Olympia 2016

Deutschlands Fußballer im Traumfinale gegen Brasilien

Hrubesch-Elf siegt 2:0 gegen Nigeria. Erfolg für 15-jährige Deutsche. Drama um Hockeydamen, Demo der Handballer. Zweimal Bronze.

Turmspringen: 15-jährige Deutsche im Halbfinale

Wassersprung-"Küken" Elena Wassen hat das Halbfinale vom Turm erreicht. Die erst 15 Jahre alte Berlinerin sprang im Vorkampf auf Platz 16 (291,90 Punkte). Synchron-Europameisterin Kurjo (26) schied dagegen als 21. (287,00 Punkte) aus. Das Halbfinale und der Endkampf finden am Donnerstag statt.

Die Turm-Männer kämpfen zum Abschluss der Wettkämpfe in der Freiluftanlage im Maria Lenk Aquatics Center ab Freitag um Medaillen. Der frühere WM-Dritte Sascha Klein (Dresden) und Ex-Europameister Martin Wolfram (Dresden) gehen mit Außenseiterchancen in den Wettkampf.

Ringen: Deutsche Damen ohne Medaille

Für die Ringerinnen Aline Focken (Krefeld) und Luisa Niemesch (Weingarten) ist der Traum von einer Medaille bei den Olympischen Spielen in Rio geplatzt. Focken verlor in der Klasse bis 69 kg ihren Viertelfinalkampf und verpasste die Hoffnungsrunde. Niemesch bekam in der Klasse bis 58 kg zwar eine zweite Chance, scheiterte aber dann gleich im ersten Kampf.

Focken verließ nach ihrer Niederlage im Viertelfinale gegen Anna Fransson aus Schweden wortlos die Carioca-Arena, galt sie doch im Vorfeld als Mitfavoritin auf Gold. Sportdirektor Jannis Zamanduridis vom Deutschen Ringer-Bund (DRB) hatte Verständnis für ihren Frust. "Die Schwedin war heute bärenstark", sagte Zamanduridis: "Das Endresultat spiegelt nicht die Leistung wider, die Aline gebracht hat."

Später äußerte sich Focken doch noch. "Es tut weh. Ich bin sehr traurig", meinte die 24-Jährige: "Meine Gegnerin war heute einfach zu stark. Es war ein Duell auf höchstem Niveau."

Auch Niemesch musste ihre Hoffnungen auf Edelmetall schnell begraben. Zwar erreichte die 20-Jährige aus Südbaden die Hoffnungsrunde, doch dort war sie gegen Orkhon Purewdorj chancenlos. Die Kämpferin aus der Mongolei schulterte Niemesch und gewann vorzeitig.

"Ich hatte keine leichten Aufgaben. Ich habe versucht, alles zu geben", sagte Niemesch, die nicht richtig zu ihrem Stil fand: "Schade, dass ich nicht zeigen konnte, was ich kann. Dazu hatten mich meine Gegnerinnen zu sehr unter Kontrolle."

So müssen die deutschen Ringerinnen weiter auf die erste Medaille bei Olympischen Spielen warten. Die Kampfsportart steht seit 2004 auch für Frauen im Programm. Am Donnerstag gehen für den DRB noch Nina Hemmer (53 kg/Ückerath) und Maria Selmaier (75kg/Jena) auf die Matte.

Fußball: Deutschland im Finale gegen Brasilien

Deutschlands Fußballer spielen wie die Frauen erstmals um Olympia-Gold. Der DFB-Nachwuchs erreichte in São Paulo dank eines 2:0 gegen Nigeria erstmals das Finale, in dem am Freitag in Rio Gastgeber Brasilien der Gegner ist.

Im Halbfinale brachte Lukas Klostermann die deutsche Mannschaft von Trainer Horst Hrubesch früh auf Kurs. Der Verteidiger von RB Leipzig traf in der 9. Minute nach Vorarbeit von Julian Brandt (Bayer Leverkusen) zur 1:0-Führung. In der 89. Minute machte Nils Petersen (SC Freiburg) den Sack nach Vorarbeit des Leipzigers Davie Selke zu.

