HSV Hamburg

26:26-Unentschieden: Fanfrieden im Handball bleibt gewahrt

Bianca Burwieck vom HSVH-Fanclub Störtebeker begrüßt Aues Fanbeauftragten Jörg Meinhardt an den Landungsbrücken.

Bianca Burwieck vom HSVH-Fanclub Störtebeker begrüßt Aues Fanbeauftragten Jörg Meinhardt an den Landungsbrücken.

Foto: Stürmer/Fanclub Störtebeker

HSV Hamburg hadert mit verlorenem Punkt im Zweitliga-Abstiegskampf gegen Aue. Auf dem Feld wird’s nickelig, daneben feucht-fröhlich.

Hamburg.  Bianca Burwieck lässt beim 20:18 Mitte der zweiten Halbzeit die Tröte kurz Tröte sein, sie um den Hals baumeln. Erstmals in diesem Spiel setzt sie sich hin, greift zum Smartphone und tickert den Spielstand in die Welt hinaus. „Das mache ich immer, wenn ich nervöser werde. Das lenkt ab“, sagt die 45-Jährige, die ihre Mitstreiter vom Hamburger Fanclub Störtebeker informiert, die am Sonntag nicht unter den 3433 Zuschauern in der Sporthalle Hamburg sein konnten. Das Zweitligaheimspiel des Handball Sport Vereins Hamburg gegen den EHV Aue droht zu kippen, zuungunsten der Hamburger. Das spürt auch Bianca Burwieck.

Als fünf Minuten vor Spielende erstmals nach dem 7:7 beim 24:24 der Ausgleich fällt, erhebt sich Jörg Meinhardt von seinem Sitz im Gästeblock am anderen Ende der Halle. Erst stehen die Auer, dann die ganze Halle. „Dran geglaubt habe ich nicht mehr, aber gehofft“, sagt der 56 Jahre alte Fanbeauftragte des EHV. Beim Siebenmeter von HSVH-Kapitän Lukas Ossenkopp 1:20 Minuten vor Ultimo hat Bianca Burwieck ihre Nerven wieder im Griff, schaut hin und jubelt.

Den erneuten Ausgleich per Kempa-Trick von außen zur Mitte hat Mutter Marion Burwieck (75) dagegen kommen sehen. Ihr Aufschrei bleibt ungehört; und weil Hamburgs bester Werfer, der Rückraumlinke Finn Wullenweber (acht Treffer), den letzten Wurf des Spiels daneben setzt, bleibt es beim 26:26 (15:11)- Unentschieden, dem ersten für den HSVH in dieser Saison.

„Das perfekte Ergebnis eines perfekten Wochenendes hier in Hamburg“, sagt Meinhardt. Bianca Burwieck pflichtet ihm bei: „Heute ist es ein Punkt für beide und am Saisonende schaffen beide den Klassenerhalt.“ Die junge Fanfreundschaft zwischen Hamburg und Sachsen bleibt gewahrt.

Ballverluste schlichen sich ein

Sportlich war der HSVH der gefühlte Verlierer. Nie in Rückstand führte das Team zeitweise mit fünf Toren (17:12/33.). Aues Umstellung von einer defensiven 6:0- auf eine offensivere 5:1-Abwehr, die vor allem Wullenweber aus dem Spiel nahm, habe seine Mannschaft aus dem Konzept gebracht, analysierte Trainer Torsten Jansen. Im Angriff schlichen sich unter Druck Ballverluste ein, die Abwehr wurde zunehmend müder, auch gedanklich. Binnen weniger Minuten wurde aus einem guten Hamburger Spiel ein mittelmäßiges. Der für den glücklosen Aron Edvardsson eingewechselte Torwart Marcel Kokoszka sorgte mit seinen Paraden dafür, dass es nicht früher noch enger wurde.

„Das haben die Jungs selbst aus der Hand gegeben“, urteilt Bianca Burwieck. „Das ist unsere Mentalität“, bilanziert Jörg Meinhardt, dessen Sohn Eric (33) mit neun Toren treffsicherster Spieler beim EHV ist. Tabellarisch ist der verlorene Punkt für den seit drei Spielen ungeschlagenen HSVH ein gewonnener. Auf den Plätzen zwölf und 13 führen Hamburg und Aue die Riege der verbliebenen acht Vereine im Abstiegskampf mit vier statt drei Zählern Vorsprung an.

Handball verbindet die Fans

„Das ist doch ein Grund zu feiern“, sagt Burwieck und macht sich „mit dem harten Kern“ der seit 2003 bestehenden „Störtis“ auf den Weg zur Fanparty auf die Reeperbahn. Denn was am Sonnabend mit einer gemeinsamen Hafenrundfahrt auf der MS „Commodore“ begann, endet am Sonntagabend im Hamborger Veermaster. Drei Tage verbrachten rund 200 Auer in der Hansestadt.

„Die Resonanz auf unsere Fahrt war überwältigend“, sagt Meinhardt. Die Hamburger um Bianca Burwieck halfen bei der Organisation, luden zur heiteren Barkassenfahrt ein. „Handball verbindet“ ist vor Spielbeginn auf einem Plakat im Auer Block zu lesen. Eine Wiederholung ist schon verabredet. „Bei Klassenerhalt“, sagt der Erzgebirgler Meinhardt und verabschiedet sich: „Glück auf!“