Handball

Edvardsson-Ersatz: Respekt ja, Angst „keinesfalls“

Marcel Kokoszka (19) hielt vergangene
Saison noch bei den A-Junioren.

Marcel Kokoszka (19) hielt vergangene Saison noch bei den A-Junioren.

Foto: Witters

Torhüter Marcel Kokoszka spielt bei Hamburgs Handballern für den verletzten Isländer Aron Edvardsson.

Hamburg.  Marcel Kokoszka ist viel beschäftigt. Die Bälle fliegen ihm um die Ohren, Wurf für Wurf. „Wir trainieren im Moment nur auf ein Tor“, berichtet der Schlussmann vom Handball Sport Verein Hamburg. Für den 19-Jährigen sind die Übungseinheiten in dieser Woche das Vorspiel vor dem, was ihn am Sonntag (15 Uhr/Sportdeutschland.tv) im Heimduell mit Zweitliga-Mitaufsteiger Bayer Dormagen erwartet. Nach dem prominenten Ausfall von Aron Edvardsson (29/Blinddarmoperation) und dem erst langsam zurückkehrenden Jus­tin Rundt (23/Knie) ist Kokoszka der letzte fitte Torhüter der Hamburger.

„Natürlich trauen wir ihm das zu. Das hat er bei seinen Kurzeinsätzen nicht zuletzt in Wilhelmshaven bewiesen“, sagt Trainer Torsten Jansen vor Kokoszkas bisher größter Bewährungsprobe. 60 Minuten wird der Junioren­nationalspieler gegen Dormagen gefordert sein. 15 Minuten gegen Ferndorf (22:26) waren bislang seine längste Strecke auf der Platte. Als Edvardsson zu Saisonbeginn mit Gehirnerschütterung ausfiel, setzte Jansen – außer im Pokal gegen Minden (24:37) – zunächst auf Rundt. Als diesen erneut Knieprobleme plagten, gab Kokoszka in Wilhelmshaven (33:28) den Siebenmetertöter, parierte zweimal und avancierte zum Mit-Matchwinner.

Comeback in der U-21-Nationalmannschaft

Er habe Respekt vor der Aufgabe, aber „keinesfalls Angst“, sagt Kokoszka, der erstmals von Beginn an in der Sporthalle Hamburg auflaufen wird. Noch sei er nicht nervös, er müsse eher aufpassen, nicht übermotiviert ins Spiel zu gehen. „Dazu neige ich“, sagt der 1,97 Meter große Schlaks. Denn wie alle Torhüter sei er „auf gewisse Art und Weise verrückt“. Dann will er zu viel, setzt sich unter Druck. „In der Beziehung kann ich von Aron lernen“, sagt Kokoszka. Isländer Edvardsson ist die Ruhe in Person. Jansen erlebt seinen Schützling derzeit „mental geerdet“.

Das liegt auch an Kokoszkas Comeback in der U-21-Nationalmannschaft. Nach einer Hüftoperation hatte der Rahlstedter die EM seines Jahrgangs im Sommer verpasst. Jetzt absolvierte der Psychologiestudent den einwöchigen Lehrgang bei Auswahl­coach Andre Haber. „Vielleicht hilft ihm am Sonntag, dass er die Wurfvarianten von zwei Gegenspielern kennt“, verweist Jansen darauf, dass auch die Dormagener Lukas Stutzke und Eloy Maldonado zum U-21-Kader zählen. Die Finten von Tim Wieling, dem zweitbesten Ligatorschützen, hat Kokoszka im Video studiert. Wie gesagt: Über mangelnde Beschäftigung kann sich die neue Nummer eins nicht beschweren.