"Jetzt haben wir Silber sicher. Was kann mir noch passieren?", sagte Hrubesch im Anschluss im ZDF. Besonders auf das Maracana, wo die A-Nationalmannschaft vor zwei Jahren den WM-Titel gewann, freut sich die HSV-Legende. "Das ist eine der tollsten Geschichten, die man erleben kann", so der 65-Jährige.

IOC: Hickey legt Ämter nieder

Aufgrund seiner Verhaftung am Mittwochmorgen und seiner gesundheitlichen Probleme hat der ranghohe IOC-Funktionär Patrick Hickey (Irland) seine Ämter bis zur Klärung des Falls vorübergehend niedergelegt. Da betreffe unter anderem das Amt des Präsidenten des Irischen Olympischen Komitees (OCI), das Amt des Präsidenten des Europäischen Olympischen Komitees (EOC) sowie seine IOC-Mitgliedschaft. Das teilte das OCI auf seiner Internetseite mit.

Der 71-Jährige Hickey war am Rande der Sommerspiele in Rio de Janeiro wegen des Verdachts auf Schwarzhandel mit Eintrittskarten und Bildung einer kriminellen Vereinigung verhaftet worden. Dies bestätigte die Polizei von Rio de Janeiro. Es sei ein Haft- und ein Durchsuchungsbefehl erlassen worden.

Irlands Sportminister Shane Ross reagierte "verstört" auf die Verhaftung Hickeys und verließ Rio umgehend in Richtung Dublin. "Mich betrübt, was passiert ist. Wir sind absolut entschlossen, eine Untersuchung vorzunehmen", sagte Ross: "In welcher Form, das weiß ich noch nicht. Die Dinge entwickeln sich gerade zu schnell, deshalb entscheiden wir das in den nächsten Tagen."

Handball: Deutschland im Halbfinale

Die deutschen Handballer greifen bei den Olympischen Spielen nach einer Medaille. Die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson besiegte Vize-Weltmeister Katar im Viertelfinale mit 34:22 (16:12) und zog damit erstmals seit 2004 ins olympische Halbfinale ein. Dort trifft der Europameister am Freitag auf Weltmeister Frankreich.

Beste Werfer im deutschen Team waren Kapitän Uwe Gensheimer, Fabian Wiede und Rechtsaußen Tobias Reichmann mit jeweils fünf Treffern. Nach der erfolgreichen Revanche für das gegen die Kataris verlorene WM-Viertelfinale (24:26) hat die Auswahl des Deutschen Handballbundes die erste Olympiamedaille seit Silber in Athen fest im Visier. Den einzigen deutschen Olympiasieg im Hallen-Handball errang die DDR bei den Sommerspielen 1980 in Moskau.

Halbfinal-Gegner Frankreich strebt in Rio nach den Olympiasiegen 2008 und 2012 den historischen Gold-Hattrick an. Im Viertelfinale schaltete das Team um Superstar Nikola Karabatic Gastgeber Brasilien mit 34:27 aus.

Tischtennis: Boll führt Deutschland zu Bronze

Die deutschen Tischtennis-Männer haben bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Bronzemedaille im Team-Wettbewerb gewonnen. Die Mannschaft um Fahnenträger Timo Boll gewann am Mittwoch im Spiel um Platz drei gegen Südkorea mit 3:1 und sicherte sich damit das dritte olympische Edelmetall im Team-Wettbewerb in Serie.

Bastian Steger (Bremen) hatte zum Auftakt trotz starker Leistung und drei Matchbällen gegen Südkoreas Spitzenspieler Jeoung Youngsik mit 2:3 verloren, Einzel-Europameister Dimitrij Ovtcharov (Hameln/Orenburg) mit einem hart erkämpften 3:2 gegen Joo Saehyuk für den Ausgleich gesorgt.

Im Doppel rangen dann der angeschlagene Boll (Düsseldorf) und Steger Jeoung/Lee Sangsu mit 3:2 nieder. Im vierten Spiel in Rio war es der erste Sieg für das deutsche Duo. Ein 3:0 von Boll, der nach einer Blockade im Nackenbereich zwischenzeitlich behandelt wurde, gegen Abwehrspieler Joo entschied schließlich die Partie.

