Vermisste überlebten in selbst gebauter Schneehöhle

Drei Tage in eisiger Höhe gefangen

Pforzheimer Bürgermeister und seine drei Freunde hatten sich bei Nebel und Sturm in den Tiroler Alpen verlaufen.

Hamburg/Pforzheim. Eisiger Wind pfeift auf dem Gipfel. Die vier Männer haben sich zum Schutz eine Schneehöhle geschaufelt. Aber auch hier kriecht ihnen die Kälte in die Knochen. Draußen herrschen minus zwölf Grad. Ein Schneesturm und Nebel machen ihnen die Rückkehr in die sichere Berghütte unmöglich. Die Männer befürchten das Schlimmste. Sie haben nur noch wenig Nahrung und wissen nicht, ob sie hier oben in 3600 Meter Höhe jemals gefunden werden.

Gestern wurden der am Sonnabend als vermisst gemeldete Pforzheimer Bürgermeister Alexander Uhlig (45) und seine drei Begleiter nach tagelanger Suche gefunden. Durch einen Wetterumschwung waren Uhlig, Joachim M., Roland M. (46) und Klaus A. (44), der schon den Himalaja bestiegen hat, auf ihrer Schneeschuhtour von der Route zurück zur Hütte abgekommen.

Auf etwa 3400 Meter Höhe mussten sie die Wanderung abbrechen. Die erfahrene Wandergruppe um den Politiker war Sonnabend früh von der Kürsingerhütte aus aufgebrochen und hatte gegen 12.30 Uhr den Gipfel des 3662 Meter hohen Großvenedigers erreicht. Etwa um 14 Uhr hatten andere Bergsteiger die Gruppe beim Abstieg zurück in Richtung Osttirol zuletzt gesehen. Als sie nach ein paar Stunden nicht in der Hütte auftauchten, alarmierte ein fünftes, dort zurückgebliebenes Mitglied des Teams die Bergrettung. Nicht nur den Bergsteigern wurde das schlechte Wetter dann zum Verhängnis, auch die Helfer mussten ihren Einsatz am Sonnabend aufgrund der Witterung unterbrechen. Neuschnee wehte zudem Spuren der Vermissten zu. Ferner gab es in dem Gebiet keinen Handy-Empfang, um die Wanderer zu orten. Mithilfe von Wärmebildkameras wurden der Familienvater Uhlig aus Baden-Württemberg und seine drei Begleiter schließlich in einer groß angelegten Suchaktion gefunden.

Winkend begrüßten die eingeschneiten Bergsteiger die ersehnten Rettungskräfte. Diese flogen die Gruppe ins Tal, wo sie anschließend in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht wurde. Die vier Wanderfreunde waren sehr erleichtert und bis auf ein paar leichte Erfrierungen "in erstaunlich gutem Zustand", wie die behandelnden Ärzte sagten.

Der Stadtverwaltung Pforzheim zufolge gehe es dem Bürgermeister "ganz ausgezeichnet, er habe keinerlei körperliche Beeinträchtigungen", es sei allerdings noch unklar, ob Uhlig weiter im Krankenhaus bleibe.

Nach Meinung des Deutschen Alpenvereins war es der guten Ausrüstung zu verdanken, dass die Freunde bei Minusgraden, starkem Wind und 20 Zentimeter Neuschnee überlebt haben. Wärmende Biwakschlafsäcke - sie sind wind- und wasserdicht -, Schaufeln und ausreichend Nahrung halfen, mehrere Tage und Nächte in der Schneehöhle zu überleben. In Iglus, wie sie die Bergwanderer errichtet hatten, können die Temperaturen um null Grad gehalten werden. Der Alpenverein rät in solchen Situationen, die Gruppe unbedingt zusammenzuhalten und Panik zu vermeiden. All dies habe das Quartett vorbildlich umgesetzt, sagte ein Sprecher.

Der Einsatz könnte für die Überlebenden trotzdem teuer werden. Mehr als 70 Helfer und mehrere Hubschrauber waren tagelang im Einsatz. Die Kosten könnten in Zehntausende Euro gehen und müssten von den Betreffenden selbst gezahlt werden, warnt die Bergrettung Tirol. Darüber seien sich viele Bergsportler nicht im Klaren.