Japan im Liveticker

Mehr als 450.000 Menschen sind obdachlos

Zehntausend Menschen werden in Japan vermisst, darunter 50 Deutsche. Der Vulkan Shinmoedake spuckt Asche. Mehr im Liveticker.

Tokio. Das Erdbeben in Japan hatte die Stärke 8,9, der daraus entstandene Tsunami überflutete die Küsten komplett. Die Zahl der Toten und Verletzten steigt immer weiter, aber noch immer ist das gesamte Ausmaß der Katastrophe nicht abzusehen. Verfolgen Sie hier im Live-Ticker die aktuelle Entwicklung.

Sonntag, 13. März

22.54 Uhr: Im japanischen Atomkraftwerk Onagawa, für das zuvor der nukleare Notfall ausgerufen worden war, ist nach Expertendarstellung keine Radioaktivität ausgetreten . Die in der Gegend gemessene Radioaktivität über dem Grenzwert könnte vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima stammen, so die Behörden. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass alle drei Reaktoren in Onagawa keine Radioaktivität freisetzten. Inzwischen seien die Werte rund um das Werk wieder auf normalem Niveau.

20.49 Uhr: Neue Zahlen aus Japan: 530.000 Menschen mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen, 450.000 sind obdachlos geworden. Weitere 80.000 Menschen mussten ihr Zuhause verlassen, als die Behörden die Sicherheitszone um die havarierten Kernkraftwerke in Fukushima auf 20 Kilometer ausdehnten.

20.34 Uhr: Die versicherten Schäden des Erdbebens könnten sich nach Schätzung der Risikoexperten von Air Worldwide auf bis zu 35 Milliarden Dollar belaufen, ohne die Kosten, die der Tsunami verursacht hat. Air Worldwide ist eine amerikanische Firma, die sich auf die Berechnung von Schäden durch Naturkatastrophen spezialisiert hat.

20.08 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel weist die Forderung nach der sofortigen Abschaltung einiger alter Atomkraftwerke zurück:„Ich kann heute nicht erkennen, dass unsere Kernkraftwerke nicht sicher sind. Sonst müsste ich sie ja mit meinem Amtseid sofort abschalten“, sagt Merkel in der ARD. „Unser Kernkraftwerke sind nach Maßgabe dessen, was wir wissen, sicher.“

19.57 Uhr: Die deutsche Botschaft hat noch immer keinen Kontakt zu etwa der Hälfte der rund hundert Deutschen , die in der betroffenen Region lebten. Es sei aber unklar, ob sie sich zum Zeitpunkt der Katastrophe überhaupt dort aufgehalten hätten, sagt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP).

19.46 Uhr: Die zehn Deutschen, die während des Erdbebens in Japan auf dem Gelände des Atomkraftwerks Fukushima I gearbeitet haben, sind auf dem Rückweg nach Deutschland . Nach Auskunft eines Sprechers des Kraftwerkherstellers Areva waren sie bei dem japanischen Kraftwerksbetreiber Tepco, um ein Prüfsystem vorzustellen.

19.15 Uhr: Die Zahl der Opfer steigt und steigt. Die Behörden identifizierten bis zum frühen Montagmorgen (Ortszeit) 1597 Opfer , 1481 gelten nach Angaben der nationalen Polizeiagentur offiziell noch als vermisst. Nicht in diese Zahlen eingeschlossen sind 200 bis 300 Opfer, die an der Küste der Präfektur Miyagi gefunden wurden. Der Polizeichef der Präfektur warnte vor weit höheren Opferzahlen, da man immer noch keinen Kontakt mit mehr als zehntausend Einwohnern habe.

18.46 Uhr: Die Betreiber des Atomkraftwerks Tokai melden, dass sich die Lage wieder entspannt . Eine verbleibende Pumpe verrichte ihren Dienst, alle Kontrollstäbe seien in der richtigen Position im Reaktor.

17.50 Uhr: Radioaktivitätsmessungen in der Umgebung des Kraftwerks Onagawa überschreiten die zulässigen Werte . Der Betreiber des Atomkraftwerks ruft die niedrigste Notfallstufe aus.

17.12 Uhr: In einem dritten Atomkraftwerk ist das Kühlsystem ausgefallen . Es handelt sich um das Atomkraftwerk Tokai an der Ostküste südlich von Fukushima.

17.01 Uhr: Im Süden Japans ist ein Vulkan ausgebrochen . Wie die japanische Wetteragentur berichtete, spuckt der Shinmoedake Asche und Felsen bis zu vier Kilometer in die Luft. Ob der Ausbruch in Verbindung mit dem Erdbeben vom Freitag steht, ist noch unklar. Der 1421 Meter hohe Vulkan war nach einer Ruhezeit von mehr als 50 Jahren seit Januar wiederholt aktiv. Im Februar rieten die Behörden Einwohnern in der unmittelbaren Umgebung zur Flucht, seit Anfang März hatte der Vulkan aber keine weitere Aktivität gezeigt.

16.23 Uhr: Japans Premierminister Naoto Kan erwartet, dass Japan nun einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben wird. Das Erdbeben werde schon bald durch den Wiederaufbau in den betroffenen Regionen große Nachfrage schaffen. Kans Prognose ist nach Einschätzung von Volkswirten nicht aus der Luft gegriffen. Sie verweisen auf den so genannten „Kobe-Effekt“. 1995 hatte ein Erdbeben in der japanischen Stadt Kobe große Schäden angerichtet, der Ökonomie kurzfristig einen Dämpfer versetzt, dann aber mit der zusätzlichen Wiederaufbau-Nachfrage die Wirtschaft angekurbelt.

15.53 Uhr: Laut dem Genfer UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) sind in Japan bereits fast 600.000 Menschen evakuiert worden. Etwa 380.000 Japaner aus den von dem Erdbeben und den Tsunami-Wellen betroffenen Gebieten seien in gut 2000 Notunterkünften untergebracht worden. Hinzu kämen etwa 210.000 Menschen, die in der Nähe des Atomkraftwerks Fukushima 1 wohnten.

15.19 Uhr: Die japanische Regierung hat laut IAEA in Wien auch für das Atomkraftwerk Onagawa den Notstand ausgerufen .

14.47 Uhr: Die Tokioter Börse und die anderen japanischen Finanzmärkte werden laut Börsenaufsicht FSA am Montag wie gewohnt arbeiten.

14.37 Uhr: Laut Agentur Jiji werden Vorbereitungen getroffen, den Atomreaktor Nummer 2 des Kraftwerks Fukushima 1 mit Meerwasser zu kühlen.

14.22 Uhr: Während des Erdbebens waren zehn deutsche Mitarbeiter eines Kernkraftwerksherstellers auf dem Gelände des AKW Fukushima . „Wir hatten Kontakt mit den Mitarbeitern. Sie sind alle wohlauf und gesund“, sagte der Sprecher des Kraftwerkherstellers Areva NP GmbH, Mathias Schuch, dem Radiosender FFH. Sie hätten unmittelbar nach dem Beben am Freitagabend die Anlage verlassen und seien im Hinterland in Sicherheit gebracht worden. Nun sollten sie möglichst bald nach Deutschland zurückkehren, einen Termin dafür nannte Schuch aber nicht. Zur Lage im japanischen Atomkraftwerk sagte Schuch: „Eine Diagnose, was dort genau passiert ist, ist aus der Ferne überhaupt nicht möglich.“Die Areva-Mitarbeiter hätten sich im Zusammenhang mit Materialprüfungen in einem abgeschalteten Block von Fukushima aufgehalten. „Sie waren vor Ort, um sich bestimmte Technologien durch den Kunden zertifizieren zu lassen.“

14.09 Uhr: Das Wetter scheint auch zu Beginn der neuen Woche auf der Seite Japans zu stehen: Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilt, zieht der Wind weiterhin aufs offene Meer hinaus und treibt die radioaktiv verseuchte Luft weg von den Menschen . „Es gibt allerdings ein Problem in Form von aufziehenden Tiefdruckgebieten“, warnt Meteorologe Christoph Hartmann. „Dadurch könne der Wind vorübergehend drehen, auch in Richtung Tokio.“

In der Gegend um das betroffene Kernkraftwerk in Fukushima ist nach derzeitigen Prognosen am Dienstag mit länger andauerndem Regen zu rechnen. Dieser wäscht die etwaig vorhandene Radioaktivität aus der Atmosphäre. „Man kann nur hoffen, dass der Dreck dann über dem Ozean niedergeht – und nicht über einem Wohn- oder Waldgebiet“, so Hartmann. Problematisch werde es zudem, sollte der kaputte Meiler permanent Radioaktivität freisetzen.

Der Meteorologe mag auch nicht ausschließen, dass die radioaktiv verseuchte Wolke in rund zwei Wochen Deutschland erreichen könnte. „Aber dann ist die Strahlung bereits derart verdünnt, dass keinerlei Gefahr mehr von ihr ausgehen würde.“ Momentan ist es in Japan noch sonnig bei rund 10 Grad Celsius. Die Temperaturen sollen laut DWD zum Wochenbeginn jedoch fallen und im Norden tagsüber nur noch knapp über dem Gefrierpunkt liegen. Der Abkühlungsprozess bringt jedoch auch stärkeren Wind in Richtung Küste mit sich.

13.43 Uhr: In Tokio wird die Elektrizität rationiert . Dabei werde es vorübergehend zu vollständigen Stromausfällen kommen, wie das Versorgungsunternehmen der Stadt mitteilt. Ab Montag werde auch in anderen Städten des Landes der Strom zeitweise abgestellt.