Deutschland hatte sich mit zwei 3:1-Siegen über Taiwan und Europameister Österreich für das Halbfinale qualifiziert, dort aber gegen dem WM-Zweiten Japan mit 1:3 verloren. Damit enden die Wettbewerbe in Rio für den DTTB mit zwei Medaillen. Am Vortag hatte bereits die Frauen-Mannschaft nach einer klaren 0:3-Finalniederlage gegen China mit Silber ihr erstes olympisches Edelmetall gewonnen.

Beachvolleyball: Tipps für Ludwig/Walkenhorst

Jonas Reckermann weiß, wie Olympia-Gold geht. In Rio ist der Sieger von London 2012 wie sein damaliger Partner Julius Brink als TV-Experte dabei. Vor dem Finale von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gegen die Brasilianerinnen Agatha und Barbara in der Nacht zum Donnerstag (05.00 Uhr) sieht Reckermann die deutschen Beachvolleyball-Damen im Vorteil: „Wenn sie ihr Leistungsniveau abrufen können, entscheiden sie das Spiel für sich.“

Einen Tipp hat der Olympiasieger für die Hamburger Frauen: Auch gegen Brasilien und ein ganzes Land sollen sie „spielen wie immer“: Sie sollten „keine Mätzchen mit dem Publikum machen. Aber das ist bei ihnen eh nicht verankert“, sagte Reckermann auf der Facebook-Seite des Fanclubs der Volleyball-Nationalmannschaften. „Laura ist in der Form ihres Lebens und Kira agiert nach holpriger Vorrunde mittlerweile mit einer unfassbaren Selbstverständlichkeit bei ihren ersten Olympischen Spielen“, betonte Reckermann.

Fußball: Neymar schreibt olympische Geschichte

Superstar Neymar hat beim Halbfinale gegen Honduras das schnellste Tor in der olympischen Fußball-Geschichte geschossen. Nach 15 Sekunden nutzte Brasiliens Angreifer am Mittwoch im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro einen Patzer der gegnerischen Defensive zum 1:0. Das sei das schnellste Tor in der Olympia-Historie, schrieb der Fußball-Weltverband Fifa anschließend auf Twitter. Schon zur Halbzeit lagen die klar überlegenen Brasilianer gegen Honduras mit 3:0 vorne. Bei den Spielen in Rio könnte erstmals überhaupt eine brasilianische Fußball-Nationalmannschaft die Goldmedaille holen.

Hockey: Deutsche Damen verlieren dramatisch

Die deutschen Hockey-Frauen sind auf dem Weg zu ihrem zweiten Olympiasieg nach Athen 2004 denkbar knapp gescheitert. Die Mannschaft von Bundestrainer Jamilon Mülders verlor ihr Halbfinale gegen Topfavorit Niederlande trotz einer bärenstarken Vorstellung unglücklich mit 3:4 im Penalty-Shootout. Nach 60 Minuten hatte es 1:1 (1:1) gestanden.

Damit kämpfen Kapitänin Janne Müller-Wieland vom Uhlenorster HC und Co. am Freitag (12.00 Uhr OZ/17.00 Uhr MESZ) gegen Neuseeland oder Großbritannien nur noch um Bronze. Einen Tag nach dem Halbfinal-Aus der Männer ist damit auch die goldene Serie der deutschen Teams gerissen. Erstmals seit Sydney 2000 fährt der Deutsche Hockey-Bund (DHB) ohne Goldmedaille nach Hause.

Lisa Schütze brachte Deutschland im ersten Viertel nach einer Strafecke von Julia Müller per Abstauber in Führung (10.). Die Antwort der Niederlande ließ nicht lange auf sich warten: Maartje Paumen traf per kurzer Ecke zum Ausgleich (16.). Die herausragende Torfrau Kristina Reynolds aus Hamburg rettete ihre Mannschaft in den Shootout. Dort parierte Reynolds vier Schüsse, doch es reichte nicht zum Sieg.

