Deutschland schlägt Algerien

„Emotionslos und gefühlt verloren ins Viertelfinale“

Verteidiger Per Mertesacker gibt im ZDF-Interview jegliche Zurückhaltung auf. Muskelbündelriss und WM-Aus bei Shkodran Mustafi. Joachim Löw verlangt klare Steigerung für das Viertelfinale gegen Frankreich. Hier erfahren Sie alles zu Deutschland gegen Algerien.

Geschafft - im wahrsten Sinne des Wortes... Auf dem Zahnfleisch kriechend hat die deutsche Nationalmannschaft im Achtelfinale Algerien niedergerungen und steht nach dem 2:1 (0:0/1:0)-Sieg nach Verlängerung im Viertelfinale der Fußball-WM in Brasilien.

Dort wartet auf die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw am Freitag (18 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) in Rio de Janeiro Frankreich als nächster Gegner.

Die erlösenden Tore für die DFB-Elf erzielten der eingewechselte André Schürrle per Hacke nach Vorlage von Thomas Müller (92.) sowie Mesut Özil kurz vor Schluss. Anschließend machte es die wackelige deutsche Hintermannschaft noch einmal kurzzeitig spannend, indem sie den Anschlusstreffer durch Djabou zuließ. Am Ende reichte eine kleine Leistungssteigerung zum Ende der Partie zum mühsamen Einzug in die Runde der letzten Acht.

Abendblatt.de hält Sie mit einem Nachgang zur Achtelfinalpartie Deutschland gegen Algerien auf dem Laufenden:

+++ DFB-Team nach Viertelfinaleinzug: Damenbesuch und Regeneration +++

18.03 Uhr: Am Tag nach dem Einzug ins WM-Viertelfinale stand bei der deutschen Nationalmannschaft in erster Linie Regeneration auf dem Programm. Der DFB-Tross war nach dem 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Algerien in Porto Alegre erst am Dienstagmorgen um 1.41 Uhr wieder in seinem WM-Quartier Campo Bahia eingetroffen. Danach durften die Spieler erst einmal ausschlafen.

Nach dem späten Frühstück absolvierten alle Akteure ein individuelles Programm. Bastian Schweinsteiger, der wegen Muskelkrämpfen in der 109. Minute vorzeitig raus musste, wurde ebenso behandelt wie Abwehrspieler Shkodran Mustafi, für den die WM wegen eines Muskelbündelrisses beendet ist.

Nach dem Mittagessen erhielten die Spieler Besuch von ihren Angehörigen und konnten den Nachmittag frei gestalten. Um 19.00 Uhr mussten alle wieder zum gemeinsamen Abendessen im WM-Camp sein.

In der Nacht waren die Spielerfrauen diesmal nicht im Hotel. Nach einem Schlummertrunk verschwanden die Spieler sowie der Trainer- und Betreuerstab angesichts der fortgeschrittenen Stunde recht schnell auf ihren Zimmern.

Bereits beim zweieinhalbstündigen Heimflug von Porto Alegre nach Porto Seguro war die Anspannung nach dem Achtelfinal-Krimi allmählich der Freude gewichen. Vor allem DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte die Mannschaft in 8000 Meter Höhe aufgemuntert.

„Euch steckt das Spiel noch in den Knochen. Es hat Nerven gekostet, das haben alle gemerkt. Aber Leute, was unter dem Strich steht, ist: Ihr seid, wir sind, im Viertelfinale.“ Nach diesen Worten des DFB-Bosses brandete Applaus auf.

„Ihr habt heute eine tolle Tradition für die deutsche Nationalmannschaft fortgesetzt. Wir haben zum achten Mal in Serie das Achtelfinale einer Weltmeisterschaft gewonnen. Das zählt“, sagte Niersbach.