13.33 Uhr: Hamburgs Oberbürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat dem japanischen Generalkonsul Seisuke Narumiya sein Mitgefühl ausgesprochen. In dem Gespräch im Rathaus ging es auch darum, wie konkrete Hilfe aus der Hansestadt für die Opfer geleistet werden könne. Die erneute Debatte über Atomenergie müsse in Zukunft geführt werden, sagte Scholz. Dabei müsse auch versucht werden, die von der Bundesregierung beschlossene Verlängerung der Laufzeiten zu verändern. Konsul Narumiya bedankte sich für das Interesse und die Anteilnahme in der Hansestadt.

12.41 Uhr: Papst Benedikt XVI. betet für die Opfer des Tsunami in Japan. Beim Angelusgebet am Sonntag auf dem Petersplatz bekundete er dem japanischen Volk seine Verbundenheit. Der getroffenen Nation sprach er Anerkennung aus für den Mut und die Würde, mit der sie die Situation meistere. Zugleich rief er international zur Hilfe für die Opfer auf. Unterdessen stellte der für humanitäre Hilfe zuständige Päpstliche Rat „Cor Unum“ 150.000 US-Dollar (108.000 Euro) zur Verfügung, wie der vatikanische Botschafter in Tokio, Erzbischof Alberto Bottari de Castello, am Wochenende mitteilte. Bereis am Freitag hatte Benedikt XVI. seine Nähe zu den Opfern, deren Angehörigen und den Katastrophenhelfern bekundet und ihnen sein Gebet zugesagt.

Die Welt erbebt - Hier geht es zum großen Abendblatt-Dossier zur Naturkatastrophe in Japan

12.27 Uhr: Nach Angaben der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) wollen Sicherheitsexperten an der Nuklearanlage Fukushima Daini Sicherheitsventile öffnen und Dampf ablassen, um den Druck in den Reaktoren 1, 2 und 4 zu senken . Ein NISA-Mitarbeiter sagte, die Temperatur und der Druck in den Reaktoren sei derzeit „etwas hoch“. Hintergrund sind Probleme mit dem Kühlsystem. "Das Hauptkühlungssystem, eine Pumpe die normalerweise Meerwasser in die Anlage pumpt, ist teilweise ausgefallen", sagte der NISA-Mitarbeiter.

Der international tätige Atomexperte Mycle Schneider erklärte dazu, das Dampfablassen sei „eine Notlösung. Dann beginne ein Jojo-Effekt: "Die Temperatur im Druckbehälter steigt, also wird Meerwasser hinein gepumpt. Das verdampft durch die Hitze des Kernbrennstoffs und erhöht damit den Druck im System. Also muss der radioaktive Dampf abgelassen werden, was die Menge an Kühlwasser reduziert. Daraufhin steigt die Temperatur im Druckbehälter wieder und es muss erneut Meerwasser hineingepumpt werden. "Wenn dies aufgrund ausfallender Pumpen nicht möglich sei, sagte Schneider, "ist man in einer ähnlichen Situation wie zuvor in der Anlage Fukushima Daiichi". Dort ist die Lage inzwischen offenbar völlig außer Kontrolle geraten.

12.24 Uhr: Die FDP will an der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke festhalten. Das Atom-Unglück in Japan stelle den Beschluss nicht infrage, sagte die FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Birgit Homburger, in Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen). Nötig sei aber eine Bundestagsdebatte über die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke.

12.18 Uhr: Japan drohen nach dem schweren Erdbeben und den Schäden an Atomanlagen im Nordosten des Landes massive Engpässe in der Stromversorgung . Um große Blackouts zu vermeiden, planen die Stromkonzerne, Energie zu rationieren. Die Maßnahme müsse wohl mehrere Wochen angewendet werden, sagten Regierungsbeamte. Japans Wirtschafts- und Industrieminister Banri Kaieda warnte, von Montag an seien Probleme bei der Stromversorgung zu erwarten. Er rief kleinere Firmen auf, ihren Verbrauch zu drosseln. „Wenn Unternehmen ab Montag wieder verstärkt produzieren und ans Netz gehen, ist es morgen und in den kommenden Tagen wahrscheinlich, dass es in den Gegenden, die von Tokyo Electric Power Company und Tohoku Electric Power versorgt werden, zu einem Versorgungsdefizit kommt“, sagte Kaieda laut Nachrichtenagentur Kyodo.

11.57 Uhr: Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth verlangt angesichts der Reaktorunfälle in Japan eine neue Energiepolitik von der Bundesregierung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfe jetzt nicht nur den Finger heben und Sicherheitsprüfungen deutscher Atomkraftwerke ankündigen, sagte Roth am Sonntag auf einem Demokratiekongress ihrer Partei in Mainz.

„Momentan steht die Hilfe für das von dem Erdbeben getroffene Japan im Vordergrund, aber dann muss Deutschland die Reaktortechnologie verlassen“, fügte die Grünen-Politikerin hinzu. In Japan habe es nicht nur eine Natur-, sondern auch eine Hightech-Katastrophe gegeben.

Nach der Explosion am Reaktorstandort in Fukushima sei es zynisch von Merkel zu behaupten, Atomkraft sei sicher. „Das stimmt einfach nicht“, sagte Roth. Es sei die „verdammte Aufgabe“ der Bundeskanzlerin, in Deutschland für Sicherheit zu sorgen. „Das heißt: Atomkraftwerke abschalten“, rief Roth aus.

11.29 Uhr: Die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften , die am 21. März in Tokio beginnen sollen, stehen vor der Absage. Allerdings spielt der Weltverband ISU noch auf Zeit. „Natürlich ist durch die Reaktorexplosion eine neue Situation entstanden. Aber wir benötigen weitere Informationen“, sagte ISU-Präsident Ottavio Cinquanta bei der Eisschnelllauf-WM in Inzell. Zwar ergab eine Untersuchung, dass die Yoyogi-Sporthalle das Erdbeben in der japanischen Hauptstadt nahezu unbeschädigt überstanden hat, doch das interessiert die Aktiven überhaupt nicht mehr. „Es würde uns sehr schwer fallen, jetzt in Tokio auf lustig zu machen. Die Menschen haben ganz was anderes im Kopf und ganz andere Sorgen als Eiskunstlaufen“, sagte Paarlauf-Trainer Ingo Steuer am Rande einer Nachwuchsveranstaltung in Chemnitz.

10.42 Uhr: Das Dach seines Hauses hat einem 60-jährigen Japaner das Leben gerettet . Zwei Tage lang trieb Hiromitsu Shinkawa auf dem Trümmerteil des Dachs vor der Küste der Provinz Fukushima im Meer, nachdem der durch das schwere Erdbeben ausgelöste Tsunami seinen Heimatort Minamisoma überrollt hatte. Die Marine zog den 60-Jährigen am Sonntag 15 Kilometer vor der Küste des Landes aus dem Wasser, wie die Nachrichtenagentur Jiji unter Berufung auf die Behörden berichtete. Er war demnach bei Bewusstsein und in „guter Verfassung“ und wurde per Helikopter in ein Krankenhaus gebracht.

„Ich bin weggelaufen, als ich gehört habe, dass der Tsunami kommt“, sagte Shinkawa laut Jiji seinen Rettern. „Aber ich bin umgekehrt, um von zu Hause etwas zu holen, dann wurde ich davongespült.“ Er habe im Wasser nur auf dem Dach seines Hauses „gehangen“.

10.03 Uhr: In den Westen Japans unterwegs sind dagegen deutsche Helfer des Technischen Hilfswerks (THW). Einsatzleiter Klaus Buchmüller sagte in der ARD, das Team wolle in Absprache mit der japanischen Regierung in dem Katastrophengebiet nach verschütteten Menschen suchen. Die Maschine mit 38 Helfern, 3 Spürhunden und 12 Tonnen Material an Bord war in der Nacht in Tokio eingetroffen.

THW-Präsident Albrecht Broemme sprach angesichts der dreifachen Gefahr durch Nachbeben, Tsunami und radioaktiver Strahlung von einer „auch für den Katastrophenschutz besonderen Situation“. Es sei klar, dass die deutschen Hilfskräfte „selbstverständlich nicht“ in radioaktiv verseuchte Gebiete geschickt werden. „Die Japaner würden nichts riskieren, um Ausländer zu gefährden“, versicherte Broemme.

Buchmüller sagte, der ebenfalls geplante Einsatz im Nordosten des Landes sei aus Sicherheitsgründen verworfen worden. Die japanische Seite habe erklärt, dass dies angesichts der möglicherweise verstrahlten Gebiete in der Nähe der dortigen beschädigten Kernkraftwerke nicht möglich sei.

09.54 Uhr: Das Erkundungsteam der Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany kehrt aus Japan nach Deutschland zurück. Zur Begründung erklärt die Präsidentin Daniela Lesmeister, es gebe noch kein internationales Hilfeersuchen der japanischen Regierung. Rettungsteams seien aus den USA, Neuseeland, Australien und Korea angefordert worden sowie aus Staaten, mit denen es bilaterale Vereinbarungen gebe. Außerdem setze Japan Tausende Soldaten in der Katastrophenregion ein.

Aufgabe des Erkundungsteams sei es gewesen, die Lage in Japan zu beurteilen und in enger Abstimmung mit den japanischen Behörden einen möglichen Einsatz weiterer Spezialisten vorzubereiten. „Dabei ging es um eine Einheit zur Suche, Rettung und medizinischen Versorgung von verschütteten Menschen“, so die Organisation. Im Gegensatz zum Erkundungsteam könne eine solche Spezialeinheit aber nur auf ausdrücklichen Wunsch der jeweiligen Regierung in ein Katastrophengebiet reisen. Japan habe sich offenbar dafür entschieden, mit Hilfsteams aus der Region und mit eigenen Kräften die Katastrophe zu bewältigen, erklärte die Hilfsorganisation.

