Handball

HSV-Schlussmann Edvardsson: „Mentalität im Tor ist alles“

Der 2,05 Meter große Island-Riese Aron Edvardsson hütet seit Sommer 2018 das Tor des Handball Sport Vereins Hamburg.

Der 2,05 Meter große Island-Riese Aron Edvardsson hütet seit Sommer 2018 das Tor des Handball Sport Vereins Hamburg.

Foto: Imago

Der 2,05-Meter-Riese will sich beim HSV Hamburg aus seinem Leistungsloch befreien. Dabei erhält er prominente Hilfe.

Hamburg.  Aron Edvardsson fallen die mitgebrachten Abendblatt-Artikel sofort ins Auge. „Das Foto ist alt“, sagt der Isländer über einen Bericht, der den Torhüter des Handball Sport Vereins Hamburg in emotionaler Jubelpose zeigt: hochgereckte Hände, ein zum Schrei weit aufgerissener Mund, böser Blick. Als der 30-Jährige den Artikel aufnimmt, kommt darunter der jüngste Bericht zum Vorschein. Dort sitzt Edvardsson verhakt im Tornetz, der Ball neben ihm. Die Schultern hängen, die Lippen zusammengepresst, er blickt ins Leere.

„Im Moment läuft es nicht ganz so gut“, räumt der 2,05 Meter große Schlussmann vor dem Zweitliga-Heimspiel an diesem Sonntag (17 Uhr, Sporthalle Hamburg) gegen die DJK Rimpar ein. Während die Mannschaft als Tabellensechster trotz der jüngsten beiden Auswärtsniederlagen nach zwölf Spieltagen zufrieden sein kann, waren Edvardsson, die Nummer eins, und seine Stellvertreter Mark van den Beucken (23) und Marcel Kokoszka (20) zuletzt kein Punkte bringender Faktor im Spiel. „Ich weiß, ich kann es besser, ich bleibe positiv“, sagt Edvardsson, der in der vergangenen Saison trotz Leidensgeschichte (Gehirnerschütterung, Blinddarm- und Knieoperation) ein Garant für den vorzeitigen Klassenerhalt des Aufsteigers war.

Torhüter kann ein Spiel allein entscheiden

In acht von zwölf Spielen verloren die Hamburger (13:11 Punkte) laut Statistikbogen den Torhütervergleich mit dem Gegner. Dreimal gewannen sie trotz geringerer Paraden das Spiel. Ebenso wie die Chancenverwertung im Angriff beklagte Trainer Torsten Jansen beim jüngsten 23:24 in Aue den nötigen Rückhalt im Tor. „Ein Torhüter kann ein Spiel allein entscheiden“, weiß auch Edvardsson, der den Löwenanteil der Spielzeit beim HSVH bekommt. Die Ligastatistik führt ihn mit 75 Paraden in elf Spielen (6,8 pro Spiel) auf Platz 14 aller Stammtorwarte. Mit der Quote von 25,51 Prozent gehaltener Würfe ist er Vorletzter.

„Ich muss nicht jeden Ball halten“, sagt der Nationalspieler, „ich bin erfahren genug, bleibe auch bei Gegentreffern ruhig und konzentriert.“ Er stelle sich einen Türrahmen um sich herum vor. Die Bälle, die in diesem Korridor mit bis zu 120 km/h einschlagen, die wolle er halten. „Bei Würfen in den Winkel kann man wenig ausrichten“, sagt Edvardsson reflektiert, der bei Paraden auf dem Feld richtig emotional werden kann. „Mentalität im Tor ist alles“, sagt er.

HSV-Idole Stojanovic und Svensson coachen Edvardsson

Ein Satz, der zu aktiven Zeiten auch von Hamburgs neuem Wieder-Torwarttrainer Goran Stojanovic hätte kommen können. Seit Saisonbeginn kümmert sich die 53 Jahre alte Vereinslegende, die frühere „Instinkt-Katze“ im Tor, zweimal in der Woche um die Belange der Schlussmänner. „Die Jungs trainieren hart, ziehen voll mit“, sagt der Deutsch-Serbe über sein Trio. „Sie haben alle ihren eigenen Stil und müssen alle anders angepackt werden.“ Mit dem jungen Niederländer van den Beucken und Eigengewächs Kokoszka ist die Arbeit grundlegender als mit Edvardsson. Bei ihm gelte es, Kleinigkeiten im Stellungsspiel und der Beweglichkeit zu verbessern.

„Mit Goran trainiere ich viel Beinarbeit. Er ist ein Verfechter von Zwischenschritten, um Bälle noch zu erreichen“, berichtet Edvardsson. Mit Stojanovic, der bis ins Alter von 41 Jahren von 2002 bis 2007 das Erstligator der HSV-Handballer hütete und anschließend bis 2011 als Co- und Torwarttrainer bei den Profis sowie als Coach des Nachwuchses im Verein wirkte, erstellen sie Wurfbilder der Gegner, besprechen die Partien nach. Stojanovic, der ebenfalls die Oberligamänner des AMTV Hamburg als Cheftrainer betreut, ist nicht bei jedem Auswärtsspiel dabei.

Keine Erklärungen für das Leistungsloch

Erklärungen für sein Leistungsloch hat Edvardsson nicht. Das operierte Knie ist vollständig wiederhergestellt. Seit September ist seine Freundin Heiddis aus Island zu ihm nach Hamburg gezogen. Das sei ihm für sein persönliches Umfeld sehr wichtig gewesen. Als er gegen Essen (28:35) erstmals von Beginn an auf der Bank saß, habe er die Aufstellung des Trainers als Motivationsspritze verstanden. „Ich muss wieder mehr Gas geben.“ Auch mit Blick auf die anstehende EM 2020 im Januar. Die WM in diesem Jahr hatte Edvardsson wegen der Nachwehen seiner Blinddarm-OP kurz vor Turnierbeginn verpasst. Seitdem gab es keine Einladung mehr zur isländischen Nationalmannschaft, wo Tomas Svensson (51) Torwarttrainer ist. Der Schwede spielte von 2002 bis 2005 gemeinsam mit Stojanovic beim HSV.

„So schließt sich der Kreis“, sagt Edvardsson, dessen Vertrag im Sommer 2020 ausläuft. Er wolle gerne in Hamburg bleiben. „Die nächsten drei, vier Jahre werden richtig spannend. Ich hoffe, ich kann hier der Aufstiegstorhüter in die Erste Liga werden“, sagt er und blickt wieder auf die Zeitungsartikel. „Dann gäbe es bessere Fotos von mir.“