150. Deutsches Derby

Pedroza siegt beim 17. Versuch – zweiter Tod eines Pferdes

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich die  Galopper im 150. Deutschen Derby lieferten. Eduardo Pedroza auf Laccario (2. v. l.) ließ am Ende die Konkurrenz hinter sich.

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich die Galopper im 150. Deutschen Derby lieferten. Eduardo Pedroza auf Laccario (2. v. l.) ließ am Ende die Konkurrenz hinter sich.

Foto: FrankPeters / WITTERS

Jockey Eduardo Pedroza gewann zum ersten Mal das Blaue Band. Doch der Renntag in Horn wurde überschattet von einem Todesfall.

Hamburg. Erst wurde er lautstark mit „Eddie, Eddie“-Rufen von der ziemlich voll besetzten Tribüne gefeiert, dann überraschten ihn die Kollegen mit einer Sektdusche. Angeführt von Filip Minarek umringten einige Jockeys Eduardo Pedroza (45) auf dem Abreiteplatz und spritzten ihn noch vor der Siegerehrung nass. Der Mann aus Panama-Stadt hatte da gerade auf dem hohen Favoriten Laccario das wichtigste Rennen des Jahres, das 150. Deutsche Derby, auf der Galopprennbahn in Horn gewonnen.

In dem mit 650.000 Euro dotierten Rennen um das begehrte Blaue Band, dem Höhepunkt der diesjährigen Derbywoche, setzte sich der Hengst in einem fulminanten Endspurt gegen Django Freeman (Lukas Delozier) und Außenseiter Accon (Jiri Palik) durch. Quest the Moon wurde unter dem siebenmaligen Derby-Siegjockey Andrasch Starke aus Stade Vierter. Besitzer von Laccario ist der Möbelunternehmer Manfred Ostermann. Pferde aus seinem Gestüt Ittlingen gewannen das Derby bereits 1993 und 1994: Lando und Laroche. Für den Sieg kassiert Ostermann 390.000 Euro.

1995 kam der damals 21-jährige Pedroza nach Deutschland

16 -mal schon hatte Eduardo Pedroza seit dem Jahr 2000 versucht, dieses prestigeträchtige Rennen für dreijährige Pferde zu gewinnen. Zweimal war er Zweiter, dreimal Dritter geworden. Und nun endlich der Triumph. Doch die großen Emotionen behielt er bei sich, als er erst vor der Tribüne mit Pferd und Siegerkranz defilierte, später dann aufs Podium zur Siegerehrung gebeten wurde. Dort warteten Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und Ehefrau Eva-Maria auf ihn, um zu gratulieren. Gefragt, wie er denn feiern werde, sagte Pedroza mit einem Hauch von Lächeln im Gesicht: „Ich fahre nach Hause, gucke ein bisschen Fernsehen, gehe an den Computer. Ruhe eben.“ Wann er denn gespürt habe, dass es diesmal zum Sieg reichen werde, wollte jemand anderes wissen. Die norddeutsch-spröde Antwort: „Im Ziel.“

Das passt. Seit er 1995 mit 21 Jahren zu Verwandten nach Deutschland kam, hat der Profirennreiter aus dem mittelamerikanischen Land in Teilen offenbar deutsche Mentalität angenommen. Zu seinem Arbeits- und Sportrhythmus gehört der freie Tag am Montag. „Da mache ich die Buchführung“ , hat er mal in einem Interview gesagt. Dienstagnachmittags spielt er Fußball. Mittwochs geht er laufen und am Tag vor dem Rennen in die Sauna – das Gegenteil eines ungezügelten Lebens. Zu Ehren des Siegers hatte der Renn-Club einen ganz besonderen Chor verpflichtet: Hamburgs Kultsänger, die Goldkehlchen, intonierten mit viel Enthusiasmus die deutsche Nationalhymne. Normalerweise besteht die Formation aus 70 Männern, an diesem Sonntag hatten es etwa 25, zum Teil wild aussehende Kerle, auf die Rennbahn geschafft. Sie absolvierten ihren Auftritt ohne Gage.