„I.S.A.R. ist eine durch die Vereinten Nationen für Search and Rescue-Einsätze zertifizierte Organisation. Dies bedeutet, dass sich strikt an die internationalen Regeln im Katastrophenfall gehalten werden muss. Dazu zählt auch, dass die Vorgaben der japanischen Regierung bindend sind“, erklärte Lesmeister. „Ohne Hilfeersuchen ist es deshalb auch nicht möglich, eine Search and Rescue-Einheit nach Japan zu entsenden.“

09.41 Uhr: Die Linksfraktion im niedersächsischen Landtag fordert einen Abschied von der Kernenergie. „Die drei niedersächsischen Reaktoren müssen unverzüglich abgeschaltet werden“, sagte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Kurt Herzog. „Zwar ist ein solches Erdbeben bei uns unwahrscheinlich, dennoch ist die Katastrophe in Japan ein Beleg dafür, dass die Risiken der Atomenergie nicht beherrschbar sind.“ Er kritisierte die Reaktionen von CDU und FDP, die erklärten, so etwas könne in Deutschland nicht passieren. Die Sicherheit der Menschen müsse endlich Vorrang vor den Profitinteressen der Atomkonzerne haben, forderte Herzog.Die Gefahr, dass Kühl- und Sicherheitssysteme versagen, bestehe bei allen Atomkraftwerken weltweit.

09.31 Uhr: Die Flugzeuge zwischen Japan und Deutschland s größtem Flughafen in Frankfurt sollten auch am Sonntag weitgehend nach Plan fliegen. Lediglich ein Lufthansa-Flug nach Nagoya wurde annulliert, die anderen vier Maschinen nach Tokio und Osaka sollten wie geplant starten. Die Lufthansa-Maschine aus Tokio wurde etwa drei Stunden verspätet erwartet, die anderen beiden Flüge aus der japanischen Hauptstadt sowie die Maschinen aus den südlicher gelegenen Städten Osaka und Nagoya sollten pünktlich oder nur leicht verspätet landen.

09.09 Uhr: Umweltschützer fordern die sofortige Abschaltung von Atomkraftwerken weltweit. Auch in anderen Ländern könnten Naturkatastrophen zu massiven Schäden bei Atomanlagen führen, warnt der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) in Bonn. Dazu kämen als Risiken die fehlende Atommüllentsorgung und Gefahren der Atomtransporte. Die Umweltschützer mahnten ein Exportverbot für Uran aus Deutschland nach Japan an. So liefere die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau Uran auch nach Japan. Es dürfe kein Kilogramm Uran mehr von Gronau dorthin geliefert werden, forderte der BBU.

08.46 Uhr: Der japanische Fußball-Profi Atsuto Uchida von Schalke 04 ist in Gedanken bei seinen Landsleuten. Vor dem Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt (2:1) platzierte der Rechtsverteidiger ein T-Shirt auf der Trainerbank. „Liebe Freunde in Japan. In der Hoffnung, dass viele Leben gerettet werden. Lasst uns zusammenstehen“, stand darauf in japanischer und deutscher Schrift.

Nach der Partie streifte er das T-Shirt über und präsentierte es den Fans. „Dieses Unglück geht mir sehr, sehr nahe“, sagte der 22-Jährige, der bei der Katastrophe keine Verwandten oder Freunde verloren hat. Dennoch hält der in Kannami (Präfektur Shizuoka) geborene Uchida Kontakt in die Heimat: „Meine Gedanken gehören den vielen Japanern, die derzeit Not leiden.“

08.22 Uhr: In der Katastrophenregion Miyagi hat es möglicherweise 10.000 Tote gegeben. Das berichtet der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf die örtliche Polizei.

07.59 Uhr: Im Reaktor 3 des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Eins ist es nach Angaben eines Regierungssprechers möglicherweise zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. Wie bereits zuvor am Reaktor Nummer 1 sei die Kühlfunktion ausgefallen. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen. „Es kann sein, dass es eine geringe Kernschmelze gab“, sagt Yukio Edano.

07.30 Uhr: In der nordöstlichen Provinz Miyagi haben Atomexperten eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal gemessen. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tohoku. Ein Sprecher des Unternehmen sagt, die Reaktoren in der Region seien stabil. Um das AKW Onagawa sei eine erhöhte Radioaktivität festgestellt worden. Man gehe davon aus, dass dies nicht von dem Reaktor stamme. Es bestünden keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, heißt es. Experten vermuten, dass der Wind Radioaktivität aus der Provinz Fukushima herübergeweht habe. Dort waren AKWs beim Erdbeben beschädigt worden.

Sonnabend, 12. März

23.16 Uhr: Die Nachrichtenagentur Jiji berichtet, dass die japanische Notenbank die Finanzmärkte mit einer Notaktion beruhigen will. Laut Bericht sollen am Montag mehrere Billionen Yen in die Märkte gepumpt werden.

22.56 Uhr: An einem anderen Reaktor der Anlage Fukushima Daiichi fällt das Notkühlsystem aus. Es sei nun dringend nötig, einen Weg zu finden, wie der Reaktor 3 mit Wasser versorgt wird, sagt ein Behördenvertreter auf einer Pressekonferenz. Im Reaktor 3 seien alle technischen Vorkehrungen ausgefallen, um den nötigen Kühlwasserstand aufrecht zu erhalten.

22.29 Uhr: Neue Zahlen aus Japan: In einem Radius von 20 Kilometern um das betroffene Atomkraftwerk sind etwa 110.000 Menschen evakuiert worden, in der Umgebung von zehn Kilometern 30.000 weitere. „Die kompletten Evakuierungsmaßnahmen wurden noch nicht abgeschlossen“, so die Internationale Atomenergiebehörde.

22.11 Uhr: Die Radioaktivität am Katastrophenreaktor verringert sich. Nach einem anfänglichen Anstieg hätten die japanischen Behörden nun eine Abschwächung in den vergangenen Stunden beobachtet, so die Internationale Atomenergiebehörde. Die Explosion sei außerhalb der hauptsächlichen Sicherheitshülle geschehen.

21.02 Uhr: Satellitendaten aus Deutschland zeigen, dass der Tsunami stellenweise bis zu fünf Kilometer ins Land vorgedrungen ist. „Wir können die schweren Schäden an Straßen, Brücken, Gebäuden gut erkennen. Dies sind wichtige Informationen für die Helfer vor Ort“, sagt Stefan Voigt, Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen bei München. Er hat zusammen mit anderen Experten 36 Stunden lang Daten und Satellitenbilder ausgewertet.

20.34 Uhr: Außenminister Guido Westerwelle geht davon aus, dass unter den Opfern keine Deutschen sind. „Ausschließen kann ich das aber nicht“, sagt Westerwelle. Seinen Informationen zufolge hätten sich in der betroffenen Region 100 Deutsche aufhalten. Insgesamt leben rund 5000 Bundesbürger in Japan.

19.15 Uhr: Die erste Lufthansa-Maschine aus Tokio landet in München. Die Maschine mit rund 300 Passagieren an Bord war in Japan um 14.49 Uhr Ortszeit mit knapp eineinhalbstündiger Verspätung gestartet. Crew und Passagiere bräuchten derzeit in Tokio etwa die vierfache Zeit, um zum Airport zu kommen, sagt Lufthansa-Sprecher Florian Gränzdörffer. Am Flughafen in Tokio herrsche aber "ruhiger, geordneter Betrieb".

19.01 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigt eine Überprüfung der Sicherheitsstandards bei den deutschen Atomkraftwerke an. „Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt“, sagt Merkel. Wenn in einem solch hoch entwickelten Land wie Japan mit höchsten Sicherheitsstandards ein solcher Unfall passiere, könne „auch Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“.

18.57 Uhr: Die deutsche Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany (International Search and Rescue) bricht wegen der Gefahr durch das schwerbeschädigte Atomkraftwerk ihren Einsatz vorerst ab. Der ursprüngliche Auftrag des Teams, den Weg für die eigentlichen Hilfskräfte vorzubereiten, habe sich wegen der unklaren Sicherheitslage erledigt, sagte Feuerwehrmann Björn Robach. Die Männer sollten eigentlich Benzin, Trinkwasser und Transportmöglichkeiten organisieren sowie Kontakt zu den einheimischen Helfern herstellen, damit ein nachfolgendes großes Team direkt in den Einsatz starten könne.

18.51 Uhr: Der russische Regierungschef Wladimir Putin befürchtet, dass eine nukleare Wolke von Japan nach Russlnad ziehen könnte und kündigt an, die Notfallpläne für den Osten des Landes zu überprüfen.

17:41 Uhr: Die japanische Atomaufsicht stuft die Explosion in einem Reaktor des Kraftwerkes Fukushima 1 als „Unfall“ auf der internationalen Störfallskala ein. Der Vorfall werde in die Kategorie Nummer vier der von null bis sieben reichenden Skala eingeordnet, so die Behörde für Atomsicherheit. Nach Angaben des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz bedeutet diese Kategorie "geringe Freisetzung von radiaktivem Material" und "begrenzte Schäden am Reaktorkern". Das Atomunglück von Tschernobyl war Stufe sieben, ein sogenannter „katastrophaler Unfall“.

17:28 Uhr: Die Strahlendosis am japanischen Atomkraftwerk Fukushima Eins hat den zulässigen Grenzwert überschritten. Dies teilen die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Mehr Details dazu nennen sie nicht.

