Sorge um Athleten

IOC will olympischen Marathon in Wintersportort verlegen

Helfer stützen den völlig entkräfteten Usbeken Andrej Petrow beim WM-Marathon in Doka: Bilder wie diese soll es bei Olympia 2020 nicht geben.

Helfer stützen den völlig entkräfteten Usbeken Andrej Petrow beim WM-Marathon in Doka: Bilder wie diese soll es bei Olympia 2020 nicht geben.

Foto: LUCY NICHOLSON / REUTERS

Bei den Spielen 2020 in Tokio drohen Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. Szenen wie bei der Leichtathletik-WM soll es nicht mehr geben.

Tokio. Unter der Hitze zusammenbrechende Marathonläufer wie zuletzt bei der Leichtathletik-WM in Katar soll es bei den Olympischen Spielen im kommenden Jahr nicht geben. Das Internationale Olympische Komitee will die Wettbewerbe auf der längsten Laufstrecke und im Gehen von Tokio nach Sapporo verlegen, hieß es in einer Mitteilung am Mittwoch.

Dies würde bedeuten, dass die Athleten deutlich geringere Temperaturen auszuhalten hätten. IOC-Präsident Thomas Bach betonte, dass die Gesundheit und das Wohlergehen der Sportler im Mittelpunkt stünden: „Die neuen, weitreichenden Ankündigungen, den Marathon und die Rennen der Geher zu verlegen, zeigen, wie ernst wir die Sorgen nehmen.“

Im 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegenen Sapporo auf der Insel Hokkaido liegen die Tagestemperaturen im Hochsommer um fünf bis sechs Grad unter denen in Tokio, wo in der Zeit der Spiele (24. Juli bis 9. August) in der Regel Spitzenwerte von 35 Grad und mehr herrschen. Zudem ist die Luftfeuchtigkeit in der Ausrichterstadt der Winterspiele von 1972 deutlich geringer. Leichtathletik-Präsident Sebastian Coe teilte mit: „Wir werden mit dem IOC und dem Organisationskomitee bei der Verlegung der Straßenrennen nach Sapporo weiter zusammenarbeiten.“

Mehrere Maßnahmen gegen Hitze in Tokio getestet

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften zuletzt in Katar litten Marathonläufer und Geher unter den hohen Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit, obwohl ihre Wettbewerbe tief in der Nacht stattfanden. Fernsehbilder von Langstrecklern, die völlig entkräftet aufgaben, gingen um die Welt. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, findet es „ein ermutigendes Signal, dass das IOC die jüngsten Erkenntnisse der Leichtathletik-WM so schnell und konsequent aufgreift und im Sinne der Sportler entscheiden will“.

Die mögliche Verlegung der olympischen Straßenrennen steht im Mittelpunkt einer Sondersitzung vom 30. Oktober bis 1. November in Tokio. Das IOC wird das Thema mit der Gastgeberstadt Tokio, mit dem Leichtathletik-Weltverband, den Nationalen Olympischen Komitees und den Fernsehanstalten diskutieren.

Seit der Vergabe der Spiele in die japanische Hauptstadt 2013 haben sich IOC und Organisationskomitee mit dem Thema Hitze befasst. Während der Testwettkämpfe in den vergangenen Monate wurden viele Maßnahmen ausprobiert: mehr Schatten, Wassersprühanlagen, bessere Versorgungsmöglichkeiten mit Trinkwasser zum Beispiel. Die ersten Spiele von Tokio fanden 1964 bei herbstlichen Temperaturen statt, die zweite Auflage wurde aber in die heißeste Phase des Jahres gelegt.