An Bord der Maschine starben im Juni 228 Menschen

Neue Suche im Atlantik nach abgestürztem Airbus

Tauchroboter aus Kiel angefordert. Air France und Airbus wenden zehn Millionen Euro auf. Es geht um ihren Ruf.

Paris/Rio de Janeiro. Es wird der letzte Versuch sein, das Geheimnis um den Absturz der Air-France-Maschine vor der brasilianischen Atlantikküste abschließend zu klären. Die Suche nach dem Airbus-Wrack und den Flugschreibern mit ihren wichtigen Daten läuft wieder an. Niemand weiß bis heute genau, was sich an Bord des Airbusses A330-200 abspielte, der in der Nacht zum 1. Juni 2009 abstürzte und 228 Menschen, unter ihnen 28 Deutsche, mit in den Tod riss. 51 Leichname konnten damals geborgen werden, für 177 Menschen wurde der Atlantik zum Grab - für viele Angehörige eine unerträgliche Vorstellung.

Bei der nunmehr dritten Suchaktion geht es für Air France und den Flugzeugbauer Airbus um nichts weniger als den guten Ruf. Beiden Unternehmen wurde mehrfach eine Mitschuld an der Katastrophe vorgeworfen. Sie hoffen, dass die Aufklärung des Absturzes sie entlastet. Rund zehn Millionen Euro lassen sich die beiden Konzerne die neue Suche kosten. Die federführenden französischen Flugunfallermittler sind optimistisch. Die Chancen, die Flugschreiber zu finden, seien deutlich besser als 50:50, sagt der Chef des französischen Amts für Unfallanalyse BEA, Jean-Paul Troadec.

Die Zuversicht kommt nicht von ungefähr: Für die letzte Suchaktion haben die Ermittler die besten Experten und das modernste Gerät aus der ganzen Welt zusammengezogen. Neben Franzosen sind unter anderem Russen, Briten und Amerikaner beteiligt. Aus Deutschland wurde ein Unterwasserfahrzeug des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften angefordert.

Der Tauchroboter "Abyss" soll zusammen mit zwei baugleichen Geräten aus den USA nach dem Wrack Ausschau halten. Zur Erkundung von zerklüfteten Zonen haben die beiden Mutterschiffe "Anne Candies" und "Seabed Worker" zudem Spezialroboter an Bord. Mit aufwendigen Berechnungen konnte das Absturzgebiet mittlerweile sehr genau eingeengt werden. Die neue Suchzone ist etwa zehnmal kleiner als die ursprüngliche, die eine gigantische Fläche von mehr als 17 000 Quadratkilometern umfasste. Schwierig wird es dennoch: Auch das neue Suchgebiet liegt noch im Bereich des atlantischen Rückens in Äquator-Nähe. Die Unterwasserlandschaft dort ist bergig und zerklüftet. Die Höhenunterschiede betragen teilweise mehr als 1000 Meter, und die Fundstelle wird in einer Tiefe von bis zu 4000 Metern vermutet.

Die Suche dürfte international aufmerksam verfolgt werden. An Bord der Unglücksmaschine waren Passagiere aus rund 30 Nationen. Der Absturz hatte die Menschen vor allem Frankreich und Brasilien schockiert. Brasilianische Marineschiffe waren damals unmittelbar nach dem Absturz in das Seegebiet etwa 1200 Kilometer nordöstlich von Recife ausgelaufen. Viele quälende Stunden blieb unklar, ob es sich bei der Unglücksmaschine überhaupt um den Airbus handelte.

Dann wurden am 2. Juni auf hoher See ein Passagiersitz und Öl- sowie Kerosinspuren und immer neue Wrackteile entdeckt. Erst vier Tage später, am 6. Juni, barg die Marine die ersten Leichen. Wochenlang durchkämmten zahlreiche Flugzeuge das Gebiet Tag und Nacht. Nach rund einem Monat wurden die Bergungsaktion und auch die Suche nach den Flugschreibern eingestellt. Die jetzt beginnende Suchaktion ist auf einen Monat angelegt, soll aber bei Bedarf ausgedehnt werden. Bis zum Jahrestag des Absturzes am 1. Juni wollen die Ermittler möglichst Gewissheit über die Absturzursache haben. An diesem Tag sind zum Gedenken an die Opfer in Paris und vermutlich auch in Rio Trauerfeiern geplant. Für die Familien und Freunde wäre es ein Trost zu wissen, wo genau die letzte Ruhestätte ihrer Angehörigen liegt.