16:45 Uhr: Der Reaktor in der Atomanlage Fukushima 1 ist schon 40 Jahre alt und sollte demnächst stillgelegt werden. Eine Datenbank des Forschungszentrums Nuclear Training Centre (ICJT) in Slowenien nennt als "erwartetes Datum der Stilllegung“ den März 2011.

16:42 Uhr: Medien berichten derzeit von deutlich mehr als 1.000 Opfern nach dem Erdbeben und dem Tsunami.

16:25 Uhr: 38 Helfer des Technischen Hilfswerkes starten mit drei Spürhunden und zwölf Tonnen Ausrüstung vom Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz nach Tokio, um dort als erste deutsche Rettungsmannschaft die japanischen Kollegen im Krisengebiet zu unterstützen. Ronny Bier sagt zum bevorstehenden Rettungseinsatz: "Gemischte Gefühle bei solchen Einsätzen hat man immer, aber diese Situation ist etwas besonderes“. Die dreifache Gefahr aus Nachbeben, Tsunami und radioaktiver Strahlung sei auch für ihn als erfahrenen Helfer neu. "Aber jetzt haben wir immer noch sehr hohe Chancen, Menschen unter den Trümmern lebendig zu finden."

16:16 Uhr: NHK meldet auf ihrer Internetseite unter Berufung auf Behördenvertreter, dass in der Nähe von Fukushima 1 der Strahlenwert 1.015 Mikrosievert pro Stunde gemessen wurde. Diese Strahlendosis ist doppelt so hoch wie der Grenzwert, bei dem die Betreiber von Atomkraftwerken den Notfall erklären und die Regierung informieren müssen.

16:00 Uhr: Die Behörden wollen nach der Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi Jod an Bewohner im Umkreis der Nuklearanlage verteilen. Jod wirkt den Auswirkungen radioaktiver Strahlung entgegen.

15:52 Uhr: Eine Atomkatastrophe, wie sie in Japan derzeit befürchtet wird, ist nach Einschätzungen des Mitglieds der Reaktorsicherheitskommission, Michael Sailer, auch in Deutschland möglich. Sailer sagt : "Wir haben im Grundsatz die gleichen Reaktoren wie in Japan und es ist daher falsch, zu sagen, dass in Deutschland solche Unfälle unmöglich sind. Wenn in deutschen Reaktoren die Kühlsysteme nicht mehr funktionieren, etwa weil ihnen die gesamte Stromversorgung fehlt, landen wir in der gleichen Lage, mit der Japan jetzt kämpft. Es gibt natürlich in den Reaktoren mehrere gestaffelte Sicherheitssysteme. Manchmal versagen das erste und das zweite System und man hat das Glück, dass die nächste Sicherung noch funktioniert. Wenn allerdings alle Sicherheitssysteme versagen, ist man in einer katastrophalen Lage und das kann auch in Deutschland passieren." Der Diplomingenieur und Geschäftsführer des Öko-Instituts sieht zudem Parallelen zwischen der Havarie und der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

15:42 Uhr: Die Explosion im japanischen Kernkraftwerk Fukushima treibt deutschlandweit mehrere Demonstraten auf die Straße. In Berlin ist eine Demonstration mit bis zu 200 Personen geplant. Das Anti-Atom-Bündnis kündigte einen Aufzug unter dem Motto "Die Katastrophe in Japan erfüllt uns mit Trauer und Schrecken“ an, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Start des Aufzugs sollte um 18.00 Uhr am Alexanderplatz sein. Die Demonstranten wollen über die Straße Unter den Linden und Brandenburger Tor zum Bundeskanzleramt ziehen. Erwartet werden den Angaben zufolge etwa 200 Teilnehmer. Unterdessen versammelten sich etwa 60.000 Atomkraftgegner in Baden-Württemberg zu einer Menschenkette und demonstrierten für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Auf einer Strecke von 45 Kilometern zwischen Stuttgart und dem Atomkraftwerk Neckarwestheim zählten die Veranstalter damit rund 20.000 Menschen mehr, als sie zu der Protestaktion erwartet hatten.

15:38 Uhr: Offenbar sollen drei Menschen mit radioaktiver Strahlung ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Dies meldete die japanische Nachrichtenseite nikkei.com ohne Angabe von Quellen. Bei den Patienten, die sich im Umkreis des AKW Fukushima aufhielten, sei ein gesundheitsbedenkliches Strahlenniveau festgestellt worden.

15:30 Uhr: Der Tsunami im Pazifik hat Indonesien getroffen und einen Menschen getötet. Außerdem wurden etliche Häuser zerstört. Die Welle, die von dem Erdbeben vor Japan ausgelöste wurde, erreichte die Küste Indonesien mit einer Höhe von etwa zwei Metern. Die Welle überflutete gegen Mitternacht einen Küstenabschnitt in Papua auf der Insel Neuguinea, wie die staatliche Nachrichtenagentur Antara am Sonnabend berichtete. Stunden zuvor hatte die Regierung die Tsunami-Warnung wieder aufgehoben. Mindestens 19 Familien wurden laut Antara obdachlos, Dutzende Boote zerstört. Ein 35-jähriger Mann verlor in den Fluten sein Leben, als er seine Familie retten wollte. Später wurde sein Leichnam gefunden.

15:28 Uhr: Das Auswärtige Amt warnt die Bundesbürger vor dem Aufenthalt im Krisengebiet im Nordosten des Landes. Generell rate die Bundesregierung von allen nicht erforderlichen Reisen nach Japan ab, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Sonnabend vor Journalisten in Berlin. Er empfahl zudem allen Deutschen in der Region um die beschädigten Atomkraftwerke von Fukushima, aber auch im Großraum um die Großstädte Tokio und Yokohama eine Ausreise zu prüfen.

14:45 Uhr: Kabinettssekretär Yukio Edano erklärte, dass die Reaktorhülle aus Stahl noch intakt und nicht beschädigt sei. Daher sei beschlossen worden, den Reaktorkern mit Meerwasser zu füllen, um ihn so zu kühlen. Um kritische Entwicklungen zu vermeiden, werde dem Wasser zusätzlich noch Borsäure beigemischt. Der Füllvorgang werde fünf bis zehn Stunden dauern.

Edano sagte, durch das Absinken des Kühlwasserstandes in dem Siedewasserreaktor habe sich Wasserstoff gebildet, der in das Reaktorgebäude ausgetreten sei. Dort habe sich der Wasserstoff beim Kontakt mit Sauerstoff entzündet und habe die Explosion verursacht, durch die das Reaktorgebäude eingestürzt sei. Im Inneren der Stahl-Reaktorhülle habe es aber keine Explosion gegeben. Es sei auch noch keine große Menge Radioaktivität ausgetreten, sagte Edano, der die Bevölkerung erneut aufrief, Ruhe zu bewahren.

Um Druck aus dem Reaktorkern abzulassen, hatten die Betreiber ein Ventil geöffnet. Dadurch war auch Radioaktivität in die Umgebung gelangt.

14:40 Uhr: Die 10.000 Menschen, die Medienberichten zufolge in der Hafenstadt Minamisanriku, in der nordöstlichen Präfektur Miyagi, offenbar noch vermisst werden, sollen laut der Nachrichtenagentur Kyodo die Hälfte der Gesamtbevölkerung von 17.000 Menschen der Stadt ausmachen.

14:28 Uhr: Der US-Fernsehsender CNN meldet, dass die Explosion am Mittag in der von dem Erdbeben betroffenen Atomanlage in Fukushima offenbar nicht den Atomreaktor selbst getroffen habe, sondern von einem Pumpsystem zur Kühlung der Brennstäbe ausgelöst worden sei. Der Sender beruft sich auf Regierungssprecher Yukio Edano. Demnach sei während des Kühlprozesses Wasserdampf entstanden, der die Explosion letztlich auslöste.

14:26 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu einer Schweigeminute für Japan aufgerufen. Sie wolle "ein stilles Gebet sprechen und an die Opfer denken, die in Japan zu beklagen sind“, sagte die CDU-Bundesvorsitzende in Frankenthal.

14:21 Uhr: Einem TV-Bericht zufolge werden offenbar im japanischen Hafen Minamisanriku 10.000 Menschen vermisst.

14:15 Uhr: US-Streitkräfte und amerikanische Nichtregierungsorganisationen bereiten sich auf einem massiven Hilfseinsatz in der betroffenen Region vor. Mehrere Schiffe der Marine steuern Japan an und Hilfsorganisationen sammeln Spenden zur Unterstützung der Menschen in den am stärksten verwüsteten Gebieten.

Experten gehen jedoch davon aus, dass Japan nicht so viel fremde Hilfe benötigt wie ärmere Länder wie beispielsweise Haiti nach dem Erdbeben im vergangenen Jahr. Die japanische Katastrophenschutzbehörde gilt als eine der besten der Welt und verfügt über viel Erfahrung im Umgang mit Erdbebenschäden.

Dennoch sagte US-Präsident Barack Obama dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan jede benötigte Hilfe zu. "Das ist ein großes Unglück und die Bilder der Zerstörung aus Japan brechen uns das Herz“, sagte Obama während einer Pressekonferenz.

Die drängendste Aufgabe ist nun die Bergung von Verschütteten aus den Trümmern. Rund 70 Rettungsteam stünden auf der ganzen Welt bereit, um sich auf Anfrage an der Bergungsaktion in Japan zu beteiligen, sagte Nicholas Reader vom Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der UN.

