Laufveranstaltung

Rekordansage zum Haspa-Marathon in Hamburg

| Lesedauer: 6 Minuten
Rainer Grünberg und Jan-Eric Kröger
Der Kenianer Abel Kirui (37) lief seine Bestzeit von 2:05:04 Stunden vor
zehn Jahren in Rotterdam.

Der Kenianer Abel Kirui (37) lief seine Bestzeit von 2:05:04 Stunden vor zehn Jahren in Rotterdam.

Foto: Getty Images

Der zweimalige Weltmeister Abel Kirui startet beim Hamburger Stadtlauf als Favorit auf die 42,195 Kilometer.

Hamburg. Ein bisschen schmunzeln musste Jurrie van der Velden dann schon, als Abel Kirui auf die Frage nach seinen Ambitionen beim 34. Haspa-Marathon nicht nur antwortete, dass er gewinnen wolle, was wohl alle in diesem Moment erwarteten, sondern dass er sich am Sonntag (Start: 9.30 Uhr/NDR live) auch zutraue, das Ziel unter 2:05 Stunden zu erreichen, eine Zeit, die in Hamburg noch niemand lief. „Das ist ganz schön mutig, aber bitteschön“, meinte van der Velden, der niederländische Laufmanager, der bereits im achten Jahr die Topläufer für den Stadtlauf an Elbe und Alster zusammenstellt.

Nun ist Kirui nicht irgendwer: Weltmeister 2009 in Berlin und 2011 im südkoreanischen Daegu, Olympiazweiter 2012 in London, 2016 Sieger des Chicago-Marathons. Von seinen bisherigen 22 Marathonläufen gewann er vier, kam zehnmal unter die ersten drei. Nur einmal stieg er aus. Eine imponierende Bilanz. Mit seiner Bestzeit von 2:05:04 Stunden (2009 in Rotterdam) erhält der 37-Jährige am Sonntag die Nummer eins im Starterfeld, obwohl der 28 Jahre alte Äthiopier Ayele Abshero eine 2:04:23 als persönlichen Rekord vorweist, gelaufen 2012 bei seinem Sieg auf der flachen Rennstrecke in Dubai.

Kirui ist bereit für eine gute Zeit

„Ich fühle mich gut in Form, habe ohne Krankheiten und Verletzungen mein Wintertraining überstanden. Ich bin bereit für eine gute Zeit“, sagte Kirui bei seiner Vorstellung in Hamburg. Beim Blick aus dem 26. Stock des Radisson Blu Hotels in den wolkenlosen Himmel am Dammtor-Bahnhof schränkte er jedoch ein, es dürfe in den nächsten Tagen gern etwas kühler werden.

Dem Mann kann geholfen werden. Am Sonntag sollen die Temperaturen am Morgen auf 13 bis 14 Grad Celsius fallen, „das wäre ideal. Und ein paar Wolken würden mir auch helfen.“ Den Hamburger Streckenrekord hält seit dem Jahr 2013 Kiruis Landsmann Eliud Kipchoge (34), der damals bei seinem Marathondebüt 2:05:30 Stunden lief, zum Star der Szene aufstieg, 2016 in Rio de Janeiro überlegen Olympiasieger wurde und im vergangenen September in Berlin mit 2:01:39 Stunden einen neuen Weltrekord aufstellte.

Erfahrene Spitzengruppe

Dass am Sonntag eine schnelle Zeit gelaufen werden kann, glaubt auch van der Velden. „Wir haben eine gute und vor allem erfahrene Spitzengruppe, alles Athleten die unter fast allen Bedingungen imstande sind, 2:07 Stunden zu laufen und nicht unruhig werden, falls eine geplante Zwischenzeit mal nicht eingehalten wird. Das ist eine hervorragende Basis. Je länger die erste Gruppe zusammenbleibt, sich gegenseitig beim Tempomachen unterstützt, desto besser kann am Ende das Ergebnis werden.“

Mit 15 Läufern, die mit einer Bestzeit unter 2:10 Stunden auf die Strecke gehen, war der Haspa-Marathon in der Breite der Spitze noch nie so stark besetzt wie diesmal, sagt Frank Thaleiser, der Geschäftsführer der Marathon Hamburg Veranstaltungs GmbH. Die besten sechs des Feldes liefen im vergangenen Jahr Zeiten zwischen 2:06:47 und 2:08:00 Stunden. Thaleiser: „Unser Männerfeld ist das bisher beste in der Geschichte des Hamburg-Marathons.“

Streckenführung geändert

Die Spitzengruppe soll in 63:00 Minuten die Hälfte der Distanz hinter sich lassen, darauf hat sich van der Velden mit den Athleten geeinigt und die Tempomacher („Hasen“) entsprechend gebrieft. In Hamburg, sagt er, werde der zweite Teil der Strecke meist schneller gelaufen, „auf dem ersten Teil entlang des Hafens und im Wallringtunnel, zwischen Kilometer zehn und 16, verlieren die Läufer auf diesem Abschnitt regelmäßig 20 bis 30 Sekunden.“ Das habe mit den dortigen Windverhältnissen zu tun.

Als Laufbeschleuniger kommt in diesem Jahr auf dem Rückweg zum Fernsehturm in der Karolinenstraße hinzu: Zwischen Kilometer 32 und 36 in Alsterdorf wurde die Streckenführung geändert, das Profil im Stadtteil Alsterdorf ist jetzt flacher. Neben Kirui und Abshero gelten der Kenianer Laban Korir (34/Bestzeit: 2:05:54 Stunden), London-Olympiasieger Stephen Kiprotich (30) aus Uganda (2:06:33) und der 22 Jahre alte Äthiopier Tadu Abate (2:06:47) als Favoriten auf die von 40.000 auf 25.000 Euro reduzierte Siegprämie.

Teilnehmerniveau des Vorjahres

Dafür gibt es einen Jackpot von jeweils 20.000 Euro, der bei den Männern unter allen denen aufgeteilt wird, die unter 2:07:30 und bei den Frauen und 2:24:30 Stunden bleiben. Kenias Halbmarathon-Weltrekordlerin Joyciline Jepkosgei (26), die in Hamburg ihr Marathondebüt geben wollte, sagte in dieser Woche wegen eines verletzungsbedingten Trainingsrückstandes allerdings ihren Start ab. Die Portugiesin Jéssica Augusto (37), Hamburg-Siegerin 2017, Bestzeit 2:24:25 Stunden, läuft deshalb mit der Nummer F1 durch die Stadt.

Dabei sind diesmal auch 15 Spitzenläufer und -läuferinnen aus Japan, die sich noch für die nationale Olympia-Ausscheidung im September für die Spiele 2020 in Tokio qualifizieren wollen. Das letzte Resultat, das in die Wertung kommt, muss spätestens an diesem Sonntag geliefert werden. Van der Velden stellt auch dieser Gruppe zwei Tempomacher an die Seite.

Die wichtigsten Sperrungen im Überblick

Mit 14.000 Anmeldungen liegt der 34. Haspa-Marathon auf dem Teilnehmerniveau des Vorjahres. Staffeln (6500 Läufer) und Halbmarathon (3434) waren wieder schnell ausverkauft, der Schülerlauf „Das Zehntel“ (Sonnabend, 8.30 bis 15 Uhr) über 4,2 Kilometer meldet einen neuen Rekord: 10.091 Starter. Damit ist es der größte Jugendlauf der Welt.

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