Geiselnahme hinter Gittern

Schwerer Rückfall eines Frauenmörders

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Der Täter hatte seine Therapeutin viele Stunden vergewaltigt. Sein Urteil: Knapp 14 Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.

Regensburg. Es ist eine Begegnung, wie man sie keinem Opfer wünscht: Im Sitzungssaal 101 des Regensburger Landgerichts sitzt die Diplom-Psychologin Susanne B. (50) erstmals seit April 2009 wieder dem Mann gegenüber, der sie stundenlang als Geisel gefangen gehalten und immer wieder vergewaltigt hatte. Er ist der verurteilte Frauenmörder Roland K. (51), Susanne B. ist die Chef-Therapeutin des bayerischen Hochsicherheitsgefängnisses Straubing. Sie sollte ihn nach 25 Jahren in Haft auf die Freiheit vorbereiten.

Gestern verurteilte das Gericht Roland K. zu 13 Jahren und neun Monaten Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Er hatte alles gestanden. Im Prozess attestierte ihm ein Gutachter eine fetischistisch-sadistische Störung seiner Sexualität. Von ihm werde auch in Zukunft noch eine erhebliche Gefahr ausgehen. Dabei galt er vor seiner Tat als sicherer Kandidat für eine Entlassung.

1984 hat der gelernte Schlosser in Aschaffenburg die Lehrerin Judith Taylor (25) vergewaltigt und mit einem Knebel erstickt. Schon seit früher Jugend war K. durch Sexualdelikte aufgefallen. Behandelt wurden seine offensichtlichen Störungen nie. Erst 2004, nach 20 Jahren hinter Gittern, kam Roland K. in die neu gegründete sozialtherapeutische Abteilung der JVA. Er galt als angepasster Häftling, ein Gutachten über ein mögliches Ende seiner Haft war in Arbeit.

Doch dafür waren Kontakte "nach draußen" unabdingbar. Da kam Chef-Therapeutin Susanne B. die Idee mit den Kontaktanzeigen. Am 24. September 2005 inserierte sie in K.s Namen unter der Rubrik "Heiraten und Bekanntschaften" in der "Süddeutschen Zeitung": "Junggebliebener 47-Jähriger, schon lange und noch lange in Haft, daher sehr einsam und ohne Kontakte nach draußen, sucht eine lebendige und kluge Frau ab 40, für Gedankenaustausch, in Form einer Brieffreundschaft." Per Chiffre meldete sich Claudia D. Von seinem Vorleben wusste sie nichts - von Roland K. erfuhr sie auch nichts darüber. Man schrieb sich, man telefonierte. Doch die Psychologin stand der vorbestraften Verehrerin reserviert gegenüber: "Es gab Anlass zur Vermutung, dass sie gestört ist." Einem Besuch der Frau in der JVA widersetzte sich die Therapeutin. Aber Roland K. wollte Claudia D. sehen. Wenn nötig, mit Gewalt.

Kurz vor dem Einschluss ging er in seine Zelle. Schon seit einem halben Jahr hatte er hier ein Messer versteckt, das er sich heimlich gebastelt hatte. Er nahm auch ein Fläschchen mit Sekundenkleber und angespitzter Kanüle sowie Klebeband an sich. Um 17.13 Uhr betrat er das Büro von Susanne B.. Erst als er ihr das Messer an den Hals hielt, ihre körperliche Nähe spürte, will ihm der Gedanke an Sex gekommen sein.

Für die Therapeutin war es dagegen zunächst nichts Ungewöhnliches, dass Vorzeige-Häftling K. in ihr Büro kam. Erst als er ihr den Weg nach draußen versperrte, merkte sie, dass etwas nicht stimmte. "Ich hab gekämpft, ich hab's versucht", sagte sie aus. Und dann: "Den Satz nehme ich mit ins Grab: 'Ich will von der Sache noch was haben!' Dann schnitt er meinen BH auf." Sie durchlitt sieben Stunden Todesangst. Der Gutachter sah in diesem Tatablauf Parallelen zu früheren Sexualdelikten des Mannes. "Die Erlangung von Macht über seine Opfer und die Erniedrigung sind wichtiger als der Sex selbst." Am Ende sprach der Angeklagte. Unter Tränen verlas er einen Brief: "Ich halte mich für das größte Schwein, das jemals in Straubing war."