"Heute ist der Tag, macht euch unüberwindbar", rief Müller-Wieland voller Entschlossenheit im Mannschaftskreis vor dem Anpfiff. Und Deutschland startete aggressiv in die Partie gegen die Olympiasieger von 2012. Vier Tage nach dem 0:2 im Gruppenspiel gegen Oranje, das der Favorit klar dominiert hatte, zeigte sich Mülders' Team viel selbstbewusster. Der starke Auftritt beim 2:1 im Viertelfinale gegen die USA hatte spürbar Auftrieb gegeben.

Ringen: Flocken verpasst Medaille

Freistilringerin Aline Focken ist ausgeschieden. Nach ihrer 1:9-Niederlage gegen die schwedische Weltmeisterin von 2012, Jenny Anna Fransson, verpasste ihre Bezwingerin danach das Finale. Dadurch darf die Weltmeisterin von 2014 und WM-Dritte aus Krefeld am Mittwochabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro nicht um den Einzug ins kleine Finale um Bronze der Kategorie bis 69 Kilogramm weiterkämpfen.

In der Hoffnungsrunde steht dagegen Luisa Niemesch aus Weingarten, die damit weiter auf Bronze hoffen kann. Die 20-Jährige verlor zwar ihren ersten Kampf gegen Waleria Koblowa Scholobowa, doch die Russin stieß ins Finale vor. Deshalb ist Niemesch in der Hoffnungsrunde dabei.

Springreiten: Deutsches Team holt Bronze

Der Traum vom ersten Olympiagold seit 16 Jahren blieb unerfüllt, dennoch haben die deutschen Springreiter in der Mannschafts-Entscheidung von Rio mit Bronze zum ersten Mal seit 2004 wieder eine Medaille gewonnen. Die Equipe mit Christian Ahlmann (Marl) mit Taloubet, Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) mit Fibonacci, Daniel Deußer (Wiesbaden) mit First Class und Ludger Beerbaum (Riesenbeck) mit Casello setzte sich im Stechen um den dritten Platz gegen Kanada durch.

Gold ging zum zweiten Mal nach 1976 in Montreal an Frankreich mit Philippe Rozier, Kevin Staut, Roger Yves Bost und Penelope Leprevost. Silber holten sich die USA. Es war die erste deutsche Team-Medaille seit Gold 2000 in Sydney. Deutschland holte zum insgesamt fünften Mal nach 1912, 1968, 1984 und 2004 Bronze.

Boxen: Verband reagiert auf Fehlurteile

Nach mehreren zweifelhaften Entscheidungen hat der olympische Box-Weltverband AIBA eine ungenannte Zahl an Ring- und Kampfrichtern von den Spielen von Rio de Janeiro zurückgezogen. „Weniger als eine Handvoll an Entscheidungen“ sei nicht auf dem erwarteten Niveau getroffen worden, teilte die AIBA am Mittwoch mit. Der Verband hatte die 239 Kämpfe überprüft, die bis Mittwochmorgen stattgefunden hatten. Die Ergebnisse der beanstandeten Duelle blieben jedoch gemäß der AIBA-Regeln bestehen.

Beachvolleyball: Top-Quote für Walkenhorst-Ludwig

Top-Quote für das Hamburger Beachvolleyball-Duo Laura Ludwig und Kira Walkenhorst: Den Halbfinalsieg der HSV-Spielerinnen gegen die Brasilianerinnen verfolgten in der ARD 8,52 Millionen Zuschauer (28,7 Prozent Marktanteil). Mit einem Tagesmarktanteil von 23,8 Prozent erzielte das "Erste" gleichzeitig den besten Wert für Übertragungen von den Olympischen Spielen, wie der NDR am Mittwoch mitteilte.

"Ein toller Erfolg der deutschen Beachvolleyball-Mannschaft und ein weiterer Beleg, dass die olympischen Sportarten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hervorragend aufgehoben sind", sagte ARD-Olympia-Teamchef Gerd Gottlob aus Hamburg.

