Handball

HSV Hamburg hilft Meister Flensburg mit einem Profi aus

Foto: Tay Duc Lam / WITTERS

Plötzlich Champions League: Ex-Nationalspieler Jens Schöngarth erfüllt sich einen Traum. Von der Leihe profitieren auch Hamburgs Fans.

Hamburg. Bei der zurückliegenden EM spielte der Handball Sport Verein Hamburg eigentlich keine Rolle. Die Hamburger Zweitligaprofis Aron Edvardsson (30/Island) und Mark van den Beucken (23/Niederlande/beide Tor) hatten es nicht ins finale Aufgebot ihrer Nationalmannschaften geschafft. Und dennoch holt die Europameisterschaft in Norwegen, Schweden und Österreich den HSVH jetzt ein.

Weil sich Norwegens Linkshänder Magnus Röd (22) von Bundesligist SG Flensburg-Handewitt in der EM-Hauptrunde einen Haarriss im rechten Fuß zugezogen hat und mehrere Wochen ausfällt, ist der amtierende deutsche Meister auf der Suche nach Ersatz in Hamburg fündig geworden. Der Erstligadritte leiht bis zum Saisonende den Rückraumrechten Jens Schöngarth (31) aus.

Der ehemalige deutsche Nationalspieler (18 Länderspiele) überzeugte die SG-Verantwortlichen um den früheren Hamburger Manager Dierk Schmäschke und Trainer Maik Machulla im Probetraining. Schöngarth könnte bereits an diesem Sonntag (13.30 Uhr/Sky) im Spitzenspiel gegen den SC Magdeburg sein Debüt in der Flensburger Campus-Halle geben.

Zwei Testspiele in den kommenden drei Jahren vereinbart

Der HSVH, der als Zweitliganeunter vor dem Rückrundenstart am Sonntag (17 Uhr/Sportdeutschland.tv) bei Bayer Dormagen steht, wollte seinem zu Saisonbeginn getätigten Königstransfer keine Steine in den Weg legen. Über die Wechselmodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. Dem Vernehmen nach kassieren die Hamburger keine Leihgebühr, sparen sich jedoch das Gehalt.

Zudem sind vertraglich in den kommenden drei Jahren zwei aus Hamburger Sicht lukrative Testspiele gegeneinander vereinbart worden. Auf möglichen Ersatz wird der HSVH verzichten, den Verlust mit dem vorhandenen Personal auffangen.

Schöngarth besitzt in Hamburg noch einen Vertrag bis Sommer 2021, soll nach Ablauf der Leihe zurückkehren. „Die Möglichkeit in Flensburg ist eine Riesenehre für mich. Hier kann ich mir nicht nur meinen Traum von der Champions League erfüllen, sondern kann von all den fertigen Stars und gestandenen Nationalspielern auch noch unheimlich viel lernen. Das werde ich dann im Sommer wieder mit nach Hamburg bringen“, erklärte der gebürtige Breisgauer und betonte: „Es ist ganz ausdrücklich kein Kapitelende in Hamburg.“

Rückraumduo mit Oldie Holger Glandorf

Der frühere Erstligaprofi in Melsungen, Lübbecke, Magdeburg und Göppingen (302 Spielen/752 Tore) konnte im Sommer 2019 nur dank eines sich im Rechtsstreit zerschlagenden Wechsels nach St. Gallen und mittels der Hilfe von Sponsoren relativ kurzfristig verpflichtet werden. Für den HSVH traf der 2,03 Meter große und 111 Kilo schwere Rückraumschütze in elf Spielen 33-mal, fiel wegen eines ausgekugelten Schultergelenks im November und Dezember jedoch auch eineinhalb Monate verletzt aus. Er blickt in Angriff und Abwehr auf eine Halbserie mit Licht und Schatten zurück.

In Flensburg wird Schöngarth, der mit Ehefrau Ina und Sohn Tom (1) weiter in Groß Borstel wohnen wird und pendelt, nahezu im Dreitagerhythmus spielen müssen. Für die Champions League, in der die Flensburger nach fünf Vorrundenniederlagen in Serie ums Weiterkommen kämpfen müssen, wird er nachgemeldet.

Er bildet ein Rückraumduo mit Oldie Holger Glandorf. Der 36-Jährige kommt wegen anhaltender Schulterprobleme im letzten Karrierejahr jedoch nur noch dosiert zum Einsatz.

HSVH-Sportchef Martin Schwalb lobt Kooperation der Nordclubs

„Die nächsten Wochen fordern uns enorm viel ab, daher war uns jemand wichtig, der die Mannschaft sofort unterstützen kann. Jens ist topfit und bringt die richtige Mentalität mit“, sagte SG-Geschäftsführer Schmäschke, der dem HSVH ausdrücklich dankte. „Für uns war sofort klar, dass wir helfen wollen, wenn es unsere Situation zulässt“, sagte Hamburgs Vizepräsident und Sportchef Martin Schwalb. Er freue sich, „dass wir als Zweitligist ein absolutes Topteam unterstützen können und wir norddeutschen Vereine so gut miteinander kooperieren.“

Während sich Flensburg bei zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer THW Kiel noch mit hohen Saisonzielen schmückt, hat der HSVH lediglich das Erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes ausgegeben. Aktuell sind es sieben Punkte Abstand auf einen Aufstiegsplatz, acht Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsrang.

Der gesicherte Mittelfeldplatz sollte auch ohne den erfahrenen Schöngarth erreicht werden. Einzig verbliebener Linkshänder im rechten Rückraum ist Jan Forstbauer (27). Er dürfte künftig von den Rechtshändern Dominik Axmann (20/wieder fit nach Fußbruch) und Leif Tissier (20) unterstützt werden. Sie waren bereits am Mittwochabend beim Testspiel gegen den THW Kiel in der Sporthalle Hamburg gefordert.