Basketball

Wie Towers-Trainer Taylor seine beiden Jobs meistert

Ein Trainer, zwei Mannschaften: Stolz posiert Mike Taylor (M.) mit den Hamburg Towers und der polnischen Nationalmannschaft in Wilhelmsburg.

Ein Trainer, zwei Mannschaften: Stolz posiert Mike Taylor (M.) mit den Hamburg Towers und der polnischen Nationalmannschaft in Wilhelmsburg.

Foto: Dennis Fischer / Basketball

Mike Taylor,Trainer der Hamburg Towers und der polnischen Nationalmannschaft, testet beim Basketball-Supercup für die WM in China.

Hamburg. Mike Taylor hatte sich am Freitagmorgen in Schale geworfen. Schwarze Shorts mit dem Logo der Hamburg Towers, dazu ein knallrotes Shirt, geziert vom Emblem des polnischen Basketballverbands. Fertig machen für ein Mannschaftsfoto der besonderen Art. Gemeinsam posierten die Wilhelmsburger Basketballer mit den Spielern der polnischen Nationalmannschaft, die am Freitagabend in der edel-optics.de-Arena gegen Tschechien mit einer 86:96-Niederlage in den Supercup startete. „Es ist für mich eine Art Familienzusammenführung. Es ist schön zu sehen, wie beide Teams miteinander interagiert haben. Die Spieler haben sich ausgetauscht, die Coaches auch. Das liebe ich“, freute sich der 46 Jahre alte US-Amerikaner, der beide Teams betreut.

Am Donnerstagabend hatte Taylor seinen ersten Erfolg in der neuen Saison gefeiert – mit den Towers. Bei Kooperationspartner SC Rist Wedel (2. Bundesliga Nord ProB) siegte der körperlich klar überlegene Bundesliga-Aufsteiger mit 94:53 (45:27). Trainer der Wedeler ist Taylors Assistent Benka Barloschky (31).

Ein Blick in die von Ringen gezierten Augen des Basketballtrainers genügte aber, um zu erahnen, dass er in diesen Tagen wenig Schlaf bekommt. Häufig beginnt der Tag des Workaholics um sechs Uhr morgens, ehe er gegen halb zwei in der Nacht endet. „Aber ich will mich nicht beschweren. Ich liebe meine Jobs. Sowohl bei den Polen als auch bei den Towers habe ich Menschen um mich herum, die mich wunderbar unterstützen. Anders wäre es gar nicht möglich, alles unter einen Hut zu bekommen. Normalerweise heißt es entweder Towers oder Polen. Jetzt kommt eben beides zusammen“, sagt Taylor. „Es ist ein Privileg, zwei großartige Teams wie die Towers und Polen trainieren zu dürfen.“

Große Erwartungshaltung an Taylor

Am Wochenende sind Taylors Multitaskingfähigkeiten besonders gefragt. Sonnabend gegen Ungarn und am Sonntag gegen Deutschland stehen mit der polnischen Nationalmannschaft zwei weitere Härtetest vor der am 31. August beginnenden Weltmeisterschaft in China auf dem Programm. In Polen ist die Euphorie nach der ersten WM-Qualifikation nach 52 Jahren riesig, das Medieninteresse „gigantisch“ (Taylor). Unlängst wurde sogar ein Buch über die Erfolgsgeschichte veröffentlicht.

Die Erwartungshaltung im Nachbarland ist entsprechend groß. Die Gruppenphase mit der Elfenbeinküste, Venezuela und Gastgeber China als Gegner sollten die Polen halbwegs problemlos überstehen. „Wie weit es uns dann letztlich treibt, werden wir sehen. Ich hoffe, wir werden in China einen Lauf bekommen“, sagt Taylor.

Große Hoffnungen ruhen dabei auf Aleksander Balcerowski. Für das 18 Jahre alte Toptalent, das derzeit auf Gran Canaria spielt, ist der Supercup in Hamburg ein besonderes Turnier. Vater Marcin (42) gehört zum Rollstuhlbasketballteam der BG Baskets. „Ich traue ihm eine Karriere zu, wie sie ein Dirk Nowitzki hatte. Er ist groß, beweglich und hat einen exzellenten Wurf. Die Fans sollten in den kommenden Tagen auf den Jungen achten“, sagt Taylor, der seit fünf Jahren Nationaltrainer Polens ist.

Taylor erhält Videos vom Towers-Training

Ähnlich euphorisch schätzt der Coach auch seine neue Mannschaft bei den Towers ein. Trotz der Tatsache, dass unter den sieben Neuzugängen keine großen Namen waren, glaubt Taylor daran, in der Premierensaison in der Bundesliga ein Wörtchen um die Play-offs mitreden zu können. „Bei der Kaderzusammenstellung ist es eine Kunst, Spieler zu finden, die noch weitgehend unbekannt sind, die aber das Potenzial haben, sich in einer Topliga wie der BBL zu etablieren. Fertige Spieler zu verpflichten ist einfach. Ich bin sehr glücklich, wie wir aufgestellt sind“, sagt der Towers-Trainer, der Alba Berlin als Vorbild für die Wilhelmsburger sieht.

Und weiter: „Sie haben sich über Jahre in einer Großstadt eta­bliert. Wenn wir in diese Richtung gehen können, wäre es super“, erklärt der Coach, der wegen der WM einen Großteil der Vorbereitung bei den Towers verpassen wird. „Ich fühle mich aber nicht als Fremder. Mit dem Trainerteam und den Spielern gibt es einen regen telefonischen Austausch. Das ist heute alles kein Problem mehr“, sagt Taylor.

In seiner Abwesenheit bekommt er von seinen Co-Trainern Benka Barloschky und Austen Rowland (38) regelmäßig Videoclips der Trainingsspiele zugeschickt. Um ein Gefühl für sein neues Team zu bekommen, wird Taylor versuchen, an diesem Wochenende so viel Zeit wie möglich bei und mit den Towers zu verbringen. Bis zum Sonntag können sich aber auch vor allem die neuen Spieler der Hamburger ein Bild von Taylor machen. Die polnische Nationalmannschaft und die Towers spielen nahezu das identische taktische System. „Das hilft mir und den Towers ungemein“, sagt Taylor, der am Sonntag (20.30 Uhr) auch beim Testspiel der „Türme“ in Itzehoe (2. Bundesliga Nord ProB) an der Linie stehen will.

Am 22. August reist Taylor nach China

Nach dem Supercup in Wilhelmsburg stehen wieder die Polen im Vordergrund. In Lublin steigt am Mittwoch ein Testspiel gegen die Niederlande mit Towers-Neuzugang Yannick Franke. Einen Tag später fliegt die Nationalmannschaft nach China, wo vor den Toren Shanghais drei weitere Übungsspiele gegen Nigeria, Iran und Montenegro anstehen.

Am 31. August wird es für Taylor und Polen ernst. In der Cadillac Arena in Peking steigt das erste Gruppenspiel der WM gegen Venezuela. Bis dahin will sich das Team im Reich der Mitte akklimatisieren. „Wir treffen auf eine neue Kultur, anderes Essen, unterschiedliche Zeitzonen“, sagt Taylor und ergänzt: „Wir werden keine Zeit für Sightseeing haben und komplett auf das Turnier fokussiert sein, aber die Jungs sollen diese Erfahrungen in China aufsaugen. Für Polen ist es etwas Historisches.“