14:00 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigt angesichts der drohenden Atomkraftkatastrophe in Japan Hilfe an, die sie noch am Abend mit mehreren Bundesministern beraten wolle. Auch das Bundesumweltministerium werde Experten nach Japan entsenden. Auf einer Wahlkampfveranstaltung der rheinland-pfälzischen CDU in Frankenthal sagte Merkel: Die Situation in Japan sei "ungewöhnlichen und außergewöhnlich schwierig.“

"Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass in einem Kernkraftwerk schwierige Ereignisse stattfinden, wahrscheinlich eine Kernschmelze“, sagte die Kanzlerin am Sonnabendmittag auf der Kundgebung zum Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz. Merkel betonte, die Vorgänge würden Deutschland "nach menschlichem Ermessen nicht beeinflussen“.

Sie zeigten aber auch, "dass es Kräfte der Natur gibt, vor denen wir machtlos stehen und die von uns immer wieder ein Stück Demut erfordern“, sagte sie weiter. "Wir sollten Ehrfurcht haben vor der Natur“, fuhr Merkel fort und fügte hinzu: "Jawohl wir wissen, dass wir auch ein Stück weit in Gottes Hand sind.“

Die Kanzlerin Merkel sagte weiter, sie stehe im Kontakt zur japanischen Regierung. Katastrophen-Spezialisten seien bereits auf dem Weg. "Wir denken an die Menschen und die Opfer in Japan“, betonte die Kanzlerin.

Am Abend um 18.00 Uhr werde sie mit dem Bundesinnenminister, dem Außenminister sowie dem Bundesumweltminister zusammentreffen. Dann werde beraten, "was wir als Hilfeleistung tun können“, sagte Merkel. Es werde alles getan, um das größtmögliche Maß an Sicherheit zu für alle Menschen zu erreichen, fügte sie hinzu. Zur Atomkraft in Deutschland äußerte die Kanzlerin sich zunächst nicht.

13:50 Uhr: Umweltschützer fordern nach den neuen Entwicklungen um das Atomkraftwerk in Fukushima die Rückkehr zum Atomaustieg und die sofortige Abschaltung der ältesten Reaktoren. "Die entsetzliche Atomkatastrophe in Japan in Folge des Erdbebens ist ein klarer Beweis dafür, dass Atomenergie auch in modernen Industrienationen eine offensichtlich nicht zu verantwortende Hochrisikotechnologie ist“, erklärte der Naturschutzbund Deutschland am Sonnabend in Berlin.

"Unser Mitgefühl gilt zuallererst den zahllosen Opfern der Erdbeben und Tsunamis“, fügte er an. Doch zeige die Katastrophe auch, dass der Mensch diese Technologie nicht unter Kontrolle habe. "Es gibt nur eine Lösung: Abschalten, Abschalten, Abschalten! Weg von dieser Energieform, weltweit und auch in Deutschland – und zwar so schnell wie möglich“, erklärte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

13:42 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) teilt mit, dass der Wind in Japan derzeit eher schwach weht und vom Land weg zieht. "Es geht Richtung Meer“, hieß es am Sonnabend beim DWD in Offenbach. Die Helfer und Erdbeben-Opfer in Japan müssen sich nach Angaben des Wetterdienstes auf kalte, teils frostige Nächte einstellen.

Die Temperaturen waren in der Nacht zum Sonnabend nördlich von Tokio auf bis minus fünf Grad gesunken. Zumindest tagsüber soll es am Wochenende aber sonnig und trocken bleiben, bei Temperaturen von 13 bis 18 Grad.

Ab Montag erwartet der DWD dann Regen und Schnee. Die Temperaturen sollen fallen und im Norden tagsüber nur knapp über dem Gefrierpunkt liegen. Der Abkühlungsprozess sorge zugleich für stärkeren Wind aus nordwestlicher Richtung aufs Meer hinaus, erklärte der DWD. Der Wetterdienst versorgt auch Hilfsorganisationen mit Vorhersagen.

13:13 Uhr: Japans Premierminister Naoto Kan hat sich besorgt über die Lage nach dem Atomunfall gezeigt, aber nicht von einer Kernschmelze im beschädigten Atomkraftwerk Fukushima gesprochen. Die Explosion vom Nachmittag werde zu keinem größeren radioaktiven Leck führen, sagte anschließend sein Regierungssprecher Yukio Edano.

13:00 Uhr: Der Atomkraftexperte Mycle Schneider erklärt, aufgrund der Explosion des Atomreaktors in Fukushima und der Gefahr einer Kernschmelze droht die massive Freisetzung radioaktiven Materials und eine großflächige Kontamination.

Schneider sagte: "Man kann nicht sagen, ob ein GAU in Fukushima schlimmere oder weniger schlimme Folgen hat, als der GAU im Tschernobyl.“ Die Reaktortypen seien völlig unterschiedlich, aber durch Verlust des Kühlwassers könne in Fukushima der Brennstoff selbst beginnen zu brennen, auch etwaige vorhandene alte Brennstäbe in Abklingbecken des AKW könnten dann zu einer Gefahr werden. Das radioaktive Inventar im Atomkraftwerk sei schon allein geeignet, schwere Verseuchungen zu verursachen.

Schneider, international tätiger Gutachter für Atomanlagen und Autor des renommierten "World Nuclear Industry Status Reports 2009“ sagte, ein japanischer Kollege habe ihm bestätigt, dass der Reaktor selbst explodiert sei. Nun seien bereits Strahlendosen von 1000 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. "Das entspricht der zulässigen Jahreshöchstdosis.“

Falls es zu Kernschmelze und Reaktorbrand kommen sollte, hänge alles vom Klima ab. "Es kommt dann auf den Wind an, weht er die radioaktiven Rauchwolken aufs Meer oder Richtung Land, regnet es, schneit es, die klimatischen Bedingungen bestimmen, wie viel strahlendes Material wo herunterkommt“, erklärte Schneider.

Er verwies auch darauf, dass es nicht nur um die Reaktoren von Fukushima Daiichi und Fukushima Daina notabgeschaltet wurden. „Elf Reaktoren wurden ja gleichzeitig schnellabgeschaltet, man hört aber nur von Fukushima, das heißt ja nicht, dass in den anderen Kernkraftwerken alles in Ordnung ist.“

12:56 Uhr: Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber der Evangelisch-Lutherischen Kirche hat Japan seine Solidarität und Unterstützung übermittelt. "Wir trauern mit Ihnen und mit Ihrer Kirche und hoffen und beten, dass Sie und die Ihren in dem Unheil bewahrt geblieben sind“, heißt es in einer E-Mail an die japanische Kirchenleitung vom Sonnabend. "Wir fühlen uns als Ihre Partnerkirche in besonderer Verantwortung und werden auch nach unseren Möglichkeiten auf direkte Weise helfen.“ Die Landeskirche Braunschweig pflegt seit 1968 eine Partnerschaft mit der Kirche in Japan, die rund 20.000 Mitglieder hat.

12:38 Uhr: Tagesschau.de berichtet, dass es im AKW Fukushima eine Kernschmelze gegeben haben soll.

+++Was passiert bei einer Kernschmelze?+++

12:35 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und Umweltminister Norbert Röttgen wollen am Sonnabendabend bei einem Krisentreffen die Konseqenzen aus dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima erörten. Anschließend wird die Kanzlerin ein Statement zur Lage abgeben. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert

12:07 Uhr: Die japanische Atomsicherheitsbehörde geht davon aus, dass es am Gehäuse des Reaktors Nummer 1 im Kernkraftwerk Fukushima Eins nicht zu ernsten Schäden gekommen ist. Zu dieser Einschätzung seien sie nach Prüfung jüngster Radioaktivitätswerte nach der Explosion vom Nachmittag (Ortszeit) gekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

12:05 Uhr: In einer Küstenstadt sind nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami 300 bis 400 weitere Todesopfer gefunden worden. Die Armee habe die Leichen im nordostjapanischen Rikuzentakata in der Präfektur Iwate gefunden, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender NHK am Sonnabend. Die Stadt hatte am Freitag eine große Flutwelle erreicht, die durch das Beben der Stärke 8,8 bis 8,9 ausgelöst worden war. Vor dem Fund der Leichen in Rikuzentakata hatte die Polizei mitgeteilt, dass es fast 1400 Todesopferund Vermisste gebe.

12:00 Uhr: Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat das EU-Außenministertreffen in ungarischen Gödöllö am Sonnabend vorzeitig verlassen. Er habe sich zu Gesprächen über die Lage nach der Erdbebenkatastrophe in Japan auf den Weg nach Berlin gemacht, hieß es. In Berlin befasst sich ein Krisenstab mit der Lage in Japan

11:53 Uhr: Wie ein Sprecher des Außenministeriums in London mitteilte, habe die japanische Regierung Großbritannien offiziell um Hilfe bei der Bewältigung der Folgen des katastrophalen Erdbebens gebeten. Such- und Rettungsteams hatten sich seit Freitag für einen Einsatz in Japan vorbereitet und sollten innerhalb von vier Stunden aufbrechen können. Es stehe sowohl technische als auch personelle Unterstützung bereit, sagte der Minister für Internationale Entwicklung, Andrew Mitchell. Wie genau die Hilfe aussehen sollte, war zunächst nicht bekannt. Zu den Rettungsteams, die sofort losfliegen könnten, gehören Mediziner, Hunde-Suchtrupps und Experten für Opfer-Identifikation.

