Basketball

Die Hamburg Towers planen für die Bundesliga

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Alexander Berthold und Rainer Grünberg
Der Venezolaner Michael Carrera (27) ist eine von vier Nachverpflichtungen der Towers in dieser Saison. Er steigerte sich zuletzt von Spiel zu Spiel.

Der Venezolaner Michael Carrera (27) ist eine von vier Nachverpflichtungen der Towers in dieser Saison. Er steigerte sich zuletzt von Spiel zu Spiel.

Foto: Witters

Der Club hat den Lizenzantrag für Liga eins eingereicht. Sponsoren halten den Basketballern trotz Corona die Treue.

Hamburg. Auch an den Osterfeiertagen hielten sich die entspannten Momente für die Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby und Jan Fischer in Grenzen. Die umfangreichen Lizenzanträge für die Basketball-Bundesliga (BBL) und die 2. Bundesliga ProA mussten fertiggestellt und vom Steuerberater geprüft werden, um sie am Dienstagabend in die beiden Ligazentralen mailen zu können. Am heutigen Mittwoch sollten sie in Köln vorliegen, auch der Kooperationsvertrag mit dem SC Rist Wedel aus der drittklassigen 2. Bundesliga ProB Nord.

Die sonst zu diesem Zeitpunkt schon erforderlichen Nachweise über Sponsorenvereinbarungen können in diesem Jahr von allen Clubs nachgereicht werden. Ob die BBL ihre Lizenzbedingungen der aktuell wirtschaftlich schwierigen Situation in der Coronakrise anpasst, nicht auf einem Mindestetat von drei Millionen Euro und einem Eigenkapital von 250.000 Euro besteht, ist noch nicht beschlossen.

Hamburg Towers blieben bei Saisonabbruch wegen Corona erstklassig

Als Tabellenletzter der BBL müssen die Towers für beide Spielklassen planen. Während die ProA-Saison bereits vorzeitig beendet ist, behalten sich die 17 Erstligaclubs eine Fortsetzung des Spielbetriebs offen. Eine Entscheidung darüber soll spätestens am 30. April fallen. Zwölf Spieltage stehen aus, die Towers hätten dabei siebenmal Heimrecht. Sollte es in der BBL zum Saisonabbruch kommen, der weiter wahrscheinlich ist, dürften die Hamburger in der Klasse bleiben. Mit einem Etat von rund fünf Millionen Euro, ähnlich hoch wie in diesem Jahr, wollen die Towers auch die nächste, ihre zweite Spielzeit in der höchsten Klasse bestreiten. Sollten sie absteigen, was eine – wohl theoretische – Option bleibt, würden sie mit einem Budget von etwa 3,3 Millionen Euro um den Wiederaufstieg werfen.

Christopher Pieper ist in diesen Wochen mit der wichtigste Mann bei den Towers. Er kümmert sich um die Vermarktung des Vereins. Und so langsam zehrt die Coronakrise auch körperlich an ihm. „Mein Büro ist derzeit an meinem Esstisch, mein Rücken wird von einem alten Küchenstuhl gequält, und ich brauche dringend einen Haarschnitt“, scherzt der 46-Jährige, der aus seinem Homeoffice in Schnelsen die Kontakte zu den Partnern des Clubs hält. Dass Pieper seine gute Laune nicht verloren hat, liegt nicht nur an seiner optimistischen Lebenseinstellung, auch daran, dass sich die Sponsorensituation der Towers trotz der Coronapandemie überaus positiv darstellt.

Towers-Hauptsponsor sichert Verbleib bis 2022 zu

Lediglich ein Partner, der einen knapp fünfstelligen Betrag zahlt, hat die Kündigungsfrist zum 31. März wahrgenommen. Aber 60 Prozent der Sponsorenverträge laufen Ende Juni aus. „Das war im Vorjahr ähnlich. Was mich positiv stimmt, ist, dass wir nur eine vorsorglich coronabedingte Kündigung erhalten haben. Am Ende wird viel von jedem einzelnen Ticketinhaber abhängen, wie wir zurechtkommen“, sagt Pieper, der mit der Agentur „More than Sports“ nach dem Ausstieg des ehemaligen Vermarkters Ufa Sports im Jahr 2015 allein für das Sponsoring zuständig ist. In keinem anderen Bereich haben die Towers derartige Entwicklungssprünge gemacht. In dieser Saison generierten die Wilhelmsburger Einnahmen im Wert von 2,5 Millionen Euro, so viele wie noch nie in der nun sechsjährigen Clubgeschichte. Nicht eingerechnet sind dabei die Investitionen der Firmen des Towers-Hauptgesellschafters Tomislav Karajica, eines Immobilien- und Projektentwicklers.

Mit Hauptsponsor VTG, der pro Saison etwas mehr als eine halbe Million Euro zahlt, hat der größte Partner bereits seinen Verbleib bis Mitte 2022 zugesichert. „Selbstverständlich hat die momentane Situation keinerlei Einfluss auf unser Engagement. Wir teilen die Werte, für die der Verein steht: Teamplay, Durchhaltevermögen, Integration. Dies gilt umso mehr in diesen schwierigen Zeiten, in denen uns als Förderer eine besondere Verantwortung zukommt. Wir hoffen, dass nahezu alle Partner genauso denken“, sagt Heiko Fischer, Geschäftsführer des Eisenbahn-Logistik- und Waggonvermietungsunternehmens mit Sitz in Hamburg.

Sponsoren fragen nach Kompensationen

Fünf Unternehmen (Suzuki, Medienpartner Hamburg 1, Exporo, Magna und Veolia) engagieren sich im unteren sechsstelligen Bereich, zum Teil mit Barter-Geschäften (Tauschhandel). „Viele Sponsoren haben einen emotionalen Bezug zum Basketball, unterstützen uns auch bei unseren sozialen Projekten. Zudem sind viele regionale Partner dabei. Da habe ich den direkten Kontakt zu den Geschäftsführern. Das hilft“, sagt Pieper.

Diese Kontakte werden wichtig, sollte die BBL entscheiden, die Spielzeit 2019/2020 vorzeitig zu beenden. „Natürlich haben einige Sponsoren schon vorgefühlt, ob wir Kompensationen anbieten könnten. Und unsere Antwort ist: Ja! Aber das würde die dennoch schwierige Situation in die kommende Saison verlagern“, sagt der Marketingexperte, der mit den Geschäftsführern Fischer und Willoughby derzeit Kontakt zu den Towers-Anwälten hält, um für das Worst-Case-Szenario abgesichert zu sein. Auf eine Coronaklausel wollen die Towers in ihren Sponsorenverträgen trotzdem verzichten. „Wir werden maximal kulant sein, hoffen aber, dass es gar nicht erst so weit kommt“, sagt Pieper, der sich derzeit ausschließlich um die Bestandskunden kümmert.

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Neue Sponsorenverträge erst später im Jahr

Im Mai beginnt normalerweise die heiße Phase der Vertragsunterschriften, in diesem Jahr wird es später. „Die Unternehmen müssen jetzt erst mal auf sich selbst schauen. Da muss man Feingefühl zeigen, sonst können Türen für mögliche Engagements schnell zu sein“, sagt Pieper.

Informationen zum Coronavirus:

Die Towers haben deshalb auch beschlossen, die Preise für Sponsorenpakete für Bestands- und Neukunden nicht zu verändern. „Wir würden uns andernfalls selbst ins Knie schießen“, sagt Pieper. Er bleibt optimistisch, dass der Verein die Coronakrise „mit maximal zwei blauen Augen und ohne gebrochene Nase“ durchsteht. Alle Anzeichen sprechen im Moment dafür.