Der 63-Jährige gab der Mannschaft für das Viertelfinale am Freitag in Rio gegen Frankreich (18 Uhr MESZ/ARD) Folgendes mit auf den Weg: „Ihr könnt Euch freuen auf etwas Historisches. Ich weiß nicht, wer von Euch schon einmal in Rio war. Rio de Janeiro gehört zu den schönsten Städten der Welt. Und Maracana, das ist ein Mythos. Nehmt dies am Freitag mit dem Ziel an, möglichst zweimal dort zu spielen. Ihr habt es drin. Ihr habt es sicher drin. Wir glauben fest daran.“ Dabei hatte der DFB-Präsident den Blick bereits auf das WM-Finale am 13. Juli an selber Stätte gerichtet.

+++ Wörns kritisiert Abwehrverhalten +++

15.56 Uhr: Der ehemalige Nationalspieler Christian Wörns, 42, hat das Abwehrverhalten der deutschen Nationalmannschaft nach dem schmeichelhaften Einzug ins WM-Viertelfinale kritisiert. Weltmeister Olaf Thon, 48, glaubt nach dem 2:1 nach Verlängerung gegen Algerien dagegen mehr denn je an den Titelgewinn. Die Abwehr habe zwar ein „bisschen gewackelt“, sagte Thon in einem Interview mit sportschau.de, Sorgen mache sich der Weltmeister von 1990 deswegen aber nicht: „Ganz im Gegenteil: Dieses Spiel stimmt mich optimistisch, dass wir den WM-Titel gewinnen können.“ Das Team von Bundestrainer Joachim Löw habe sich „durchgebissen. Das war aus meiner Sicht die Initialzündung dafür, dass wir Weltmeister werden“, sagte Thon: „Solch eine Partie schweißt die Spieler noch enger zusammen. Ich bin da sehr zuversichtlich.“ Im Viertelfinale trifft die deutsche Mannschaft am Freitag auf Frankreich (18 Uhr/ARD und im Liveticker bei abendblatt.de).

Wörns bemängelte vor allem das Abwehrverhalten der Offensivspieler gegen giftige Algerier. „Die Außenstürmer und das zentrale Mittelfeld hätten schneller den Rückwärtsgang einlegen müssen, das ist in solchen Spielen enorm wichtig. Das kam einfach zu spät, da hatten die Algerier schon ein, zwei Meter Vorsprung“, sagte der ehemalige Innenverteidiger dem Mannheimer Morgen (Mittwochausgabe): „Auf diesem Niveau ist das zu spät, da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.“ Die kritisierten Außenverteidiger Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi nahm Wörns in Schutz: „Sie haben solide gespielt. Wenn die Räume da sind, wie sie es in diesem Spiel waren, dann wird das für jede Abwehr schwer.“

+++ Littbarski erwartet enges Spiel gegen Frankreich +++

12.38 Uhr: Pierre Littbarski, früherer Nationalspieler und Weltmeister von 1990, kann vor dem WM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich keinen Favoriten ausmachen. „Das ist ein 50:50-Spiel – hohe Qualität bei beiden Teams. Die Franzosen schätze ich sehr gut ein, sie sind gefestigt und eine Einheit, dazu sehr gut im Sturm besetzt“, sagte „Litti“ im Interview mit dem Sport-Nachrichtensender Sky Sport News HD. Die deutsche Nationalmannschaft hatte sich am Montagabend im Achtelfinale mit 2:1 nach Verlängerung gegen Algerien durchgesetzt und trifft am Freitag (18 Uhr/ARD) in Rio de Janeiro auf die Equipe Tricolore. Littbarski gehörte bei den letzten beiden WM-Duellen gegen Frankreich zur deutschen Mannschaft: 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko hatte Deutschland jeweils im Halbfinale gewonnen.

