Frauen in der Raumfahrt

Sonja Rohde - als erste Deutsche ins All

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Nataly Bombeck

Für die Hagenerin erfüllt sich ein Kindheitstraum, wenn sie an Bord des Raumschiffes "Space Ship Two" den Sternen sehr nah sein kann.

Hamburg/Hagen. Fliegen wie eine Feder im Wind oder wie die scheinbar schwerelosen Sterne im All, dabei den unbeschreiblichen Blick auf Erde, Sonne und Mond gleichzeitig genießen - diesen Kindheitstraum erfüllt sich zum ersten Mal eine deutsche Frau. Die Hagener Immobilien-Kauffrau Sonja Rohde (34) wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres ins All fliegen. Mit dem "Space Ship Two", einem bemannten Raumschiff des britischen Virgin-Konzernchefs und Multimillionärs Richard Branson, plant sie als eine von sechs privaten Passagieren den ersten kommerziellen Flug ins All.

Sonja Rohde wirkt nicht wie eine Träumerin. Eher wie eine lebensbejahende Frau, die genau weiß, was sie will. Vergangenen Freitag erzählte sie in Hamburg von ihrem vor vier Jahren entstandenen Entschluss, in den Weltraum zu fliegen. (heute, 12. Oktober, bei "Beckmann", 22.45 Uhr, ARD). "Ich habe Richard Branson 2005 zufällig auf einer Afrika-Safari kennengelernt. Eines Abends erzählte er von seinem Vorhaben, Flüge ins All für jedermann anzubieten. Ich war sofort Feuer und Flamme - seitdem stehen wir in Kontakt", erzählt die blonde Frau, die schon als Kind eine Vorliebe für Dinosaurier hatte und Astronautin werden wollte. Ihr Kinderzimmer war mit einem Sternenhimmel tapeziert, ihre Oma musste ihr Lexika über Raumfahrt schenken, im Fernsehen war "Space Night" Rohdes Lieblingssendung.

Aus den Plänen ist inzwischen ein ehrgeiziges Projekt geworden. Besuche im amerikanischen Kennedy Space Centrum in Cape Canaveral, ein Zentrifugen-Training bei der Nastar sowie diverse medizinische Tests standen auf dem Programm von Sonja Rohde. Sie ist topfit, macht regelmäßig Lauf- und Krafttraining. "Wir haben nicht nur bei einem Parabelflug gelernt, wie man in der Schwerelosigkeit navigiert, wir wurden auch beim Schwerkrafttraining mit den Schwierigkeiten beim Start und bei der Landung konfrontiert. Das Atmen fällt dann schwer, und man wird trainiert, damit keine Ohnmacht eintritt", schildert Rohde ihre Vorbereitungen. Angst hat sie nicht. Immerhin drückt bei diesen Übungen wegen der Erdanziehungskraft das bis zu sechsfache Gewicht auf die Organe.

Ein weiteres Problem waren die Finanzen. Der dreistündige Flug (davon nur fünf Minuten in Schwerelosigkeit) auf einer Parabel in 1000 Meilen (ca. 1600 Kilometer) Höhe rund um die Erde kostet 220 000 US-Dollar. Rohde sammelte ihre Ersparnisse zusammen, nahm einen Kredit auf. "Ein bisschen Überzeugungsarbeit brauchte ich schon. Aber der Weltraumtourismus ist ein Projekt mit Zukunft. Das ist ein Pilotprojekt und keine Achterbahnfahrt. Wir leisten da Pionierarbeit", ist sie überzeugt.

An Bord wird sie nur eine Minikamera für Privataufnahmen mitnehmen. Ihr Lebensgefährte wird sie zum Abflug in Kalifornien begleiten. Den Jungfernflug wird übrigens Richard Branson machen. Erst danach heißt es: "Three, two, one, zero - take off!" für Sonja Rohde. Einziges Mitbringsel aus dem Weltraum werden Fotos und die Anstecknadel "Astronaut Wings" sein.