CSD in Köln

Christopher Street Day: schrill und sportlich

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Nike Zafiris

Köln zeigte beim CSD seine volle Wucht als Homosexuellenmetropole. Neben schrillen Inszenierungen ging es auch um Schwule im Sport.

Köln. Auch beim Christopher Street Day (CSD) in Köln ist diesmal Fußball mit im Spiel. Aber anders. „Fußball ist alles ... auch schwul“, prangt am Sonntag als Motto auf Wagen 29 der Parade. Passend zum erfolgreichen WM-Viertelfinale der deutschen Nationalelf steht der Sport für tausende Teilnehmer im Mittelpunkt ihres Treibens. Mit einer Rekordbeteiligung von knapp 150 Gruppen und 100 Wagen demonstrieren Schwule und Lesben bei der CSD-Parade unter dem Motto „Stolz bewegt“ in diesem Jahr vor allem für mehr Toleranz im Sport. In Berlin waren vor zwei Wochen knapp über 50 Wagen am Start. „CSD ist ein absolutes Muss für jeden Schwulen und jede Lesbe“ findet Manuel (28), der mit einer Gruppe junger Schwuler in knallengen Fußballtrikots gekommen ist.

Dass gerade im deutschen Fußball Schwule immer noch diskriminiert werden, regt den Flugbegleiter aus Düsseldorf auf. „Das muss sich ändern“, sagt er und zeigt auf die Rote Karte, die an einem Band um seinen Hals baumelt. Rot sind auch die T-Shirts der mehreren hundert Teilnehmer vom SC Janus, Europas größtem und ältestem schwul-lesbischem Sportverein. Wie eine rote Welle ziehen sie sich durch die Parade. Auf fünf Wagen feiern die Sportler den 30. Geburtstag ihres Vereins und werben auch für die achten „Gay Games Cologne 2010“. Das weltweit größte Breitensportevent dieser Art findet ab 31. Juli in Köln statt.

An einem Wagen schwenken die Cheerleader des SC Janus inmitten pinkfarbener Luftballons und goldener Lamettaherzen ihre Puscheln. Die Jungs von den „Pink Poms“ sorgen jedes Jahr für Stimmung. „Man muss einfach ein Gefühl für die Puscheln haben“, grinst der 43 Jahre alte Dirk Cornelius. Er hofft, dass besonders beim Fußball, Schwulenfeindlichkeit bald kein Thema mehr ist. Der Sprecher der „Pink Poms“, den es vor Jahren aus dem Sauerland in die Schwulenhochburg Köln zog, sagt aber auch: „Nach dem WM-Spiel gegen Argentinien wurden wir von Fußballfans wieder als schwule Schweine beschimpft.“

Doch nicht für alle Teilnehmer des Events, das an einen Homo-Aufstand gegen Polizei-Razzien in New Yorks Christopher Street 1969 erinnert, steht der Sport im Mittelpunkt. In lackfarbenen Mega-High-Heels und kurzen Mini-Röcken sind René und Stefan erstmals dabei. „Wir wollen einfach nur Spaß haben“, sagt Stefan (20) und klimpert mit langen goldenen Wimpern.