+++ ARD zeigt deutsches Viertelfinale +++

12.05 Uhr: Der ARD winkt am Freitag ein Einschaltquoten-Rekord bei der WM in Brasilien. Das Erste überträgt ab 18 Uhr das Viertelfinale in Rio de Janeiro zwischen Deutschland und Frankreich. Am Abend sendet die ARD ab 22 Uhr auch die Partie zwischen Gastgeber Brasilien und dem Südamerika-Rivalen Kolumbien live. Am Sonnabend ist dann das ZDF dran, das am Montagabend mit dem deutschen Achtelfinale gegen Algerien (28,21 Millionen Zuschauer) eine Bestmarke für die laufende WM erzielte. Ab 18 Uhr überträgt das Zweite das Viertelfinale zwischen den Siegern der Achtelfinals Argentinien-Schweiz und Belgien-USA. Um 22 Uhr folgt die Partie zwischen den Niederlanden und Costa Rica. Wer am Dienstag (8. Juli) und Mittwoch (9. Juli) welches Halbfinale überträgt, wird erst nach den Viertelfinals festgelegt. Fest steht dagegen schon, dass das ZDF am Samstag (12. Juli/22 Uhr) das Spiel um Platz drei sendet und die ARD am Sonntag (13. Juli/21 Uhr) das Finale.

+++ Internationale Presse hat Respekt vor DFB-Elf verloren +++

11.38 Uhr: Inzwischen sind auch die internationalen Pressestimmen bekannt. Im Ausland ist man erschüttert von einem schwachen Auftritt der deutschen Nationalmannschaft gegen Algerien und hat keine Angst mehr vor der DFB-Elf. Alle Pressestimmen auf einen Blick finden Sie hier.

+++ Lahm und Höwedes gegen Frankreich von Halbfinal-Sperre bedroht +++

11.05 Uhr: Kapitän Philipp Lahm und Benedikt Höwedes sind im Viertelfinale gegen Frankreich von einer möglichen Gelb-Sperre im WM-Halbfinale bedroht. Lahm wurde beim 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Algerien erstmals bei der Weltmeisterschaft verwarnt. Der Schalker Höwedes hatte beim Turnier in Brasilien beim 1:0 im Gruppenspiel gegen die USA die Gelbe Karte gesehen. Sollten beiden Spieler gegen Frankreich zum zweiten Mal verwarnt werden, müssten sie bei einem Erfolg der DFB-Auswahl an diesem Freitag in Rio de Janeiro im folgenden Halbfinale gegen Brasilien oder Kolumbien zuschauen. Einzelne Gelbe Karten werden bei der WM nach dem Viertelfinale gestrichen. Davon könnten auch Lahm und Höwedes profitieren. Bei der letzten WM-Endrunde 2010 in Südafrika musste die deutsche Mannschaft dagegen beim 0:1 im Halbfinale gegen Spanien auf den nach zwei Gelben Karten gesperrten Thomas Müller verzichten.

+++ „Emotionslos und gefühlt verloren ins Viertelfinale“ +++

10.21 Uhr: Viele Prominente haben erleichtert auf den Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins WM-Viertelfinale reagiert. Die Begeisterung über den 2:1-Zittersieg gegen Algerien hielt sich jedoch in Grenzen. „Selten so emotionslos und gefühlt verloren ins Viertelfinale!!“, twitterte Oliver Pocher. „Ein großes HOFFEN auf ein anderes Spiel gegen Frankreich...“ Sängerin Sarah Connor freute sich besonders über das Tor von Mesut Özil: „Ich wusste, dass Du Deinen Moment haben würdest!!!! Bin stolz auf Dich!!!!“ Dazu postete sie ein Foto von sich selbst mit Fanschminke im Gesicht. Für TV-Moderator Markus Kavka war das Interview, das Per Mertesacker nach dem Spiel gab, das Highlight: „Merte for President. Ich leg mich jetzt auch drei Tage in die Eiswanne. Riesenidee.“ Mit den Nerven am Ende war offenbar Schauspieler Jan Josef Liefers, der twitterte: „Könnt Ihr auch nicht schlafen? Holy strawsack!“ Sänger Tim Benzko verbreitete trotz des schwachen Auftritts Optimismus für das Viertelfinale. Sein Tipp: „Deutschland – Frankreich 3:0“.

