Handball

HSV Hamburg verliert die weiße Weste und Tabellenführung

Auch Niklas Weller konnte die Pleite gegen Hamm nicht verhindern.

Auch Niklas Weller konnte die Pleite gegen Hamm nicht verhindern.

Foto: Witters

Jansen-Team unterliegt ASV Hamm-Westfalen im Spitzenspiel mit 26:32. Nach der ersten Saisonniederlage rutscht der HSVH ab.

Hamburg. Nach 40 Spielminuten ist es mucksmäuschenstill in der mit 2725 Zuschauern besetzten Sporthalle Hamburg. Da fasst einer den Entschluss zum Zwischenruf: „Wehrt euch mal!“, hallt es gut hörbar über die Tribünen hinweg. Zum wiederholten Mal hat der ASV Hamm-Westfalen ein leichtes Tor erzielen können. Zum wiederholten Mal war es derselbe Spieler, der neunfache Torschütze Sören Südmeier, der ungehindert zum Abschluss kam.

„Wir hatten heute große Probleme in der Abwehr. In den finalen Aktionen fehlte immer ein Schritt, war kein Kontakt zum Gegenspieler da“, analysierte Trainer Torsten Jansen die 26:32 (12:15)-Heimniederlage des Handball Sport Vereins Hamburg am Sonntagabend. Im Topspiel des Spieltags der Zweiten Liga verloren die Hamburger (3./6:2 Punkte) mit ihrer ersten Saisonpleite die Tabellenführung an den weiterhin ungeschlagenen Kontrahenten aus Hamm (1./7:1). „Heute gab es genügend Anschauungsmaterial, was wir besser machen können“, sagte Jansen, der das Team am Dienstag zur Aufarbeitung bittet, ehe die Vorbereitung auf den kommenden Gegner beginnt: Am Freitag (19.30 Uhr) geht es zum Erstliga-Absteiger und Ex-Meister VfL Gummersbach.

Niklas Weller war bester Hamburger Werfer

„Es war ein verdienter Sieg für Hamm“, lautete das ehrliche Fazit von Niklas Weller nach dem Spitzenspiel. Der Gegner habe souveräner agiert als Emporkömmling Hamburg, sagte der HSVH-Kapitän, der erneut mit neun Treffern, darunter sechs erfolgreiche Siebenmeterstrafwürfe, ohne Fehlversuch bester Hamburger Werfer war. Hinter dem Kreisläufer konnte von den übrigen Hamburgern niemand an seine an den ersten drei Spieltagen gezeigte Höchstform herankommen. „Die Deutlichkeit des Ergebnisses sollte man jetzt aber auch nicht überbewerten“, sagte Linksaußen Tobias Schimmelbauer, „wir geraten Mitte der ersten Halbzeit mit drei Toren in Rückstand und laufen diesem dann bis zum Schluss hinterher.“

Der 32-Jährige sorgte selbst mit dem ersten Hamburger Angriff des Spiels für ein erstes Raunen im Rund. Im Tempogegenstoß allein auf Hamms Schlussmann Felix Storbeck scheiterte er. Die dann doch noch erfolgte 1:0-Führung (3. Minute) von Thies Bergemann sollte aber die einzige für den HSVH im gesamten Spiel bleiben. Bis zur Halbzeitpause ist nur jeder zweite Angriff (zwölf von 24) erfolgreich. „Wir haben uns sehr schwer getan, mussten uns jedes Tor hart erarbeiten“, sagte Weller.

Im Angriff fehlten Zutrauen, Präzision und Ideen. Das von Philipp Bauer, Lukas Ossenkopp und Leif Tissier gern praktizierte Kreisspiel über Weller hatte Hamm unterbunden. Eine Alternative aus dem Rückraum hatten die Hamburger an diesem Tag nicht: Bauer (vier Fehlwürfe) fand in Schlussmann Storbeck seinen Meister, im rechten Rückraum traf Jens Schöngarth nur 37 Prozent seiner Würfe, auf Rückraumlinks verließ Lukas Ossenkopp nach einem Schlag auf die Rippen früh das Feld. Der wurfgewaltige Finn Wullenweber (Rücken) fällt weiter aus.

Hamm blieb im Gegensatz zu Hamburg cool

Über 5:8 (12.) und 19:24 (43.) setzte sich Hamm ab, „wir hatten immer eine Antwort parat“, sagte ASV-Trainer Kay Rothenpieler. In Halbzeit eins traf Außen Fabian Huesmann (elf Tore insgesamt) nach Belieben, in Halbzeit zwei Südmeier aus dem Rückraum. Torsten Jansen bot alle drei Torhüter im Kader auf, doch weder Stammkraft Aron Edvardsson, noch Mark van den Beucken und Marcel Kokoszka bekamen entscheidende Bälle zu halten. Als es beim 24:26 (49.) dennoch noch einmal enger wurde und die Zuschauer in der Halle wieder lautstark erwachten, blieb Hamm – im Gegensatz zu Hamburg – cool.

„Wir wollten beweisen, dass wir es besser können als gegen Konstanz“, sagte ASV-Coach Rothenpieler mit Blick auf das 23:23 in der Vorwoche stolz. „Das können wir jetzt auch“, entgegnete Jansen, der zumindest andeutete, dass die zuvor auch medial gern bemühte Rolle des gejagten Tabellenführers zu früh für sein Team kommt. „Nach Gummersbach fahren wir als klarer Außenseiter. Da können wir am Freitagabend das tun, was wir am besten können: ohne Druck Handball spielen.“