Sieben Neue auf einen Streich

Die HSV-Handballer haben die Vorbereitung auf die neue Saison aufgenommen. Das Auftaktprogramm des Champions-League-Siegers hat es in sich

Hamburg. Wenn Umbruch so oder ähnlich aussieht, dürfen die HSV-Handballer optimistisch in die nächste Saison blicken. Kamen vor einem Jahr gerade sechs Profis und keine Zuschauer zum Trainingsauftakt in die Jahnkampfbahn, stellte sich diesmal fast der gesamte Kader des Champions-League-Siegers in der Volksbank-Arena vor. Mit 18 Profis ist er der größte in der elfjährigen Geschichte der Clubs. Allein der rekonvaleszente Oscar Carlén, 25, beschäftigte Physiotherapeutin Jenny Köster während der ersten lockeren wie launigen Übungseinheit. Der dritte Torhüter Max-Henri Herrmann, 19, fehlte, weil er sich mit Frankreich auf die U21-WM vorbereitet. 180 Dauerkartenbesitzer waren zur Präsentation der neuen Mannschaft geladen. Am Sonntag startet das Team nach Sölden (Österreich) in ein achttägiges Trainingslager.

Sieben neue Spieler gilt es zu integrieren. Fünf Wochen bleiben dafür Zeit, denn gleich zu Beginn der Serie stehen richtungweisende Entscheidungen an. Am 21. und 23. August müssen sich die Hamburger gegen den Bundesligakonkurrenten Füchse Berlin für die Champions League qualifizieren. Selbst der Rückzug des spanischen Vizemeisters Atlético Madrid ließ den Europäischen Handballverband EHF nicht von diesem Ausscheidungsspiel abrücken.

Der HSV hatte sich als Titelverteidiger eine Wildcard gewünscht. Die EHF wollte jedoch keine fünf deutschen Teams in der Champions League. Stattdessen lässt sie Ende August Montpellier (Frankreich) gegen Plock (Polen) und Skopje (Mazedonien) gegen Szeged (Ungarn) um die restlichen zwei freien Plätze in der Königsklasse spielen. Die Woche danach kämpft der HSV in Doha (Katar) um die Vereinsweltmeisterschaft und 310.000 Euro Siegprämie, am 7. September folgt der verspätete Start in die Bundesliga. Auftaktgegner in der O2 World ist der deutsche Meister THW Kiel. „Das ist ein hammerhartes Programm“, sagt Kapitän Pascal Hens, 33, „aber erstens haben wir keine Wahl, und zweitens werden wir gut vorbereitet in diese Spiele gehen.“

Vor dem Abflug nach Tirol will der HSV eine letzte Personalie klären. Der spanische Weltmeister Joan Cañellas, 26, soll nach der Pleite von Atlético Madrid seinen Dienst in Hamburg schon ein Jahr früher als geplant antreten. Geschäftsführer Christoph Wendt, 38, der fließend Spanisch spricht, führt die Verhandlungen. Der HSV will, Cañellas will, „aber wir müssen ihn auch bezahlen können“, sagt Wendt. Bis zum Freitagabend soll es eine Lösung geben. Atlético-Trainer Talant Dujshebaev rät seinem ehemaligen Spieler, „den Schritt nach Hamburg sofort zu gehen“. Dujshebaev selbst plant eine Auszeit. „Vielleicht schreibe ich erst mal ein Buch“, sagte er dem Abendblatt.

Der sofortige Wechsel Cañellas’ wäre im Sinne Martin Schwalbs. Dass der Kader zu groß werden könnte, fürchtet der Trainer nicht: „Im vergangenen Jahr war er definitiv zu klein. Da haben wir unsere Verletzten nicht gleichwertig ersetzen können.“ Zudem seien viele junge Spieler dabei, die sich noch entwickeln müssen.

Zusammenzuführen, was zusammengehört, sei nun die dringlichste Aufgabe. Sieben Neue auf einen Streich stellen auch für Schwalb ein Novum dar. Anpassungsprobleme befürchtet Neuzugang Davor Dominikovic, 35, nicht. „Als ich 2004 zum FC Barcelona ging, war ich einer von gleich acht neuen Spielern. Und in der Saison sind wir Champions-League-Sieger geworden.“ Der Vorteil für den HSV: Abwehrkante Dominikovic, Torhüter Marcus Cleverly, 31, der Halbrechte Adrian Pfahl, 31, der Halblinke Petar Djordjic, 22, Kreisläufer Henrik Toft Hansen, 27, Spielmacher Kentin Mahé, 22, und HSV-Eigengewächs Kevin Herbst, 19, sprechen trotz unterschiedlicher Herkunft alle Deutsch. Das erleichtert die Kommunikation. „Es sind alle guten Jungs“, sagt Schwalb, „und genau aus diesem Grund sind sie bei uns.“

Für einen, der den HSV Handball in einem Jahr verlassen wird, war es das erste Treffen mit seinen Kollegen nach seinem Entschluss, 2014 beim THW Kiel anzuheuern. Domagoj Duvnjak, 25, wirkte reservierter, ernster als sonst. An diesem Abend lachte er das erste Mal, als ihm im abschließenden Trainingsspiel ein Trickwurf gelang. „Ich werde mich auch in dieser Saison voll reinhängen. Ich will mit dieser Mannschaft noch so viele Titel wie möglich holen“, sagte der Kroate. Zweifel, dass er seine Leistung in seiner letzten Spielzeit für den HSV bringen wird, plagen Schwalb nicht. „Dule ist ein guter Junge. Er hat einen einwandfreien Charakter. Es hat mir jedoch das Herz zerrissen, als ich erfuhr, dass er uns verlässt.“

Jammern aber gilt nicht. „Wir sind der HSV Handball“, sagt Schwalb. Das ist die Botschaft. Das Wir ist stärker als das Ich. Das ist die Einstellung von Champions.