+++ Wenigstens Kramer ist überglücklich +++

9.29 Uhr: Für Christoph Kramer ging gegen Algerien ein Traum in Erfüllung. „Ich bin überglücklich, dass ich meine Minuten bekommen habe. Das ist für mich persönlich weltklasse und war total aufregend“, sagte der Mittelfeldspieler von Gladbach nach seinem ersten WM-Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft freudestrahlend. Der 23-Jährige wurde von Bundestrainer Joachim Löw in der 109. Minute für den von Krämpfen geplagten Bastian Schweinsteiger eingewechselt. Kurz vor Schluss hatte der Gladbacher in seinem dritten Länderspiel sogar die große Chance, für die Entscheidung zu sorgen, scheiterte aber an Algeriens Torwart Rais Mbolhi.

„Ich habe auf den letzten Metern den Mut verloren. Das war nur noch ein Schüsschen“, räumte Kramer offen ein. Dabei habe er es „eigentlich drauf, den Ball zu lupfen“. Ob er sich nun für das Viertelfinale am Freitag (18 Uhr/ARD) in Rio de Janeiro gegen Frankreich eventuell sogar Hoffnungen mache, für den angeschlagenen Schweinsteiger von Beginn an zu spielen? „Wenn die Krämpfe bei ihm noch vier Tage anhalten, mache ich mir Hoffnungen“, antwortete Kramer mit Humor.

+++ Nächster TV-Quoten-Rekord bei deutschem Zittersieg +++

8.53 Uhr: Der Achtelfinalkrimi der deutschen Nationalmannschaft hat für einen neuen Quotenrekord bei der WM in Brasilien gesorgt. Im Schnitt 28,21 Millionen Zuschauer sahen am Montagabend ab 22 Uhr im ZDF den mühsamen 2:1-Erfolg nach Verlängerung gegen Algerien. Auch der Marktanteil von 85,1 Prozent wurde bei der laufenden WM hierzulande noch nicht erreicht. Beide Werte übertrafen jene aus dem letzten deutschen Gruppenspiel gegen die USA (27,25/84,2). Am frühen Montagabend wollten durchschnittlich 11,50 Millionen Zuschauer auch den kommenden Gegner der deutschen Elf (Freitag/ 18 Uhr) sehen. Das 2:1 Frankreichs gegen Nigeria erzielte im Zweiten einen Marktanteil von 50,3 Prozent.

+++ Algerien-Coach Halilhodzic schwänzt Pressekonferenz +++

8.30 Uhr: Der algerische Nationaltrainer Vahid Halilhodzic ist nach dem WM-Aus im Achtelfinale gegen Deutschland nicht zur Pressekonferenz erschienen. Einiges deutet darauf hin, dass der Coach die Nordafrikaner vorzeitig verlassen und seinen Posten aufgeben wird. Algeriens Torwart Rais M'Bolhi und Madjid Bouguerra dankten jedenfalls auf der Pressekonferenz ihrem Coach für seine geleistete Arbeit. Bouguerra meinte, er müsse mit dem neuen Trainer über seine Zukunft sprechen. Halilhodzic hatte seine Zukunft bereits vor dem Spiel offen gelassen.

+++ Deutsche Fans feiern friedlich +++

8.08 Uhr: Friedlich gefeiert haben die deutschen Fußball-Fans. In Hamburg kamen zum Public-Viewing auf dem Heiligengeistfeld in St. Pauli mit 25.000 Anhängern allerdings so wenige Zuschauer wie noch bei keinem deutschen WM-Spiel zusammen.

