WM 2014

Joker-Effekt bleibt aus: Drogba kommt und Kolumbien siegt

Kolumbien steht vor der ersten Achtelfinal-Teilnahme einer Weltmeisterschaft. Der Superstar der Elfenbeinküste, Didier Drogba, wurde erst in der 60. Minute eingewechselt. Diesmal jedoch ohne Erfolg.

Brasilía. Matchwinner James Rodriguez ging klatschend vor die „gelbe Wand“ der kolumbianischen Massen und ließ sich gebührend feiern. Mehr als 50 000 mitgereiste Fans waren aus dem Häuschen, als ihre Lieblinge den zweiten Sieg bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien eingefahren und das Tor zum Achtelfinale weit aufgestoßen hatten. „Ich bin einfach nur sehr, sehr glücklich. Und hätte nicht gedacht, dass wir mit zwei Siegen in die WM starten würden“, sagte 1:0-Schütze Rodriguez nach dem verdienten, am Ende aber umkämpften 2:1 (0:0) im Top-Duell der Auftaktsieger der Gruppe C gegen die Elfenbeinküste. Deren Starspieler Didier Drogba kam erst nach einer Stunde aufs Feld, das er nach dem Abpfiff rasch verließ.

Denn Drogbas Zauber wirkt offensichtlich nicht mehr. Kolumbien kam am Donnerstag in Brasília zum Führungstreffer durch Rodriguez (64. Minute), weil dieser ein Kopfball-Duell ausgerechnet gegen Drogba gewann. Juan Quintero (70.) sicherte mit seinem Treffer den zweiten Dreier, der den Kolumbianern fast schon für die nächste Runde reicht. Drogba & Co. hingegen kamen vor 68 700 überwiegend begeisterten Zuschauern im Estadio Nacional der Hauptstadt Brasilia nur zum Ehrentor von Gervinho (73.).

„Wir lernen noch und sind bei einer WM. Ich bin sehr glücklich über die Entwicklung von allen“, stellte Trainer José Pekerman nach der Partie zufrieden fest. Sein Kollege Sabri Lamouchi hingegen war nach dem Rückschlag traurig. „Das war eine Niederlage gegen ein gutes Team, das unsere Fehler ausgenutzt hat“, stellte er selbstkritisch fest. Zugleich gab er sich aber kämpferisch. „Ich kann meiner Mannschaft nichts vorwerfen, denn sie hat bis zum Schluss alles versucht. Gegen Griechenland müssen wir noch mal alles mobilisieren.“

Kolumbien überzeugte über weite Strecken mit einer kompakten Abwehr und Kontern. Pekerman, der auf dieselbe Startelf wie beim 3:0 über Griechenland setzte, ließ sein Team auch gegen die Afrikaner wieder schnell nach vorn spielen. Gesucht wurde meistens „Kopf“ Rodriguez. Die Mehrzahl der Angriffe liefen über den Mann vom AS Monaco, der diesmal allerdings auch öfter hängen blieb.

Drogba kommt und Kolumbien trifft


Angefeuert von dem am Wochenende wiedergewählten Präsident Juan Manuel Santos und den vielen mitgereisten Fans dominierten die Kolumbianer die Partie. Das Stadion war fest in der Hand der gelb gekleideten Südamerikaner. Das „Gelbe Fieber“, wie Verbandspräsident Luis Bedoya es nannte, grassierte im Estadio Nacional.

Die Kolumbianer verpassten es indes, ihre Chancen zu nutzen. Die beste Einschussmöglichkeit der ersten Halbzeit vergab Teofilo Gutierrez (28.), auf dem nach dem bitteren Ausfall von Top-Torjäger Radamel Falcao die Hoffnungen im Sturm ruhen. Nach Maßvorlage von Rodriguez versprang ihm der Ball aber kläglich.
Die Elfenbeinküste spielte lange eher behäbig. Das lag auch daran, dass Spielmacher Yaya Touré kaum Akzente setzen konnte. Er vermochte sich Gegenspieler Carlos Sanchez nur selten zu entziehen. Torgefahr versprühten die Afrikaner ohne Drogba und den am Knie verletzten Hannoveraner Didier Ya Konan lange nicht. So musste Torhüter David Ospina nur bei Serge Auriers harmlosem Schuss eingreifen (32.).

Nach dem Wechsel war auch Kolumbiens Schwung kurzzeitig dahin. Dann setzte sich Juan Cuadrado stark durch und läutete mit einem Schuss an den Pfosten (59.) erneut die Offensive ein. Kaum war dann Drogba im Spiel, traf Rodriguez nahezu unbehelligt vom Ivorer-Star. Kurz darauf nutzte Quintero einen Ballverlust der Afrikaner zur Vorentscheidung. Für mehr als das Ehrentor durch Italien-Legionär Gervinho reichte es für die Elfenbeinküste trotz einer Schlussoffensive nicht mehr.