EU-Richtlinie

Drohendes Kunstrasen-Aus: Wie Hamburger Vereine reagieren

Um diese kleinen aufgewirbelten Körner geht es: Gummigranulat aus Mikroplastik soll von den Sportplätzen verschwinden.

Um diese kleinen aufgewirbelten Körner geht es: Gummigranulat aus Mikroplastik soll von den Sportplätzen verschwinden.

Foto: imago/Ulmer

Das EU-weit geplante Verbot von Mikroplastik sorgt für Unruhe im Amateurfußball. Entwarnung für städtische Anlagen.

Hamburg. Eines können die unterlegenen Gastmannschaften des SV Grün-Weiß Eimsbüttel nicht behaupten: dass es am Platz gelegen habe. „Unser Kunstrasen gilt als einer der besten, wenn nicht als der beste in Hamburg“, sagt Geschäftsführer Jürgen Hitsch: „Darauf spielt es sich sensationell gut, wie auf einem Teppich.“ 80 Prozent der Gesamtbaukosten von 433.000 Euro hat sich der Verein sein Schmuckstück an der Julius-Vosseler-Straße vor acht Jahren kosten lassen, den Rest steuerte die Stadt bei.

Doch wie lange die Fußballer daran noch Freude haben, ist fraglich. Wenn die geplante EU-Richtlinie zur Vermeidung von Mikroplastik kommt, ist von 2022 an die Verwendung synthetischen Kautschuks nicht mehr erlaubt. Hitsch: „Das wäre eine Riesenaufgabe für uns.“

Bis zu 200.000 Euro kann es kosten, Gummigranulat durch umweltverträglichen Quarzsand oder durch Korkgranulat zu ersetzen. Von den 88 öffentlichen Kunststoffrasenplätzen sind nur etwa fünf bis zehn Prozent betroffen. Bereits seit 2010/11 setzt die Stadt auf Quarzsand als Füllstoff. „Von daher stellt sich für Hamburg das Problem glücklicherweise nicht in der Form“, sagt Daniel Schaefer, Sprecher der Innenbehörde.

ETV-Kunstrasen ist mit Gummigranulat befüllt

Zu den betroffenen Altplätzen gehören auch die beiden an der Bundesstraße, die der Eimsbütteler TV nutzt. Sie sollen nach dem Willen des Vereins ohnehin bald ausgetauscht werden, weil sie marode seien. Einen dritten Platz errichtete der Stadtteilverein 2012 in Eigenregie am Lokstedter Steindamm – aus Gummigranulat. Und der ist laut Markus Grandjean, ETV-Vorstand für Sportanlagen und Projektentwicklung, „top gepflegt“. Muss er trotzdem bald gesperrt und abgetragen werden, so wie 3500 weitere in Deutschland, die nach Schätzungen von der Richtlinie betroffen sein könnten?

„Wir werden sicher keine überstürzte Aktion starten“, sagt Grosjean, „sondern müssen die Problematik erst einmal intern besprechen und ausloten, welche Möglichkeiten es gibt.“ Ebenfalls Gedanken machen muss sich auch die Internationale Schule (ISH), auf deren Anlage am Hemmingstedter Weg auch die erste Mannschaft von Altona 93 trainiert. „Unser Fußballplatz wurde vor zehn Jahren angelegt und besitzt – wie an vielen Hamburger Schulen üblich – einen Kunstrasen mit Mikrogranulat“, sagte ein Sprecher. Deshalb plant die Privatschule in Groß Flottbek nun eine Umgestaltung. „Wir befürworten, das Granulat durch eine ökologisch unbedenklichere Alternative zu ersetzen.“

Altona 93 stellt sich gegen Gummigranulat

Tatsächlich sei das letzte Wort in Sachen Mikroplastikverbot noch nicht gesprochen, wie das Bundesumweltministerium am Montag betonte. Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) sei „in einer frühen Phase der Meinungsbildung“. Auch gehe es um den Neueintrag oder das Nachfüllen von Kunststoffgranulat, nicht um den Abriss von Sportplätzen. Die Echa habe zunächst um Informationen über das Einstreumaterial von Kunstrasenplätzen gebeten.

Unterstützung erfährt die EU-Behörde nahezu flächendeckend von den Hamburger Vereinen. „Man hätte gar nicht genehmigen dürfen, dass die Fußballplätze mit Mikroplastik betrieben werden. Das ist ein Unding!“, sagt Dirk Barthel, Vorsitzender von Altona 93.

Dieser Meinung schließen sich auch Victoria Hamburg, der TSV Sasel und Barmbek-Uhlenhorst (BU) an, die allerdings allesamt von der Regelung nicht betroffen wären. „Ich kann die Verbotspläne nachvollziehen“, sagt Frank Meyer, Vorsitzender von BU. Als der Verein 2013 die Neuanlage der Sportplätze plante, erhielt er bereits einen Hinweis vom Sportamt, auf Gummigranulat zu verzichten. Meyer: „Wir können nicht tonnenweise Mikroplastik über die Plätze in den Umweltzyklus verbreiten.“