Ein weiterer Publikumsmagnet war die Begegnung der deutschen Fußballerinnen gegen Kanada. Den 2:0-Erfolg und erstmaligen Einzug in ein olympisches Finale verfolgten 7,66 Millionen Zuschauer (30,5 Prozent). Den Olympia-Sieg von Turn-Star Fabian Hambüchen am Reck sahen zuvor 7,38 Millionen Zuschauer (25,9 Prozent).

IOC-Exekutivmitglied Hickey in Rio verhaftet

Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro werden von einem weiteren Skandal erschüttert: Der ranghohe IOC-Funktionär Patrick Hickey (Irland) ist am Rande der Spiele wegen des Verdachts auf Schwarzhandel mit Eintrittskarten und Bildung einer kriminellen Vereinigung verhaftet worden. Dies bestätigte die Polizei von Rio de Janeiro. Es sei ein Haft- und ein Durchsuchungsbefehl erlassen worden.

Der Zugriff soll Medienberichten zufolge am Mittwoch um kurz nach sechs Uhr morgens im IOC-Hotel Windsor Marapendi an der Atlantikküste im Stadtteil Barra erfolgt sein. Hickey (71) soll daraufhin über Unwohlsein geklagt haben und zunächst in ein Krankenhaus gebracht worden sein. Angeblich hat es zuvor einen Fluchtversuch gegeben.

Der Ire, Präsident des Europäischen Olympischen Komitees (EOC) und Mitglied der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees, gehört zum engsten Machtzirkel des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Das IOC kommentierte den Vorfall zunächst nicht. Das Irische Olympische Komitee, dessen Präsident Hickey ist, teilte mit, es wolle zunächst die Situation klären und sich bis dahin jedes Kommentars enthalten.

Boxer Conlan flippt aus: "Betrügerische Bastarde"

Dem irischen Boxer Michael Conlan ist nach seinem Aus bei den Olympischen Spielen vor laufender Kamera der Kragen geplatzt. "Sie sind Betrüger. Sie bezahlen jeden. Es ist mir scheißegal, dass ich im Fernsehen fluche", sagte der 24-Jährige und attackierte den Box-Weltverband AIBA. Conlan hatte im Viertelfinale der Klasse bis 56 kg einstimmig nach Punkten gegen den Russen Wladimir Nikitin verloren. Die Entscheidung brachte den Bronze-Gewinner von London 2012 auf die Palme.

Die Verantwortlichen seien "betrügerische Bastarde. Ich werde nie wieder unter der AIBA boxen. Es ist bekannt, dass sie Betrüger sind. Sie werden immer Betrüger sein. Das Amateurboxen stinkt vom Kern bis zur Spitze." Conlan zog nach dem Urteilsspruch sein Trikot aus, ließ die Muskeln spielen, streckte beide Mittelfinger aus und weigerte sich, den Ring zu verlassen.

"Ich war im ersten Gang und habe ihm die Ohren abgeboxt. Habt ihr sein Gesicht gesehen? Er hatte überall Cuts", sagte Conlan über seinen Gegner. Tatsächlich sah Nikitin schwer gezeichnet aus und blutete stark. Für Conlan war klar, wer für seine Niederlage verantwortlich ist: "Die Punktrichter sind korrupt. So einfach ist das."

"Etwa fünf Riesen": Hambüchen will sein Gold-Reck kaufen

Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen wird aus Rio de Janeiro ein ganz besonderes Souvenir mitbringen. "Ich bin mit meinem kanadischen Kumpel noch mal in die Halle gegangen, um das Reck zu fotografieren. Da kam mir der Gedanke: 'Hey Alter, das Ding musst Du kaufen!'", sagte Hambüchen der ARD und wiederholte es später im Deutschen Haus: "Es wäre ja blöd, wenn ich das Ding hier stehen lasse."

Diesem Plan sollte nichts im Wege stehen - der deutsche Hersteller Spieth will dem Olympiasieger das Turngerät zur Verfügung stellen. "Sie haben signalisiert, das müsste klargehen", sagte Hambüchen, der das mit den olympischen Ringen verzierte Reck in seiner Trainingshalle in Wetzlar aufstellen will: "Ich werde mein Autogramm drauf setzen, dann ist das ein Unikat."