„Es war alles ganz harmlos“, sagte ein Polizeisprecher in Wiesbaden zum Geschehen in Hessen. In der Frankfurter Innenstadt habe es nach dem Spiel einen kurzen Autokorso gegeben, gegen 2 Uhr sei dann alles vorbei gewesen, berichtete die Polizei. Ein Polizeisprecher in Offenbach sprach von einer „eher traurigen Stimmung, irgendwie passend zum Spiel“. Es seien nur wenige Fans unterwegs gewesen. Das größte Public Viewing in Hessen gab es wieder in Frankfurt, wo trotz des späten Anpfiffs 10.000 Fans in die Commerzbank-Arena kamen, wie der Veranstalter mitteilte. Die späte Anstoßzeit sorgte auch im osthessischen Fulda für weniger Andrang beim Public Viewing. Nur wenige Hundert Fans kamen auf den Innenhof des Vonderau-Museums, wie die Polizei mitteilte. Bisher verfolgten etwas mehr als 2000 Zuschauer jedes Spiel von Joachim Löws Schützlingen dort auf der Großbildleinwand. Das Gute für die Rudelgucker: Sie mussten diesmal beim Einlass nicht so lange warten.

+++ 29 Festnahmen in Frankreich nach Algerien-Aus +++

7.52 Uhr: Das Achtelfinal-Aus der algerischen Mannschaft hat nicht die befürchteten Eskalationen in Frankreich nach sich gezogen. „Das Algerien-Spiel hat nicht zu einem Ausbruch der Gewalt geführt, wie viele es befürchtet hatten“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Obwohl 29 Personen in Gewahrsam genommen wurden, sei die Nacht auf Dienstag bei verstärkten Sicherheitsvorkehrungen generell verhältnismäßig ruhig verlaufen. In Lyon musste die Polizei während des Spiels bei einem Protestmarsch von 65 Rechtsextremen eingreifen.

+++ Mertesacker-Interview ein Hit im Netz +++

7.33 Uhr: Das unwirsche Interview ist nach dem Achtelfinale bereits jetzt eines der Top-Themen im Netz. Dabei erntet der deutsche Verteidiger neben vereinzelter Kritik vor allem Zuspruch für seine Reaktion gegenüber ZDF-Reporter Boris Büchler.

„Bravo Per Mertesacker. Endlich mal jemand, der sich dumme Reporterfragen direkt nach so einem Spiel nicht gefallen läßt“, schreibt „Redwyne Paxter“ bei Twitter.

Und auch „Mathiasrichel“ befand: „Mertesacker hat Recht! Blödes Canapes-Gefrage frisch aus der klimatisierten Presselounge.“

Dass das Mertesacker-Interview (HIER im Video) bald Kultstatus erlangen könnte, lassen folgende Kommentare erahnen. „Das Interview mit Mertesacker hätte nur besser werden können, wenn Neuer rausgesprintet wär und den Reporter weggeköpft hätte“, schrieb „thetruemilhouse“ bei Twitter.

„Da verlierst Du einmal bei Schere, Stein, Papier und dann musst Du als Praktikant beim ZDF den Mertesacker interviewen“, schrieb „un.ge.nau“.

„Hajoschumacher“ analysierte trocken: „Das 3:1 durch mertesacker, im interview.“

„Nach nur 3 Stunden Schlaf werde ich immer zum Mertesacker“, twitterte User “Trinity_oOtrinity“ am frühen Morgen.

+++ Für Mustafi ist die WM gelaufen +++

7.22 Uhr: Shkodran Mustafi fällt für weitere Einsätze bei der WM aus. Der Abwehrspieler von Sampdoria Genua zog sich beim Sieg gegen Algerien einen Muskelbündelriss im rechten hinteren Oberschenkel zu. Dies teilte der Deutsche Fußball-Bund knapp 90 Minuten nach dem Spiel mit. „Er wird uns wohl für den weiteren Turnierverlauf nicht mehr zur Verfügung stehen“, erklärte Bundestrainer Joachim Löw, der Mustafi nach seiner Auswechslung in der 70. Minute durch Sami Khedira ersetzt hatte. Nach einer ersten Diagnose seien für Mustafi zwei bis drei Wochen Pause vorausgesagt worden. Bastian Schweinsteiger wurde in der 109. Minute wegen Krämpfen vorsorglich aus dem Spiel genommen.