11:40 Uhr: Nach dem verheerenden Erdbeben in Japan sind am Sonnabendmorgen Helfer aus Nordrhein-Westfalen in Tokio eingetroffen. Die I.S.A.R. Germany Stiftung aus Duisburg schickte ein Vorausteam in die Erdbebenregion, das dort die Lage erkunden und einen möglichen Einsatz weiterer Spezialisten vorbereiten soll. Das Team war am Freitagabend vom Flughafen in Frankfurt am Main gestartet. Bei den Helfern handelt es sich nach Angaben der Organisation um einen Krankenpfleger, einen Rettungssanitäter und einen Notarzt aus dem Kreis Wesel, aus Duisburg und aus Hessen. Auch andere Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk (THW) entsandten Mitarbeiter in die Erdbebenregion. "Die Lage ist sehr schwierig“, sagte der Sprecher von I.S.A.R Germany, Mark Rösen. Bislang habe das Team den Flughafen in Tokio noch nicht verlassen können. Außerdem sei es schwierig, ins Landesinnere zu gelangen. "Die Taxi-Kosten sind ins Unermessliche gestiegen“, sagte Rösen. Die Hilfsorganisation war nach eigenen Angaben unter anderem auch beim Tsunami im Indischen Ozean im Jahr 2004 sowie bei dem Erdbeben in Haiti im vergangenen Jahr im Einsatz. Die Organisation könne neben Rettungshundeteams auch Spezialisten für die technische Ortung und für die Bergung von Verschütteten in die Katastrophenregion schicken, teilte die Hilfsorganisation mit. Bislang liege allerdings noch kein offizielles Hilfeersuchen der japanischen Regierung vor.

11:15 Uhr: Die japanische Regierung hat den Evakuierungsradius um die beschädigten Kernkraftwerke Fukushima Eins und Zwei von 10 auf 20 Kilometer ausgeweitet. Die Provinzregierung habe eine entsprechende Weisung des Premierministerbüros erhalten, meldet die Agentur Jiji. Die radioaktive Strahlung sei nach einem Anstieg wieder am Fallen, so die Agentur Kyodo

10:50 Uhr: Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo vermeldet, dass bei der Detonation in dem Atomkraftwerk in Fukushima vier Menschen verletzt worden seien, Lebensgefahr bestehe aber nicht.

10:31Uhr: Die Lage in Japan ist "vermutlich eine sehr ernste Situation“ sagte ein japanischer Regierungssprecher zur Einschätzung der Lage nach der Explosion im Atomkraftwerk Fukushima. Er rief die Bevölkerung auf, ruhig zu bleiben, meldete der Fernsehsender NHK.

09:15 Uhr: Der japanische TV-Sender NHK zeigt Bilder, die darauf hin deuten, dass bei der Explosion Teile der Gebäudehülle des Reaktors Fukushima 1 weggebrochen sind.

09:01 Uhr: Die Explosion soll sich laut der japanischen Atomenergiebehörde nicht im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zugetragen haben.

8:57 Uhr: Offenbar gab es eine Explosion in dem beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima. Der japanische Fernsehsender NHK meldete, dass es ein Geräusch einer Explosion gegeben habe und dass danach weißer Rauch aufgestiegen sei. Unklar sei bisher noch, was die Ursache der Detonation sei. Die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press meldete, dass es laut dem Betreiber Tepco offenbar mehrere Verletzte gegeben habe.

06:33 Uhr: Die japanische Atombehörde hält eine Kernschmelze für möglich. Eventuell sei eine Kernschmelze schon im Gange. Unter Berufung der Behörden meldete der Fernsehsender NHK, es bestehe nicht die Notwendigkeit weiterer Evakuierungen in der Umgebung der Kraftwerks.

06:27 Uhr: Radioaktives Cäsium ist in der Nähe des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima festgestellt worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonnabend unter Berufung auf die Atomsicherheitskommission.

05:36 Uhr: Auch die kalifornische Küste ist von dem Tsunami nach dem verheerenden Erdbeben getroffen worden. Beim Auftreffen der Welle auf die Küste sind Hafenanlagen und Dutzende Boote zerstört worden. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown rief in den betroffenen Gebieten den Notstand aus. Ein junger Mann wurde von der Welle mitgerissen und ertrank. Crescent City im Norden des Westküstenstaates wurde von mehr als zwei Meter hohen Wellen getroffen. "Über 30 Boote im Hafen wurden beschädigt, Anlegestellen sind zu Bruch gegangen“, sagte Joe Young von der örtlichen Katastrophenbehörde. Mehr als 4000 Einwohner waren in der Nacht vorsichtshalber in Sicherheit gebracht worden. Auch im Hafen von Santa Cruz, südlich von San Francisco, gingen zahlreiche Boote zu Bruch. Die Flutwellen drückten Jachten in die Holzstege, Boote wurden losgerissen und trieben führerlos im Hafenbecken. Drei junge Männer, die an einem Strand nahe Crescent City Fotos machten, wurden von einer Welle ins Meer gespült. Nur zwei konnten sich an Land retten. Die Suche nach ihrem 25-jährigen Freund wurde nach Stunden aufgegeben, berichtete der "San Francisco Chronicle“.

04:35 Uhr: Die Zahl der Toten ist nach dem Erdbeben und der Tsunami-Flutwelle im Nordosten Japans auf mindestens 398 gestiegen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Angaben der Polizei von Sonnabend. Mehr als 800 Menschen wurden noch vermisst

02:48 Uhr: Der Tsunami nach dem schweren Erdbeben in Japan hat auf der anderen Seite des Pazifiks an der südamerikanischen Westküste zunächst keine Schäden angerichtet. Die Welle erreichte nach einem Weg von fast 16.000 Kilometern zuerst die Galapagosinseln weit vor der Küste Ecuadors und die zu Chile gehörende Osterinsel. Von den Galapagosinseln wurden einige Überschwemmungen gemeldet, die Osterinsel sei nur von einer kleinen Welle getroffen worden, teilten die Behörden am Freitag (Ortszeit) mit.

In Ecuador waren vorsorglich mehr als 260.000 Menschen aus küstennahen Regionen in Sicherheit gebracht worden, in Chile wurden ebenfalls zehntausende Bewohner tief gelegener Küstenstriche in höheres Gelände gebracht. Auch in Kolumbien und Peru waren die Behörden im Alarmzustand.

01:27 Uhr: Nach dem Ausfall der Kühlanlage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 2 haben die Behörden am Sonnabend auch dort Evakuierungen angeordnet. Die Anwohner in einem Umkreis von drei Kilometern müssen ihre Häuser verlassen. Zuvor waren bereits in einem Radius von zehn Kilometern um das Atomkraftwerk Fukushima 1 die Bewohner in Sicherheit gebracht worden. Nach dem Ausfall der Kühlanlagen in Folge des schweren Erdbebens drohen in den Atommeilern Kernschmelzen.

01:04 Uhr: Der Tsunami nach dem schweren Erdbeben in Japan hat die tiefliegenden Pazifik-Inseln weitgehend verschont. Auf den Fidschi-Inseln gab es nur etwa 30 Zentimeter höhere Wellen, berichtete der Rundfunk. Die Behörde für Katastrophenschutz hatte die Küstenbewohner aufgerufen, ins Landesinnere zu gehen oder wenigstens in Bereitschaft für eine schnelle Evakuierung zu sein. Die Behörde hob den Alarm am frühen Sonnabendmorgen auf. Die vor der japanischen Ostküste ausgelösten Wellen rasten mit einer Geschwindigkeit von 800 Kilometern in der Stunde über den Pazifik Richtung Südosten. Auch die anderen Inselstaaten im Pazifik meldeten keine größeren Wellen, berichtete der australische Rundfunk. Auf Tonga waren viele Menschen auf Anhöhen geflüchtet, doch blieb das Meer ruhig. Die Wellen wären gegen 5 Uhr Ortszeit dort angekommen. Auch auf den Marshall-Inseln, auf Kiribati, Nauru und Vanuatu sei es ruhig geblieben, ebenso an den Küsten von Papua-Neuguinea. Samoa hob den Tsunami-Alarm ebenfalls auf. Dort waren 2009 nach einem Erdbeben ein Tsunami mit meterhohen Wellen an die Küsten geschwappt. Etwa 190 Menschen starben.

Ein Segler in Neuseeland hat auf der Flucht vor dem vermeintlichen Tsunami seine Jacht verloren. Der Mann war aus dem Hafen der Great Barrier-Insel nordöstlich von Auckland auf das Meer hinaus gefahren, um Schaden an seinem Boot zu verhindern. Dabei lief er aber auf Grund. Ein Rettungshubschrauber musste den Mann von seinem sinkenden Schiff an Bord nehmen, berichtete die neuseeländische Nachrichtenagentur NZPA.

00:46 Uhr: Auch für das japanische Atomkraftwerk Fukushima 2 ist der atomare Notfall ausgerufen worden. Das Kühlsystem in den drei Reaktoren des AKW sei ausgefallen, berichtete die Agentur Kyodo am Samstag unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tepco.

Freitag, 11. März:

23:43 Uhr: Ausläufer des Tsunamis, durch das verheerende Erdbeben vor der Küste japans, haben Schäden an der Küste Kaliforniens angerichtet. Die zwei Meter hohen Wellen trafen am Freitag auf die Stadt Crescent City. Rund 35 Boote und die meisten Anlegestellen im Hafen wurden zerstört. Experten schätzten die Schäden in einer ersten Kalkulation auf rund zwei Millionen Dollar. Tausende Einwohner an der Küste wurden nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Vier Personen wurden den Behörden zufolge von einer Welle ins Meer gerissen, kurz darauf jedoch gerettet.