Auch der Preis ist schon grob verhandelt. "Es wird so etwa fünf Riesen kosten, also noch überschaubar", berichtete Hambüchen. Dann muss er allerdings noch den Transport gewährleisten, wahrscheinlich per Schiff.

Am Dienstagabend hatte der 28-Jährige seine Karriere zum Abschluss mit der Goldmedaille gekrönt. Er erreichte 15,766 Punkte. Der Amerikaner Danell Leyvva (15,500) gewann Silber, Dritter wurde der Brite Nile Wilson (15,466).

Toter Kanu-Trainer: Henzes Organe retten vier Menschenleben

Der tödlich verunglückte deutsche Kanuslalom-Trainer Stefan Henze hat als Organspender mehrere Menschenleben gerettet. Vier Organe des am Montag an den Folgen eines Autounfalls gestorbenen Henze, darunter das Herz, wurden erfolgreich an schwerkranke Patienten transplantiert. Dies bestätigte die Gesundheitsbehörde des Bundeslandes Rio de Janeiro dem SID.

"Herz, Leber und beide Nieren wurden erfolgreich transplantiert. Damit hat er vier Menschenleben gerettet", sagte Sprecherin Roberta Napolis dem SID. Die Familie Henzes, die nach dem Unfall nach Rio gereist war, habe die Organentnahme genehmigt.

Phelps will "weltweit" Nichtschwimmern helfen

Rekord-Olympiasieger Michael Phelps will nach dem goldenen Ende seiner Karriere den Kampf für das Schwimmen fortsetzen. "Ich will den Schwimmsport weiterhin verändern, ich will weiterhin und intensiver Kindern helfen, schwimmen zu lernen", sagte der 23-malige Goldmedaillengewinner im Welt-Interview.

"Viel zu viele Kinder können nicht schwimmen, es gibt immer noch zu viele Todesfälle wegen Ertrinkens", betonte der 31-Jährige, der in Rio de Janeiro fünfmal Gold für die USA geholt hatte. "Ich habe einigen Tausend Kindern geholfen, aber das reicht mir nicht. Auf diesem Gebiet werde ich mich verstärkt einsetzen, weltweit."

Als Sportler wird er 2020 bei den Sommerspielen in Tokio nicht mehr antreten, allerdings kann er sich eine Rolle als TV-Experte vorstellen. "Ich habe immer noch viel Leidenschaft für diesen Sport, habe viel erlebt und durchgemacht. Kommentieren wäre eine Möglichkeit, ich hätte Spaß daran", sagte Phelps.

Tischtennis-Frauen holen Silbermedaille

Deutschlands Tischtennis-Frauen haben das Olympia-Finale im Teamwettbewerb gegen den Favoriten China verloren. Han Ying, Petrissa Solja und Shan Xiaona gelang gegen die an Nummer eins gesetzten Asiatinnen am Dienstag (Ortszeit) in Rio de Janeiro nicht die erhoffte Sensation. Sie unterlagen mit 0:3 und gewannen die Silbermedaille. Es ist das erste Edelmetall bei Olympia für die deutschen Tischtennis-Frauen überhaupt.

Die Auswahl von Bundestrainerin Jie Schöpp war gegen Weltmeister China chancenlos. Die Weltranglistensiebte Ying verlor gegen die Einzel-Olympiasiegerin von 2012, Li Xiaoxia, trotz großer Gegenwehr glatt in drei Sätzen. Auch Solja gelang gegen die Weltranglistenerste Liu Shiwen kein Satzgewinn. Im Doppel verloren Xiaona und Solja gegen Shiwen und die Weltmeisterin und Einzel-Olympiasiegerin von Rio, Ding Ning, schließlich auch die entscheidende dritte Partie.

