Doping

Russland will Ersatz-Olympia für gesperrte Aktive ausrichten

Russlands Sportminister Pawel Kolobkow (l.) und ROC-Vizepräsident Stanislaw Pozdnjakow am Donnerstag bei der Pressekonferenz

Russlands Sportminister Pawel Kolobkow (l.) und ROC-Vizepräsident Stanislaw Pozdnjakow am Donnerstag bei der Pressekonferenz

Foto: Mikhail Japaridze / imago/ITAR-TASS

169 russische Athleten dürfen bei den Winterspielen unter neutraler Flagge starten. Ihre Zahl könnte noch steigen.

Moskau.  Russlands Nationales Olympisches Komitee (ROC) hat 169 Aktive seines Landes für die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) unter neutraler Flagge nominiert. Das teilte ROC-Vizepräsident Stanislaw Pozdnjakow am Donnerstag mit.

Seinen Angaben gemäß sei die Nominierung in Abstimmung mit russischen und internationalen Fachverbänden erfolgt. Wie viele Sportler in welchen Disziplinen in Südkorea nach Russlands Ausschluss von Olympia wegen systematischen Staatsdopings als „Olympische Athleten aus Russland“ an den Start gehen werden, war zunächst nicht bekannt.

Vor Wochenfrist war die Liste möglicher Olympia-Starter aus Russland laut einer Mitteilung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) noch von 500 auf 389 Aktive reduziert worden. Die Gesamtgröße der Olympia-Delegation aus Russland bezifferte Pozdnjakow auf 340 Personen.

Ersatzwettbewerbe für gesperrte Athleten

Am Donnerstag veröffentlichte das IOC zudem erstmals die lange Liste der Kriterien, die der Starterlaubnis für „saubere“ russische Athleten zu Grunde liegt. Neben Erkenntnissen aus den Berichten des Doping-Sonderermittlers Richard McLaren zum Staatsdoping rund um die Winterspiele 2014 sowie Informationen der Fachverbände werden unter anderem auch alle Doping-Auffälligkeiten betrachtet, welche die Sportler im Laufe ihrer Karriere aufwiesen.

Ob die Zahl russischer Sportler in Pyeongchang noch weiter anwächst, entscheidet sich in diesen Tagen vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS. Die seit Montag laufenden Berufungsverhandlungen von 39 wegen Dopings gesperrten Aktiven in Lausanne soll am Samstag geschlossen werden. Die Verkündung des Urteils stellte der CAS für den Zeitraum von Dienstag bis Freitag kommender Woche (30. Januar bis 2. Februar) in Aussicht.

Die nominierten Athleten können laut Russlands Sportminister Pawel Kolobkow nunmehr eigenständig über ihre Olympia-Teilnahme entscheiden. Für nicht zu den Olympia-Konkurrenzen zugelassene Athleten aus Russland und ausländische Aktive ohne Olympia-Nominierung will Russland Kolobkows Angaben zufolge während der Winterspiele Ersatzwettbewerbe organisieren.

Issinbajewa appelliert

Unterdessen hat die zweimalige Stabhochsprung-Olympiasiegerin Jelena Issinbajewa an ihre Landsleute appelliert, nicht mit den Sperren zahlreicher Spitzensportler für die Spiele zu hadern. Nötig sei Unterstützung für die Sportler, die in Südkorea antreten dürfen, schrieb die ehemalige Weltklasse-Leichtathletin auf Facebook. „Die Sanktionen sind hart und ungerecht gegen unser Land, gegen unsere sauberen Athleten, aber es bleibt uns nur, sie anzunehmen oder sie zivilisiert vor Gericht anzufechten.“

Issinbajewa hoffe, dass das IOC gut belegen könne, warum es bislang als dopingfrei geltende Sportler wie den Biathleten Anton Schipulin oder den Shorttracker Viktor Ahn nicht einlade.

Beim Auftritt der russischen Sportler unter neutraler Flagge gebe es nur eins: keine Schlupflöcher in den IOC-Auflagen zu suchen, sich nicht zu unbedachten Äußerungen hinreißen zu lassen. „Wir wollen uns zusammenreißen, die Zähne zusammenbeißen und diesen Test bestehen. Dann können wir uns bei der Schlussfeier am 25. Februar freuen, dass dieses Doping-Epos vorbei ist“, schrieb das IOC-Mitglied Issinbajewa.