Schatzmeisterin zieht positive Bilanz – trotz Tod von zwei Pferden

Überschattet wurde der letzte Renntag allerdings vom zweiten Todesfall der Woche. Im achten Rennen vertrat sich der fünfjährige Hengst Gepard, geritten von Bauyrzhan Murzabayev, ohne Fremdeinwirkung den Fuß, strauchelte und stürzte. Der sofort herbei geeilte Tierarzt Klaus Weigand konnte nicht mehr helfen. Das Tier hatte sich den gesamten Fesselbereich gebrochen, musste von seinen Schmerzen erlöst werden. Für die Tierschützer, die sich wegen des ersten Todes eines Pferdes am Mittwoch im Seejagdrennen schon früh am Sonntagmorgen vor dem Haupteingang versammelt hatten, war dies neue Munition. Um auch wirklich wahrgenommen zu werden, hatten sie neben Plakaten für ihre Mahnwache einen der ihren als Pferd kostümiert. Der lag todesähnlich in Front der kleinen Gruppe.

Trotz des erneuten Zwischenfalls zog Schatzmeisterin Ilona Vollmers eine positive Gesamtbilanz der Derbywoche. „Ein traumhafter Tag“, sagte sie. 24.000 Besucher sollen es nach offiziellen Angaben gewesen sein, die sich trotz der Konkurrenz von Triathlon und dem Finale der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft sowie des herbstlich anmutenden Wetters in den Osten der Stadt begeben hatten. Als im Festzelt Mäzen Albert Darboven seinen traditionellen Empfang mit etwa 300 Gästen aus der Society gegen elf Uhr eröffnete, schmuddelte es aus dem Himmel und die zahlreichen Zuschauer, die sich schon Mittags auf der Rennbahn eingefunden hatten, flüchteten sich unter Dächer und Schirme.

Renn-Club geht Jahr für Jahr mit einem Minus aus der Veranstaltung

Alles andere als trist war aus Veranstaltersicht das finanzielle Ergebnis. 1.032.297,58 Wettumsatz meldete der Renn-Club für den Sonntag. „Damit sind wir zufrieden“, sagte Vollmers. „Wir haben unseren Etat erreicht. Obwohl wir das Gesamtziel von 2,7 Millionen Umsatz verfehlt haben.“ Frei von Schuld ist der Renn-Club dabei nicht. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr des 150. Deutschen Derbys blieb die Veranstaltung den eigentlich erwarteten Glamour schuldig. Stadt und Veranstalter hatten immer wieder betont, wie wichtig die Pferdesportveranstaltung auch für die Sportstadt Hamburg ist. Ein Senatsempfang für die Renn-Club-Mitglieder am Montag im Rathaus mit der Verdener Jagdbläsergruppe „Bien Allez“ und einer Ehrung für das Lebenswerk von Albert Darboven war das Highlight.

Das im Vorfeld geplante Rahmenprogramm für die Galoppwoche gab es nicht. Man wolle sich auf den Sport konzentrieren, lautete die offizielle Begründung vonseiten des Veranstalters. Tatsächlich werden es auch finanzielle Gründe gewesen sein, die zum Verzicht eines dem Anlass entsprechenden Programms oder einer spektakulären Werbekampagne geführt hatten. Es ist kein Geheimnis, dass der Hamburger Renn-Club Jahr für Jahr mit einem Minus aus der eine Woche dauernden Veranstaltung in Horn geht. Da passte es ins Bild, dass man eine Woche vor Beginn aufgrund von Streitigkeiten kurzfristig die Kommunikationsagentur wechselte.

Tschentscher: „Traber und Galopper müssen sich zusammenraufen“

Ab sofort beginnt die Aufarbeitung des Jubiläumsderbys. Bereits am Sonntagabend ging der Blick daher voraus. Stichwort Doppelrennbahn, das Dauerthema seit Jahrzehnten. Ende des Jahres soll es eine Entscheidung geben. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher nahm die damit befassten Renn-Clubs von Galoppern und Trabern in die Pflicht. „Es hängt viel daran, was die beiden Vereine beitragen können“, sagte er. Die Stadt Hamburg stehe bereit zu helfen. Seine Mahnung: „Die Traber und Galopper müssen sich zusammenraufen und eine gemeinsame Investition planen. Wann wir ein Ergebnis haben, kann ich nicht vorhersagen.“