Ludwig/Walkenhorst im Beach-Endspiel wieder gegen Brasilien

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst treten im Endspiel des olympischen Beachvolleyball-Turniers gegen die brasilianischen Weltmeisterinnen Agatha und Barbara an. Die Gastgeberinnen setzten sich in der Nacht zum Mittwoch im zweiten Halbfinalspiel der Frauen mit 2:0 (22:20, 21:18) gegen US-Legende Kerri Walsh Jennings mit ihrer Partnerin April Ross durch. Die 38 Jahre alte Walsh kann damit in Rio de Janeiro ihren bisher drei olympischen Goldmedaillen keine weitere hinzufügen.

Die Hamburgerinnen Ludwig/Walkenhorst hatten zuvor an der Copacabana die topgesetzten Brasilianerinnen Larissa und Talita klar mit 2:0 (21:18, 21:12) bezwungen und haben damit die erste Olympia-Medaille für ein deutsches Frauen-Beachteam schon gesichert. Das Finale wird in der Nacht zum Donnerstag (05.00 Uhr/MESZ) ausgetragen.

Wasserspringen: Hausding schreibt Geschichte

Wasserspringer Patrick Hausding hat bei Olympia in Rio de Janeiro Bronze gewonnen und damit Geschichte geschrieben. Der Rekord-Europameister aus Berlin musste sich im Flutlicht-Finale vom 3-m-Brett mit 498,90 Punkten lediglich dem chinesischen WM-Vierten Cao Yuan (547,60) und dem britischen WM-Dritten Jack Laugher (523,85) geschlagen geben. Hausding sorgte damit für die erste Medaille eines deutschen Wasserspringers in dieser Disziplin seit 104 Jahren. Der Leipziger Stephan Feck war im Halbfinale als 17. gescheitert.

Hausdings Bronze war das erste Edelmetall für den arg gebeutelten Deutschen Schwimm-Verband (DSV) bei den Spielen in Rio de Janeiro. Vor vier Jahren in London hatte es einmal Silber durch Freistilschwimmer Thomas Lurz gegeben.

Bahnrad: Vogel im Fotofinish ohne Sattel zu Gold

Kristina Vogel hat bei den olympischen Bahnrad-Wettbewerben in Rio de Janeiro Gold im Sprint gewonnen. Die Erfurterin bezwang am Dienstag im Finale die Britin Rebecca James - und kam im entscheidenden Rennen ohne Sattel ins Ziel. Er fiel in der letzten Kurve ab. In der Runde zuvor hatte sich Vogel in zwei Läufen klar gegen deren Teamkollegin Katy Marchant durchgesetzt.

Für Keirin-Weltmeisterin Vogel ist es die zweite Medaille in Rio, nachdem sie am Freitag zusammen mit Miriam Welte aus Kaiserslautern Bronze im Teamsprint gewonnen hatte. Im Keirin hatte sie Platz sechs belegt. Welte war im Sprint im Hoffnungslauf ausgeschieden und wurde Elfte.

Vogel war am Sonntag durchwachsen mit der sechstbesten Qualifikationszeit in den Wettbewerb gestartet, hatte sich dann aber von Lauf zu Lauf gesteigert. Im Viertelfinale ließ sie der starken Hongkong-Chinesin Lee Wai-Sze keine Chance. Ähnlich erging es dann Marchant.

Boxen: Hamburger Harutyunyan hat Bronze sicher

Halbweltergewichtler Artem Harutyunyan hat den deutschen Boxern in Rio de Janeiro doch noch eine olympische Medaille beschert. Der 26-Jährige aus Hamburg gewann das Viertelfinale in der Klasse bis 64 kg gegen Batuhan Gozgec (Türkei) einstimmig nach Punkten und hat vor der Vorschlussrunde am Freitag Edelmetall sicher.

Gegner des EM-Dritten Harutyunyan ist dort Lorenzo Sotomayor Collazo aus Aserbaidschan. Die Verlierer der Halbfinals bekommen beide Bronze. Als letzte deutsche Boxer waren Torsten May und Andreas Tews 1992 in Barcelona Olympiasieger geworden.

"Ich kann es gar nicht glauben. Mein Traum war es, überhaupt an Olympia teilzunehmen. Und jetzt habe ich eine Medaille gewonnen. Für mein Land und für meine Stadt Hamburg“, sagte der 26-Jährige.

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