+++ Die Tops und Flops des Spiels +++

7.12 Uhr: Das Zitterspiel gegen Algerien liefert nicht nur für die deutschen Anhänger zahlreichen Gesprächsstoff. Hier sind nur die markantesten Ereignisse und Auffälligkeiten einer denkwürdigen Partie.

Szene des Spiels: André Schürrles 1:0 in der 92. Minute: Benedikt Höwedes erobert den Ball im Mittelfeld, spielt ihn zu Thomas Müller. Der passte in die Mitte zu Schürrle, der mit der Hacke verwandelte. Es war der Türöffner zum Viertelfinale, laut Joachim Löw sogar „die Entscheidung“.

Enttäuschung des Spiels: Das deutsche offensive Mittelfeld - ohne Spielwitz, ohne Ideen, ohne Tempo. Außerdem die Abwehr: Defensiv mit vielen Wacklern, von den Außen kam offensiv so gut wie nichts.

Szene des Spiels II: Der Freistoßversuch in der 88. Minute mit dem vorgetäuschten Müller-Stolperer. Die Nummer war Slapstick pur, ging grandios in die Hose und stand symptomatisch für eine über weite Strecken konfuse DFB-Elf.

Libero des Spiels: Manuel Neuer. Klärte gefühlte hundertmal weit vor dem Strafraum. Äußerst riskant - aber erfolgreich. Dass er überhaupt so viel mitspielen musste, spricht nicht für seine Vorderleute. War sicherer Rückhalt und mit großem Abstand bester deutscher Spieler.

Gewinner des Spiels: Die Algerier. Alle. Bewiesen mit Leidenschaft und Herz, warum sie im Achtelfinale standen. Die Führung zur Halbzeit wäre nicht unverdient gewesen. Eine bessere Chancenverwertung, dann ist in vier Jahren mehr drin.

Zahl des Spiels: 19. So viele Ballkontakte hatte Manuel Neuer außerhalb des Strafraums.

+++ Blatter freut sich auf Deutschland gegen Frankreich +++

7.05 Uhr: Auf das Spiel gegen Frankreich blickt Fifa-Präsident Joseph S. Blatter bereits voller Vorfreude. „Ein Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich. Das Halbfinale von 1982 ist nostalgischen Fans immer noch in bester Erinnerung“, ließ der 78-Jährige seine über zwei Millionen Follower bei Twitter wissen. Im spanischen Sevilla hatte die DFB-Auswahl vor 32 Jahren trotz eines 1:3-Rückstands in der Verlängerung noch im Elfmeterschießen gewonnen.

+++ Hohn und Spott für Löw-Elf im Internet +++

6.58 Uhr: Der Zittersieg gegen Algerien brachte Philipp Lahm und Co. im Netz nicht nur Bewunderung für ihre Effektivität ein. Beim Kurznachrichtendienst Twitter wurde der selbsternannte Titel-Mitfavorit für die streckenweise peinliche Vorstellung sogar verhöhnt.

Nur „Libero“ Manuel Neuer und André Schürrle als Torschütze des erlösenden 1:0 in der Verlängerung wurden abgefeiert. „Dieser Schürrle: noch nichts gewonnen - und schon hacke!“, twitterte das Fachmagazin 11 Freunde scherzhaft. Und Popsternchen Lena Meyer-Landrut schien sich sogar ein bisschen in den Chelsea-Profi verguckt zu haben: „SCHÜÜÜÜÜRLE !!!!!!! Küsschen“.

Englands Verteidiger Rio Ferdinand meinte angesichts der vielen Ausflüge und Ballkontakte unseres Nationaltorwarts: „Neuer, der Libero, könnte in der nächsten Saison mein Ersatz bei Manchester United sein!„

Auch für Basketball-Superstar Dirk Nowitzki ist Neuer der „beste Torhüter der Welt“, er lobte zudem den wackeren Gegner: „Algerien hat hart gekämpft.“ Das zumindest sprach die dreimalige Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch auch dem deutschen Team nicht ab, sie postete ein Bild von sich in Jubelpose und schrieb: „Yes, durchgekämpft! Viertelfinale!„

