Hundegottesdienst

Vier Pfoten für ein Halleluja

| Lesedauer: 2 Minuten

Los Angeles. Mr. Booby kann nicht länger still sein. "Wuff, Wuff", hallt es durch die Kirche in Westchester, einem Stadtteil von Los Angeles. Pastor Tom Eggebeen blinzelt über seine Brille hinweg von der Kanzel herunter und lächelt freundlich. "Ich gehe davon aus, dass Mr. Booby meine Predigt gefällt", sagt der Geistliche. Ein sympathisierendes Raunen geht durch den Saal. Mr. Booby, eine schwarz-weiße Bulldoggen-Mischung, legt sich wieder auf das weiche Kissen. Sein Herrchen, Leonard Yee, streichelt ihm sanft den Kopf und hört der Predigt zu - gemeinsam mit 30 anderen Hundebesitzern, die ihre Wegbegleiter mitgebracht haben.

Hundepredigt? Tiere in der Kirche? Ist das nicht eine Erfindung der Traummaschine Hollywood? "Ganz und gar nicht. Jeden Sonntag veranstalten wir einen Gottesdienst für Hundebesitzer", sagt Eggebeen, der selbst einen Yorkshire Terrier besitzt. Statt Oblaten gibt's Hundekuchen, bellende Störer werden mit einem Ave Maria oder mit einem stillen Gebet ruhiggestellt. "Es wirkt tatsächlich. Mein Hund lauscht dem Ave Maria und jault manchmal sogar mit", erzählt Yee. Die Idee hinter der "Hundekirche" ist einfach. Wie so viele Glaubensgemeinden müssen auch die Presbyterian-Anhänger neue Wege finden, um ihre leer gewordenen Gotteshäuser füllen zu können. "Wir wollten es Hundebesitzern einfach ein bisschen bequemer machen, deshalb die Idee mit dem Gottesdienst", sagt Eggebeen. Und es funktioniert.

Zwischen 30 und 50 "Hundefamilien" kommen zum 30-minütigen Gottesdienst in Westchester. Pastor Eggebeen hat die Sitzordnung aufgelockert, einige Bänke gegen Liegekissen für die Hunde ausgetauscht. Die Inhalte des Gottesdienstes "ähneln denen einer normalen Andacht", sagt Eggebeen. Allerdings macht der Pastor häufiger Pause, weil die Hunde hin und wieder ins Freie müssen.

Eggebeens Hundegottesdienst ist schon ein Trendsetter für andere Kirchen in den USA. So berichtet die "Los Angeles Times", dass Kirchen zunehmend die "emotionale Verbindung zwischen Menschen und Tieren erkennen". Die Underwood Hills Kirche in Omaha duldet schon seit geraumer Zeit Tiere. Und auch in Idaho, San Francisco und Teilen von Florida dürfen Hunde Gott nahe sein. Für Mr. Booby wird sogar gebetet. Die Bulldogge hat nach einer Knieoperation noch immer Probleme.

( (fsi) )