Entführung: Überwachungskamera nimmt drei Verdächtige auf

Die erste Spur zu Madeleine

Ein erster Hoffnungsschimmer: Portugiesische Polizei fahndet nach drei Briten.

Lissabon/London. Eine Woche nach der Entführung der kleinen Madeleine (3) aus einer Ferienanlage im Süden Portugals verfolgen die Ermittler die erste heiße Spur. Für die Eltern Kate (39) und Gerry McCann (39), ein Arztehepaar aus Großbritannien, ein erstes Zeichen der Hoffnung, dass ihre geliebte "Maddie" noch lebt.

Bei der Fahndung nach den Kidnappern sucht die Polizei jetzt zwei Männer und eine Frau, die in der Nähe des Tatorts an der Algarve-Küste von Videokameras einer Tankstelle aufgenommen worden waren. Diese Bilder können möglicherweise den Schlüssel zur Aufklärung des Verbrechens liefern.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Madeleine von einer Bande von Kinderschiebern gekidnappt wurde, die entweder ihre Opfer zur Adoption anbieten oder an Pädophile verkaufen. Vor der Entführung hatte ein Zeuge im Ferienort Sagres zwei Männer und eine Frau dabei beobachtet, wie sie fremde Kinder fotografierten. Als der Zeuge, ein in Deutschland lebender Gastarbeiter, das vermutlich britische Trio ansprach, ergriffen die drei die Flucht. Der Zeuge konnte damals einen der Männer mit einem Handy ablichten. Dieses Foto diente der Polizei dazu, ein erstes Phantombild eines der Verdächtigen anzufertigen.

"Wir glauben, dass die beiden Männer und die Frau mit dem an der Tankstelle gefilmten Trio identisch sind", sagte ein Polizeisprecher. Auf den Aufnahmen der Überwachungskamera sei auch ein Auto mit britischem Kennzeichen zu erkennen. Die Beamten zeigten Urlaubern in mehreren Ferienorten an der Algarve Fotos der Verdächtigen, um Informationen über deren Identität zu bekommen.

Das Auftauchen der Videoaufnahmen könnte neue Bewegung in die zuletzt stagnierende Fahndung bringen. Möglich sei auch, dass die kleine Britin bereits an einen Pädophilen-Ring weiterverkauft wurde.

Die Polizei fahndet nach mindestens 130 britischen Pädophilen, die in letzter Zeit nach Portugal gereist sind. Die schwarze Liste der potenziellen Sextäter ist von der britischen Polizei erstellt worden, wo jeder verurteilte Pädophile registriert ist und die Polizei über Auslandsreisen informieren muss.

Portugal gilt in einschlägigen Kreisen als "Pädophilen-Paradies", weil es kein Register für Kinderschänder gibt. Unterdessen gab die britische Hotline "Crimestoppers" bekannt, dass 35 Hinweise aus Portugal und England über den Fall an die Polizei von Leicester weitergereicht worden sind, die den Fall in England bearbeitet. "Es sind alles nützliche Informationen", so eine Sprecherin.

Die dunkelblonde Madeleine war am Donnerstag vergangener Woche aus ihrem Bett in einer Luxus-Ferienanlage in Praia de la Luz entführt worden, als ihre Eltern beim Abendessen saßen. Am Sonnabend ist ihr vierter Geburtstag.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.