 4 auf die Stufe 5 der internationalen Bewertungsskala Ines eingeordnet, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Bewertungsskala ist in 7 Stufen unterteilt. Danach beschreibt Stufe 4 einen „Unfall mit lokalen Konsequenzen“, Stufe 5 einen „Unfall mit weitreichenden Konsequenzen“. Schon vor Tagen hatten die französische Atomsicherheitsbehörde (ASN) und das unabhängige US-Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (Isis) den Unfall auf der zweithöchsten Stufe 6 - „ernster Unfall“ - eingeordnet.

Die Skala für nukleare Ereignisse heißt Ines (International Nuclear Event Scale) und reicht von Stufe 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) bis 7 (schwerste Freisetzung mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld).

9.48 Uhr: Japans Ministerpräsident Naoto Kan besucht möglicherweise am Montag das Katastrophengebiet im Nordosten des Landes. Das deutete Regierungssprecher Yukio Edano nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo an. Eine Woche zuvor hatten das Erdbeben mit der Stärke 9,0 und ein Tsunami die Region zerstört. Mehr als 6500 Menschen starben, Tausende werden noch immer vermisst. In rund 2200 Notfalllagern leben Kyodo zufolge derzeit mehr als 380.000 Obdachlose. Einige sind schon wegen der Kälte gestorben. Die Versorgung etwa mit Lebensmitteln ist immer noch sehr schwierig.

9.34 Uhr: Sie werden die "Fukushima 50“ genannt - jetzt bekommen die Männer, die im havarierten Atomkraftwerk in Japan gegen den Super-GAU kämpfen, Verstärkung. Mehr als 120 Männer seien inzwischen am Ort des Geschehens im Einsatz, darunter auch Spezialisten anderer Atomkonzerne, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco. Japanische Medien berichteten am Freitag, es seien rund 140 Feuerwehrleute auf dem Weg zum Kraftwerk, um die Armee zu unterstützen.

9.16 Uhr: Der Betreiber des japanischen Unglücksreaktors Fukushima erwägt erstmals öffentlich, das Kraftwerk unter einer Schicht aus Sand und Beton zu begraben. "Es ist nicht unmöglich, die Reaktoren mit Beton zu überziehen“, teilte Tokyo Electric Power mit. Zunächst solle aber versucht werden, den Reaktor abzukühlen.

8.37 Uhr: Die japanische Regierung hat den Betreibern des Atomkraftwerks Fukushima 1 einem Bericht zufolge verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen. Laut der Zeitung "Mainichi Shimbun“ äußerte der Energieversorger Tepco am Montag gegenüber der Regierung Sorge über die Sicherheit seiner Angestellten. Demnach kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass es "schwierig“ sein werde, das Kraftwerk nach den Explosionen und Bränden an den Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Regierungschef Naoto Kan habe aber die Bitte, die Mitarbeiter abziehen zu dürfen, zurückgewiesen.

8.17 Uhr: Der AKW-Betreiber Tepco hofft, die Reaktoren 1 und 2 am Sonnabend mit der wiederhergestellten Stromverbindung versorgen zu können. Das berichtet der Sender NHK.

7.39 Uhr: Die Kühlversuche per Wasserwerfer sollen nun auch auf Reaktor 1 des Atomkraftwerks Fukushima 1 ausgeweitet werden. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Zuvor war der Einsatz der Wasserwerfer nur für die Blöcke 3 und 4 geplant gewesen. Um die Situation zu entschärfen, war geprüft worden, ob auch Reaktor 1 auf diese Weise gekühlt werden könne. Edano betonte laut TV-Sender NHK, dass die Lage an Reaktor 1 nicht so dramatisch sei wie an den Blöcken 3 und 4.

6.57 Uhr: Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, fordert den japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan auf, mehr spezifische Informationen über die Situation in den Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima bereitzustellen.

6.15 Uhr: Am havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 haben Feuerwehrleute und Soldaten mit einem zweiten Kühlversuch begonnen. Einsatzfahrzeuge der Armee richteten ihre Wasserfontänen auf die strahlenden Reaktoren.

5.54 Uhr: Zumindest heute werden die Armee-Helikopter nicht erneut zum Einsatz kommen, um die Reaktoren am Unglücks-Atomkraftwerk zu kühlen. Das berichtet der Fernsehsender NHK unter Berufung auf Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa. Zunächst sollen Armee und Feuerwehr vom Boden aus mit Wasserwerfern arbeiten.

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Feuerwehrmänner aus Tokio sollen beim Kühlen der überhitzenden Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima 1 helfen. Mehr als 100 Helfer seien in der Stadt Iwaki südlich der Anlage in Fukushima angekommen, berichtete der Fernsehsender NHK. Er zeigte Aufnahmen von nebeneinander aufgereihten roten Einsatzwagen.

Am Nachmittag sollen die Feuerwehrleute damit beginnen, den Reaktor 3 von außen zu kühlen. Ob dies auch bei Reaktor 1 möglich sei, werde geprüft, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Wenn die Aktion gelinge, würde die Situation weniger gefährlich. Die Feuerwehr habe Ausrüstung dabei, um Tonnen von Wasser über große Entfernungen zu versprühen, berichtete NHK. Die Reichweite der Wasserwerfer, die am Donnerstag eingesetzt wurden, sei nicht ausreichend gewesen.

Am Morgen wurden außerdem Arbeiten fortgesetzt, um die Stromversorgung an dem havarierten Kraftwerk wieder herzustellen. So soll die Kühlung der Reaktoren wieder in Gang gesetzt werden. Zudem sollen auch Hubschrauber weiter Wasser aus der Luft versprühen.

Die am Kraftwerk gemessene radioaktive Strahlung sei derzeit nicht so stark, dass sie der Gesundheit unmittelbar schade, sagte Edano. Allerdings hänge die Intensität von verschiedenen Faktoren wie Windrichtung, Schnee und Regen ab. Es solle sichergestellt werden, dass sich keine Einwohner mehr im Umkreis der Anlage aufhielten.

Die Messungen der Radioaktivität sollen ausgeweitet werden. "Wir wollen die Beobachtungen in der Umgebung erhöhen für weitere Analysen“, sagte Edano. Er nannte einen Radius von 30 Kilometern. (dpa)

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