Gute Nasen

Einer der meistgesuchten Mafia-Bosse wird nach zehn Jahren verhaftet. Eine OP veränderte sein Aussehen

Hamburg/Marseille. Würde man sagen, dass Giuseppe Falsone, 39, versucht hat, die Polizei an der Nase herumzuführen, dann wäre das sogar in zweifacher Hinsicht wahr. Denn der gesuchte Mafia-Boss wollte nicht nur unerkannt in der französischen Stadt Marseille untertauchen und so einer lebenslangen Haftstrafe entgehen, zu der er in Abwesenheit verurteilt worden war. Um nicht geschnappt zu werden, ließ er sich zudem auch noch seinen vorher recht imposanten Riecher verkleinern. Das war der Optik zwar durchaus zuträglich, aber die Polizei nahm trotzdem seine Fährte auf. Am Wochenende konnte nun Vollzug gemeldet werden: Falsone - eines der 18 meistgesuchten Mafiamitglieder Italiens - wurde bereits am vergangenen Freitag von einem Einsatzkommando der Polizei in Marseille verhaftet.

Damit endete eine fast elf Jahre dauernde Flucht vor dem Gesetz. Seit 1999 wurde Falsone unter anderem wegen Mordes, Drogenhandels und Zugehörigkeit zur Mafia gesucht. Letzteres Vergehen ist erblich bedingt, bereits sein Vater war Mafioso. Nach dessen Ermordung 1991 übernahm der damals gerade 21 Jahre alte Giuseppe den Vorsitz des Clans. In Agrigento, im Süden von Sizilien, gewann er immer mehr an Macht und wurde im Jahr 2002 Mafia-Boss der Provinz.

Unterstützt wurde er bei seinem Aufstieg von Bernardo Provenzano, dem "Boss der Bosse". Dieser war selbst mehr als 40 Jahre auf der Flucht vor der Polizei, bevor er 2006 festgenommen wurde. Sicherlich konnte er seinem Zögling den einen oder anderen Hinweis zum erfolgreichen Untertauchen geben. Doch am Ende waren es die Unvorsichtigkeit des Gesuchten und der Zufall, die die Ermittler auf Falsones Spur führten. Bereits seit April liefen die Ermittlungen in Marseille. Als der Mafia-Boss unter falschem Namen einen Bootsführerschein beantragt hatte, waren die Behörden stutzig geworden. Denn der Mann, dessen Identität der Flüchtige verwendete, war der Polizei einschlägig bekannt. So heftete man sich Falsone an die Fersen.

Dieser lebte nicht wirklich bescheiden in einem Luxusappartement und ging vorsichtig, aber konsequent seinen Geschäften nach. Über die Internetausgaben verschiedener Zeitungen informierte er sich über die aktuellen Geschehnisse in seiner Heimat. "Wir haben herausgefunden, dass Giuseppe Falsone sich zumeist über die sizilianischen Seiten der Zeitungen 'Giornale di Sicilia' und 'Grandangolo' informierte, um auf dem neuesten Stand zu bleiben", erklärte Maurizio Calvino von der zuständigen Abteilung der Polizei in Palermo. Neben zwei Laptops fanden die Ermittler auch fünf Mobiltelefone in der Wohnung des Festgenommenen. Im Gegensatz zum Jahr 2008, als Falsone knapp einer Verhaftung entging, konnte er dieses Mal nicht entkommen. Er leugnete zwar hartnäckig, der Gesuchte zu sein, und führte einen gefälschten Pass ins Feld, doch die Polizei griff zu. Trotz der neuen Nase.

Ein Vertrauter des Mafia-Bosses, der sich zur Kooperation mit der Polizei entschlossen hatte, enthüllte bereits vor längerer Zeit: "Falsone will unbedingt sein Aussehen verändern." Dass er seine neue Nase ab jetzt nur noch durch Gefängnisgitter stecken wird, steht außer Frage. Eine Auslieferung des Gesuchten an Italien ist geplant.

Allerdings ist die Jagd damit nicht beendet. Während beschlagnahmte Anwesen verhafteter Mafiosi heute oft zu Hotels umgebaut sind, befinden sich immer noch zahlreiche Verbrecher auf der Flucht. Die Suche geht also weiter.