Hamburg

Fehlende Einnahmen: Rothenbaum darf am Preisgeld sparen

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Turnierdirektorin Sandra Reichel (49), die 2019 ihre Premiere in Hamburg feierte, hofft auf ein starkes Teilnehmerfeld.

Turnierdirektorin Sandra Reichel (49), die 2019 ihre Premiere in Hamburg feierte, hofft auf ein starkes Teilnehmerfeld.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Turnierdirektorin Sandra Reichel (49), die 2019 ihre Premiere in Hamburg feierte, hofft auf ein starkes Teilnehmerfeld.

Hamburg. Ihr Mobiltelefon stand nicht still am Freitag, und dieser Zustand wird sich in den kommenden Wochen nicht verändern. Dennoch war Sandra Reichel glücklich. „Ich habe selbst nicht mehr damit gerechnet, dass es klappt. Umso schöner ist es, dass wir das neue Stadion mit einem hochwertigen Turnier einweihen dürfen“, sagte die Direktorin des Traditionsevents am Rothenbaum, nachdem die Herrentennisorganisation ATP am Freitag den überarbeiteten Kalender für die verbleibende Saison 2020 veröffentlicht und Hamburg mit seiner für zehn Millionen Euro umgebauten Anlage als Standort in der Woche vom 19. bis 27. September bestätigt hatte.

Organisation für Hamburg European Open im September gestartet

Am Donnerstagabend hatte die 49-Jährige die frohe Kunde nach zähen Verhandlungen mit allen Partnern vermelden können. Nun geht es mit Hochdruck in die Organisation, schließlich sind eine Reihe an Fragen offen. Die nach dem Teilnehmerfeld kann zumindest teilweise Ende kommender Woche beantwortet werden, da die Entry List vier statt der sonst üblichen sechs Wochen vor dem ersten Aufschlag geschlossen wird.

Hamburg als Turnier der 500er-Kategorie (dritthöchste Serie nach Grand Slam und Masters) übernimmt im neuen Kalender den Termin des Masters in Rom. Italiens Hauptstadt ersetzt vom 12. bis 20. September Spaniens Kapitale Madrid, die aufgrund steigender Corona-Fallzahlen zurückziehen musste.

Wenige Möglichkeiten für Sandplatz-Spiele

Somit gibt es nach den US Open in New York (31. August bis 13. September) und vor den French Open in Paris (27. September bis 11. Oktober) nur zwei Möglichkeiten, sich auf Sandplatz einzuspielen, was dazu führen könnte, dass manch ein Topspieler, der zum angestammten Termin im Juli Hamburg meidet, in diesem Jahr an der Hallerstraße aufschlagen könnte.

Parallel zu Hamburg findet die Qualifikation der French Open statt, zudem behält sich die ATP vor, zusätzlich ein Turnier der 250er-Serie zu lizenzieren, was aber unwahrscheinlich ist. Unklar sind noch die Quarantäne-Regelungen für USA-Rückkehrer. Darüber will die ATP am Montag informieren.

Reichel: "Wir sind mit allen im Gespräch"

„Natürlich ist die Hoffnung da, dass wir große Namen kriegen. Aber ich traue mir keine Prognose zu. Wir sind mit allen in Gesprächen“, sagte Sandra Reichel, die ankündigte, die vier Wildcards für das 32 Spieler umfassende Einzel-Hauptfeld (Doppel: 16) möglichst lange freihalten zu wollen.

Ihr österreichischer Landsmann Dominic Thiem (26), als Weltranglistendritter 2018 und 2019 Zugpferd in Hamburg, war vertraglich für diesen Sommer gebunden, die Vereinbarung ist jedoch aufgrund der neuen Umstände ausgelaufen. „Dominic hat immer gern in Hamburg gespielt. Ob er es in diesem Jahr schafft, hängt stark von seinem Abschneiden in den USA ab“, hieß es aus dem Management Thiems.

Bis Ende August: Obergrenze bei 1000 Besuchern

Fraglich ist weiterhin, wie viele Zuschauer auf dem im Zuge des Umbaus von 13.200 auf 10.000 Sitzplätze verkleinerten Center Court zugelassen werden. Bis Ende August gilt die Obergrenze von 1000 Besuchern. „Damit kalkulieren wir aktuell. Wenn es mehr werden dürfen, werden wir uns darauf einstellen“, sagte Sandra Reichel, die die Gründung eines Expertengremiums ankündigte, um die Anforderungen der ATP-Hygieneregeln mit dem eigens erstellten Gesundheitskonzept zusammenzuführen.

Sollten keine Fans zugelassen sein und damit wichtige Einnahmen zur Deckung des 5,5-Millionen-Euro-Etats fehlen, könnte an anderer Stelle gespart werden. Die ATP beschloss eine Preisgeldreduktion um 40 Prozent bei verringerter Kapazität und 50 Prozent bei leerem Stadion.

Damit sinken die Aufwendungen um 720.000 bis 900.000 Euro. In welchem Umfang die ATP-Sponsoren Peugeot, FedEx und Emirates zahlen, soll Montag geklärt werden. Die Stadt und Mäzen Alexander Otto steuern insgesamt bis zu 1,5 Millionen Euro bei.

( rg/bj )

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