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) fasste die Stimmung von Millionen DFB-Fans zusammen: „Kein Freudentaumel, kein Katzenjammer, einfach nur erleichtert.“

Arnd Zeigler, der im WDR durch seine Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ führt, hatte nach der kraftlosen ersten Halbzeit folgenden Vorschlag für den Bundestrainer parat: „Vielleicht sollte Löw über eine Stulle mit Schokocreme für jeden nachdenken.“ Fernseh-Kommentator Wolff-Christoph Fuss war zwischenzeitlich genauso fassungslos. „Was zum Henker...“, twitterte Fuss, am Ende sah er eine „Schwerstgeburt“. Sport1 meinte, es habe nur Torwart Neuer „und einen Hühnerhaufen“ gegeben.

Neuer, der mit seinen spektakulären Ausflügen und Abwehraktionen und seinen vielen Ballkontakten eher einem Libero glich, wurde im Netz groß gefeiert. Handball-Ikone Stefan Kretzschmar twitterte: „Weidenfeller rein und Neuer in den Sturm.“ Ein anderer User witzelte: „Wenn Neuer so weiter macht, wird er noch zum besten Verteidiger des Turniers gewählt.“

+++ Lineker hat ein Déjà-vu +++

6.54 Uhr: Es passiert schon wieder, dachte sich Gary Lineker zu Hause am Fernseher. „22 Menschen treten etwa 92 Minuten einen Ball und am Ende...“, twitterte der ehemalige englische Nationalspieler während des Achtelfinals der deutschen Mannschaft gegen Algerien - und vollendete den Satz direkt nach dem Schlusspfiff: “...gewinnen die Deutschen.“

Allerdings rieb sich Lineker zwischenzeitlich verwundert die Augen. „Hätte niemals gedacht, dass ich das mal sagen würde“, twitterte er, „aber Deutschland sieht taktisch plump aus.“ Die völlig verunglückte Freistoß-Variante in der zweiten Halbzeit, bei der Bayern-Star Thomas Müller mächtig ins Stolpern geriet, war für ihn „der schlechteste Freistoß in der WM-Geschichte.“

+++ Löw fordert Steigerung gegen Frankreich +++

6.47 Uhr: Joachim Löw hat nach dem 2:1-Zittersieg gegen Algerien eine Steigerung für das anstehende Viertelfinale verlangt. "Die Partie gegen die Franzosen muss besser werden. Heute war es ein Sieg des Willens. In der ersten Hälfte waren wir schlecht und hatten viele Ballverluste. Dadurch haben wir Algerien zu Kontern eingeladen und sind nicht hinter ihre Abwehr gekommen", sagte Löw im ZDF-Interview: "Erst danach waren wir besser und hätten das Spiel schon in der regulären Spielzeit entscheiden müssen."

DAS SPIEL IM LIVETICKER

Allerdings sei ein solch knapper und hart erkämpfter Sieg im Laufe eines WM-Turniers aus seiner Sicht nicht ungewöhnlich. "Eine WM ist kein Spaziergang. Solche Spiele muss es in einem Turnier auch geben, wo man sich durchkämpfen muss. Andere Teams tun sich ebenfalls schwer", sagte der 54-Jährige. Für die beiden Joker Schürrle und Sami Khedira hatte Löw ein besonderes Lob übrig. "Unsere Stärke ist auch die Flexibilität. Man hat heute gesehen, dass wir Spieler einwechseln können, die frische Impulse bringen. Das hat mit Schürrle und Khedira geklappt. In dieser Phase haben sie der Mannschaft einen Schub gegeben und ihr geholfen."