22.51 Uhr: Die Radioaktivität steigt nach dem Ausfall des Kühlsystems im Umkreis japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi Nummer 1 drastisch an. Die Behörden teilten mit, dass sich die Radioaktivität im Innern um das Tausendfache des Normalwerts erhöht habe. Es könnte Radioaktivität ausgetreten sein. Der Premierminister Naoto Kan weitete daher den Evakuierungsbereich aus. Kan rief die Menschen dazu auf, in einem Radius von zehn Kilometern um das Kraftwerk ihr Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Die Menschen waren zuvor aufgefordert worden in einem Umkreis von drei Kilometern, ihr Haus zu verlassen. Wie die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien mitteilte, habe sich Japan dazu entschlossen, in dem Problemreaktor Druck abzulassen. Wie die japanischen Behörden mitteilten soll der kontrolliert freigesetzte Dampf gefiltert werden, um Radioaktivität in der Anlage zu halten. Nach einer Experteneinschätzung aus Wien ist es aber unwahrscheinlich, dass in solch einer Situation keinerlei Radioaktivität freigesetzt wird.

22.46 Uhr: Der Druck des beschädigten Reaktors Fukushima-Daiichi wird abgelassen. Japan habe sich dazu entschlossen, wie die Internationale Atomenergiebehörde IAEA am Freitagabend in Wien unter Berufung japanische Behörden berichteten. Die japanischen Behörden teilten der IAEA mit, dass der Dampf gefiltert werde, um Radioaktivität in der Anlage zu halten. Nach einer Experteneinschätzung aus Wien ist es aber unwahrscheinlich, dass in solch einer Situation keinerlei Radioaktivität freigesetzt wird.

21.26 Uhr: An der kalifornischen Küste haben Tsunami-Wellen am Freitag Schäden angerichtet. Der nordkalifornische Ort Crescent City wurde von über zwei Meter hohen Wellen getroffen. „Über 30 Boote im Hafen wurden beschädigt, Anlegestellen sind zu Bruch gegangen“, sagte Joe Young von der örtlichen Katastrophenbehörde.

20.34 Uhr: Die erste Nacht nach dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans haben Millionen Menschen in völliger Dunkelheit verbracht. Mehr als acht Millionen Haushalte hatten weder Strom noch Telefon, in hunderttausenden weiteren fielen auch Gas und Wasser aus.

20.10 Uhr: Der Norden Japans ist in der Nacht von einem weiteren schweren Erdbeben erschüttert worden. Das Beben habe eine Stärke von 6,6 gehabt, meldete der Fernsehsender NHK.

19.50 Uhr: Nach den Worten des japanischen Industrie- und Handelsministers ist ein geringfügiger Austritt radioaktiven Materials aus der Anlage in der Provinz Fukushima nicht ausgeschlossen. Es werde erwogen, radioaktiven Dampf abzulassen, um den Druck in einem Reaktor zu senken, berichteten japanische Nachrichtenagenturen am Freitag unter Berufung auf den Minister Banri Kaieda. Aus der Umgebung der Anlage im Norden von Tokio wurden zuvor 6000 Menschen in Sicherheit gebracht, nachdem das Kühlwasser in einem Reaktor auf einen beunruhigend niedrigen Stand gesunken war.

19.34 Uhr: Die japanische Regierung hat in der Nacht zu Sonnabend vor weiteren Tsunamis gewarnt. Das meldete der Fernsehsender NHK.

19.27 Uhr: Japan hat die Europäische Union offiziell um Katastrophenhilfe nach dem Jahrhundert-Erdbeben gebeten. Die Regierung in Tokio brauche vordringlich Such- und Rettungstrupps, vor allem Suchhunde zum Aufspüren von Verschütteten, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Zugleich aktivierte die EU-Kommission den sogenannten „Zivilschutzmechanismus“. Dies bedeutet, dass sie für 31 Staaten (die 27 EU-Länder sowie Island, Kroatien, Liechtenstein und Norwegen) die Hilfeleistungen koordiniert.

18.24 Uhr: Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima steigt die Radioaktivität in einem Turbinengebäude des Reaktors Nummer 1. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreibergesellschaft. Außerdem soll auch der Druck in einem der Reaktoren gestiegen sein. Es werde derzeit überlegt, „ein wenig“ Luft rauszulassen, um den Druck zu senken. Die Anwohner in der Umgebung seien bereits in Sicherheit gebracht worden. Laut dem Betreiber werde wenn überhaupt nur „wenig“ Luft abgelassen, was einem Experten zufolge ein „üblicher Vorgang“ sei. In zwei Reaktoren des AKW war die Kühlung ausgefallen. Auch sämtliche vier Notgeneratoren waren ausgefallen. Als Folge war das Kühlwasser bedrohlich zurückgegangen.

17.53 Uhr: Die japanische Agentur Kyodo spricht erstmals von mehr als tausend Toten durch das Beben.

16. 58 Uhr: Das schwere Erdbeben hat einen Tsunami erzeugt, der nun auch auf weitere Küsten trifft. Inzwischen erreichten die ersten Wellen die Strände des US-Bundesstaates Oregon, berichtete der Radiosender KCBS. Für die gesamte Westküste war schon in der Nacht eine Tsunami-Warnung ausgerufen worden. Die Behörden warnten vor Wellen bis zu einer Höhe von zwei Metern.

16.39 Uhr: Das Feuer im AKW Onagawa ist gelöscht, berichten japanische Medien. Es sei keine Strahlung ausgetreten. Im Kraftwerk Fukushima läuft das Notkühlsystem weiter auf Batteriebetrieb.

16.32 Uhr: Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet von einem Dammbruch im Bezirk Fukushima. Häuser würden von den Fluten weggerissen.

15.55 Uhr: Nach dem verheerenden Erdbeben haben die Behörden die Suche nach einem Schiff mit 80 Hafenarbeitern aufgenommen. Das Schiff sei im Bezirk Miyagi von dem Tsunami weggeschwemmt worden, teilte ein Sprecher der Küstenwache mit.

15.48 Uhr: Das Büro der Hamburger Otto Group in Japan ist bei dem schweren Erdbeben stark beschädigt worden. „Die gute Nachricht ist aber, dass keiner von unseren Mitarbeitern dort verletzt wurde“, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag.

15.33 Uhr: Das Notkühlsystem des Atomkraftwerks Fukushima läuft nach japanischen Informationen nur noch im Batteriebetrieb. Die Batterien lieferten nur noch Energie für wenige Stunden, erklärte die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln unter Verweis auf japanische Angaben. „Im allerschlimmsten Fall droht dann eine Kernschmelze“, sagte GRS-Sprecher Sven Dokter. Was genau passieren könne, sei aber aufgrund der unklaren Lage noch nicht zu beurteilen. Die japanische Regierung ließ vorsichtshalber tausende Menschen aus der Region evakuieren.

CHRISTIAN C. - EIN HAMBURGER ERLEBTE DAS ERDBEBEN IN JAPAN

15.22 Uhr: US-Präsident Barack Obama hat Japan für die Opfer des verheerenden Erdbebens vom Freitag sein Beileid ausgesprochen. Die Vereinigten Staaten stünden bereit, um mit allen verfügbaren Mitteln zu helfen, sagte Obama.

14.57 Uhr: Am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) erreichten etwa ein Meter hohe Wellen zunächst die Inseln Oahu und Kauai, wie das Pazifische Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii bekannt gab.

14.50 Uhr: In einem Küstengebiet im Nordosten Japans wurden 200 bis 300 Leichen entdeckt. Das teilte die japanische Polizei mit.

14.18 Uhr: Der durch das schwere Beben ausgelöste Tsunami hat die Küste Indonesiens mit einer Höhe von nur zehn Zentimetern erreicht. Nach Angaben des indonesischen Meteorologieamtes war eine zweite, höhere Welle aber nicht auszuschließen.

13.55 Uhr: Das Feuer im japanischen Atomkraftwerk Onagawa in der Provinz Miyagi ist nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde gelöscht.

13.40 Uhr: 2000 Anwohner einer Atomanlage in der nordöstlichen Präfektur Fukushima sind aufgefordert worden, Häuser und Wohnungen zu verlassen. Das Gebiet soll im Umkreis von zwei Kilometern evakuiert werden.

13.22 Uhr: Heinz Smital, Kernphysiker der Umweltschutzorganisation Greenpeace, warnt vor dem Risiko einer radioaktiven Verstrahlung. Auch nach der Abschaltung von Reaktoren bestehe aufgrund der nicht steuerbaren Nachwärme eine hohe Gefahr, sagte er. "Selbst ein abgeschaltetes Atomkraftwerk kann noch zum Super-GAU führen.“

13.11 Uhr: Der befürchtete Tsunami in Taiwan ist ausgeblieben. Die Wellen sind laut der Nachrichtenagentur CNA klein geblieben und haben keine Schäden angerichtet. Der Tsunami-Alarm wurde wieder aufgehoben.

13.01 Uhr: Hamburger Unternehmen wie der Nivea-Konzern Beiersdorf und die Containerreederei Hapag-Lloyd sind zwar in Japan vertreten, aber von den Auswirkungen des schweren Erdbebens zunächst verschont geblieben. Beiersdorf etwa hat in Tokio das Joint Venture Nivea-Kao mit rund 80 Mitarbeitern.

12.49 Uhr: Das japanische Innenministerium meldet, dass in Städten und Präfekturen mindestens 97 Brände gemeldet worden sind.

12.42 Uhr: Nach dem Erdbeben in Japan der Stärke 8,9 haben die Behörden der südamerikanischen Pazifikanrainer Ecuador, Peru und Chile Tsunami-Alarm ausgelöst. Der Tsunami wird kurz vor Mitternacht Ortszeit (Sonnabend, 4 Uhr MEZ) zuerst den Norden Chiles erreichen. Die Behörden und die Menschen wurden aufgerufen, sich auf die möglichen Folgen der Flutwelle vorzubereiten. In Ecuador und Peru dürfte die Flutwelle noch etwas früher eintreffen.