+++ Mertesacker ledert im ZDF-Interview drauf los +++

6.35 Uhr: Sichtlich angefressen trat nach dem Spiel Per Mertesacker vors ZDF-Mikrofon. Kaum hatte Interviewer Boris Büchler seine Frage nach der Schwerfälligkeit und Anfälligkeit des deutschen Spiels zu Ende gestellt, lederte der deutsche Abwehr-Hüne los. „Das ist mir völlig wurscht“, sagte der Arsenal-Profi, „wir sind jetzt unter den letzten Acht, und das zählt.“ Büchler blieb am Ball und befand: „Aber das kann ja nicht das Niveau sein, dass Sie sich ausgerechnet haben, wenn man jetzt ins Viertelfinale einzieht. Dass man sich jetzt steigern muss, denke ich, dürfte auch Ihnen klar sein.“ Da konnte Mertesacker nur mit den Schultern zucken. „Was wollen Sie jetzt von mir?“, blaffte er. „Was wollen Sie jetzt, so kurz nach dem Spiel? Kann ich nicht verstehen.“

Als Büchler noch einmal beschwichtigend gratulierte, aber denocch nicht locker ließ, steigerte sich Mertesacker weiter in seinen Zorn. „Glauben Sie jetzt, unter den letzten 16 ist irgendwie ne Karnevalstruppe oder was? Die haben uns das hier richtig schwer gemacht über 120 Minuten“, sagte Mertesacker in Bezug auf die algerischen „Wüstenfüchse“. Das eigene Spiel analysierte Mertesacker als „mutig“, gestand aber auch, dass man „viel zugelassen“ habe. „Ich lege mich jetzt erst einmal drei Tage in die Eistonne, und dann sehen wir weiter.“

Als sich Mertesacker gerade wieder gefangen zu haben schien, legte ZDF-Mann Büchler noch einmal nach und fragte, ob jetzt vielleicht ein „Wow-Effekt“ wie bei der WM in Südafrika zu erwarten sei, sodass es auch spielerisch besser laufe. Da musste sich Mertesacker erneut sammeln, kurz schütteln, räuspern und dann entgegnen: „Wat woll‘n se? Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder sollen wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt? Also ich verstehe die ganze Fragerei nicht. Wir sind weitergekommen, wir sind super happy, haben heute alles gegeben und bereiten uns jetzt auf Frankreich vor“, erklärte Mertesacker, bevor Büchler das Interview mit besten Wünschen beschloss. „Ja, das war doch mal ein Interview, das gelebt hat“, freute sich schließlich Moderator Oliver Welke, als er mit Experte Oliver Kahn anschließend wieder das ZDF-Zepter übernahm.

Die Statistik

Deutschland: 1 Neuer/Bayern München (28 Jahre/49 Länderspiele) - 21 Mustafi/Sampdoria Genua (22/4) ab 70. Khedira, 17 Mertesacker/FC Arsenal (29/102), 20 Jerome Boateng/Bayern München (25/43), 4 Höwedes/Schalke 04 (26/25) - 16 Lahm/Bayern München (30/110), 7 Schweinsteiger/Bayern München (29/105) ab 109. Kramer - 8 Özil/FC Arsenal (25/59), 18 Kroos/Bayern München (24/48), 19 Götze/Bayern München (22/33) ab 46. Schürrle - 13 Müller/Bayern München (24/53). - Trainer: Löw

Algerien: 23 M’Bolhi/ZSKA Sofia (28 Jahre/32 Länderspiele) - 20 Mandi/Stade Reims (22/5), 4 Belkalem/FC Watford (25/16), 5 Halliche/Academica Coimbra (27/33) ab 97. Bougherra, 3 Ghoulam/SSC Neapel (23/8) - 22 Mostefa/Mostefa/AC Ajaccio (30/25), 19 Taider/Inter Mailand (22/13) ab 78. Brahimi, 8 Lacen/FC Getafe (30/33) - 10 Feghouli/FC Valencia (24/23), 15 Soudani/Dinamo Zagreb (26/25) ab 100. Djabou - 13 Slimani/Sporting Lissabon (26/24). - Trainer: Halilhodzic

Schiedsrichter: Sandro Ricci (Brasilien)

Zuschauer: 42.000

Tore: 1:0 Schürrle (92.), 2:0 Özil (120.), 2:1 Djabou (120.+1)