12.27 Uhr: In Taiwan evakuieren die Behörden wegen des befürchteten Tsunamis vorsichtshalber tief liegende Küstengebiete. Taiwans Präsident Ma Ying-jeou hat nach dem Tsunami-Alarm alle anderen Verpflichtungen abgesagt und einen Krisenstab eingesetzt.

12.17 Uhr: Der japanische Regierungschef Naoto Kan hat nach dem verheerenden Erdbeben Atomalarm in Japan ausgerufen. Zu einem Austritt von Radioaktivität kam es den Angaben zufolge bisher nicht.

12.06 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Japan deutsche Unterstützung in Aussicht gestellt. "Seien Sie versichert, dass Deutschland in diesen tragischen Stunden an der Seite Japans steht und zu Hilfe bereit ist", schrieb Merkel am Freitag nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprechers Christoph Steegmans an den japanischen Premierminister Naoto Kan.

11.50 Uhr: Die Zahl der Todesopfer ist nach Angaben der Polizei und lokaler Behörden auf mindestens 32 gestiegen.

11.40 Uhr: Es gibt laut Betreiber keine Anzeichen dafür, dass im Atomkraftwerk Onagawa radioaktive Strahlung austritt.

11.28 Uhr: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte mit, vier Atomkraftwerke in der Nähe des Erdbebengebietes seien aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden.

11.08 Uhr: In Folge des schweren Erdbebens in Japan ist in einem Turbinengebäude des Atomkraftwerks Onagawa in der Provinz Miyagi ein Feuer ausgebrochen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo.

11.05 Uhr: In zwei Fabriken hat es Explosionen gegeben. Zahlreiche Industrieunternehmen der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt mussten die Produktion einstellen.

10.40 Uhr: Die Behörden an der Westküste der USA warnten die Bewohner vor einer Flutwelle, die in etwa sechs Stunden eintreffen könnte. In Neah Bay im US-Staat Washington wird die Welle um 7.18 Uhr Ortszeit (16.18 Uhr MEZ) erwartet. Allerdings sei die erste Welle nicht unbedingt die stärkste, erklärte das Tsunami-Warnzentrum für die Westküste und Alaska.

10.30 Uhr: Nach Angaben von Reedern sind alle Häfen in Japan geschlossen worden.

10.12 Uhr: Inzwischen ist eine Tsunami-Warnung für fast die gesamte Pazifik-Region ausgegeben worden. Ausgenommen sind lediglich die Westküsten der USA und Kanadas, wie das Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik mitteilte. Die Warnung gilt unter anderem für folgende Länder: Russland, Taiwan, die Philippinen, Indonesien, Papua Neuguinea, Australien, Neuseeland, Fidschi, Mexiko, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Nicaragua, Panama, Honduras, Chile, Ecuador, Kolumbien und Peru.

9.55 Uhr: Tokio erlebt auch Stunden nach dem Erdbeben immer wieder Nachbeben. "Es ist immer noch nicht vorbei“, berichteten verschreckte Bewohner der japanischen Hauptstadt.

9.46 Uhr: Nach Regierungsangaben sind im Nordosten Japans rund 50 Feuer ausgebrochen. In einer brennenden Raffinerie in Chiba nördlich von Tokio habe es Explosionen gegeben.

9.23 Uhr: Die Regierung in Tokio geht von der Annahme aus, dass es möglicherweise das bislang schlimmste Erdbeben in der Geschichte Japans sei, sagte der Chefsekretär des Kabinetts, Yukio Edano, nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo.

9.13 Uhr: Laut des Radiosenders NHK sind bei dem Erdbeben in Japan mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Es gebe viele Verletzte, zahlreiche Häuser seien eingestürzt.

(afp/rtr/dpa/dapd)

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Hunderte Tote, zerstörte Städte, überschwemmte Landstriche und brennende Atomkraftwerke – Japan ist am Freitag erst vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte und dann von einem verheerenden Tsunami heimgesucht worden. Offiziell waren am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) 137 Todesopfer bestätigt, doch allein in der Küstenstadt Sendai sprach die Polizei bereits von 200 bis 300 Leichen. Mindestens 531 Personen wurden vermisst, die Zahl der Verletzten wurde mit 627 beziffert.

In weiten Teilen Nordjapans habe das Erdbeben schwere Schäden angerichtet, sagte Ministerpräsident Naoto Kan. Zahlreiche Städte und Dörfer entlang eines 2.100 Kilometer langen Küstenabschnitts waren betroffen. Das Erdbeben ereignete sich am Freitag um 14.46 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von zehn Kilometern rund 125 Kilometer vor der Ostküste Japans, wie das Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik mitteilte.

Die dem Beben folgende Flutwelle erreichte eine Höhe von sieben Metern und riss Schiffe, Autos, ganze Gebäude und tonnenweise Schutt und Geröll mit sich. Es folgten mehr als 50 zum Teil heftige Nachbeben. Das Wasser drang mehrere Kilometer ins Landesinnere vor. Der Geologische Dienst der USA gab die Stärke des Bebens mit 8,9 an. Dem japanischen Sender NHK zufolge war es damit das schwerste Beben in Japan seit Beginn der Aufzeichnungen Ende des 19. Jahrhunderts. Weltweit war das Beben Wissenschaftlern zufolge das fünftstärkste, das jemals gemessen wurde – und 8.000 mal stärker als das Erdbeben im vergangenen Monat in Neuseeland.

Zahlreiche von dem Beben ausgelöste Brände gerieten außer Kontrolle, darunter eines in einer Ölraffinerie in der Stadt Ichihara in der Präfektur Chiba. In der Nähe der Stadt Sendai wurden ganze Gebäude von den Fluten mitgerissen, andere standen in Flammen. Fahrzeuge wurden auf das Gelände des Flughafens der Stadt gespült. In der Stadt Ofunato wurden 300 Gebäude weggespült. Viele Schiffe wurden von den Fluten landeinwärts getragen, krachten gegen Brücken und rissen Oberleitungen mit sich. Schiffe, die vor der Küste ankerten, wurde gegeneinander geschlagen. Nach Angaben der japanischen Küstenwache wurden 80 Hafenarbeiter vermisst, die auf einem Schiff arbeiteten, dass von der Welle aus einer Hafenanlage der Präfektur Miyagi gespült wurde.

Große Sorgen bereitet die Lage in mehreren japanischen Atomkraftwerken. Die Regierung ordnete die Evakuierung tausender Anwohner in der Umgebung des Atomkraftwerkes in Fukushima etwa 270 Kilometer nordöstlich von Tokio an. Das Kühlsystem eines Reaktors war ausgefallen. Zu einem Austritt von Radioaktivität sei es nicht gekommen, sagte der japanische Kabinettssekretär Yukio Edano. Die Ausrufung des Notstands sei eine Vorsichtsmaßnahme. Die Anlage sei nicht in unmittelbarer Gefahr. Trotzdem entsandte das Verteidigungsministerium Spezialeinsatzkräfte der Armee in die Gegend, falls doch Radioaktivität austreten sollte.

„Das kann sehr kritisch werden“, sagte dagegen Christoph von Lieven, Atomexperte der Umweltorganisation Greenpeace. „Wenn nicht gekühlt werden kann, entwickelt sich eine extrem hohe Hitze.“ Nach seinen Informationen schickte die Regierung Transformatoren hin, um eine Notkühlung zu installieren. „Aber bis das richtig funktioniert, können meinen Erfahrungen nach Tage vergehen“, sagte von Lieven. „Bis dahin kann es eine tagelange Kettenreaktion geben.“ In der am schwersten betroffenen Präfektur Miyagi brach im Turbinenraum einer weiteren Atomanlage in Onagawa ein Feuer aus. Rauch stieg aus dem Gebäude auf, das abseits des Reaktorblocks liegt. Das Feuer konnte gelöscht werden, wie der Betreiber Tohoku Electric Power mitteilte.

In der Innenstadt Tokios schwankten große Gebäude, Menschen strömten auf die Straßen, um sich in Sicherheit zu bringen. 30 Minuten nach dem Erdbeben wankten einige Gebäude noch immer, Mobilfunk- und Telefonnetze waren gestört. Züge kamen zum Stillstand, Fahrgäste mussten entlang den Gleisen zum nächstgelegenen Bahnsteig laufen. Electric Power mitteilte.

Das Tsunami-Warnzentrum in Hawaii gab für weite Teile des Pazifiks, darunter auch die gesamte US-Westküste, eine Warnung vor Flutwellen heraus. Die ersten Wellen waren zunächst jedoch weit niedriger als befürchtet. Der Tsunami erreichte die Küste Indonesiens mit einer Höhe von nur zehn Zentimetern. Zuvor waren wegen entsprechender Warnungen Tausende Anwohner aus dem Küstenabschnitt im Nordosten Indonesiens panikartig geflohen.

Am frühen Freitagmorgen (Ortszeit, etwa 15 Uhr deutscher Zeit) erreichten etwa ein Meter hohe Wellen Hawaii, später wurden in Kealakekua Bay sogar drei Meter gemessen, wie das Pazifische Tsunami-Warnzentrum bekannt gab. Tsunamis können sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometer in der Stunde ausbreiten, etwa der Geschwindigkeit eines Verkehrsflugzeugs. Der wohl verheerendste Tsunami ereignete sich am 26 Dezember 2004 im Indischen Ozean und kostete 230.000 Menschen in zwölf Nationen das Leben. (apd)

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