FC St. Pauli

Schultz visiert den HSV an und witzelt über Burgstaller

| Lesedauer: 5 Minuten
Carsten Harms und Alexander Berthold
Timo Schultz (r.) und der FC St. Pauli können sich momentan auf die Treffsicherheit von Guido Burgstaller verlassen.

Timo Schultz (r.) und der FC St. Pauli können sich momentan auf die Treffsicherheit von Guido Burgstaller verlassen.

Foto: Witters

"Es gibt vor dem Derby keine Normalität": Trainer Timo Schultz bereitet den Kiezclub auf ein "besonderes Spiel" am Millerntor vor.

Hamburg. Wenn die Stammspieler am Spielfeldrand stehen und dem fußballerischen Treiben der Reservisten zuschauen, wirkt es auf den ersten Blick skurril. Am Sonntagmittag spielte sich dies so auf der Trainingsanlage des FC St. Pauli ab und hatte einen ganz einfachen Grund.

Mit Ausnahme von James Lawrence hatten alle Startelfspieler des 3:2-Sieges vom Tag zuvor gegen Darmstadt 98 ihren Regenerationslauf beendet, genossen nach den langen Winterwochen das Frühlingswetter und verfolgten interessiert das Spielersatztraining ihrer nur kurz oder gar nicht eingesetzten Kollegen.

St. Pauli hat seine Stammelf gefunden

Die Szene war auch ein Symbol dafür, wie eng der Zusammenhalt des Teams in diesen Wochen ist, obwohl es seit drei Spielen keine personelle Veränderung mehr in der Startelf gegeben hat. Mithin hat sich mehr als zuvor herauskristallisiert, wer aus dem großen Aufgebot erste und wer zweite Wahl ist. Diejenigen, die sich ihren Platz in der Anfangself erarbeitet haben, bestätigen dieses Privileg regelmäßig auch mit Leistung.

Vier Spiele in Folge hat St. Pauli nun gewonnen, sowie sechs aus den jüngsten sieben Matches. Der Lohn dieser Entwicklung sind der Sprung vom 17. auf den elften Tabellenplatz und inzwischen schon acht Punkte Vorsprung auf Abstiegsrelegationsrang 16.

Schultz blickt auf Stadtderby gegen den HSV

Noch vor wenigen Wochen war nicht annähernd anzunehmen, dass der FC St. Pauli mit einer derartigen Erfolgsserie im Rücken und in einer vergleichsweise entspannten Lage in das Stadtderby am kommenden Montag (20.30 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) gegen den HSV gehen könnte.

„Wir sind in einer richtig guten Situation und haben eine lange Woche vor uns, um uns auf das Derby vorzubereiten. Wir freuen uns auf das Spiel“, sagte Trainer Timo Schultz und legte schon mal fest, dass an diesem Montag und auch am Freitag trainingsfrei sein wird.

Auch wenn dieser Plan alltäglich anmuten mag, wird Schultz auch diesmal gar nicht erst den Versuch unternehmen, das Heimspiel gegen den HSV als ein Match wie jedes andere zu verkaufen. „Es gibt vor dem Derby keine Normalität. Das müssen wir nicht vorgaukeln. Es ist ein besonderes Spiel“, sagte der Trainer. Nach dem 2:3 des HSV am Sonntag in Würzburg gilt dies umso mehr.

St. Paulis Kapitän übt Selbstkritik

Zur Wahrheit des jüngsten Kapitels der erstaunlichen Erfolgsserie gehört aber auch, dass der 3:2-Sieg gegen die in der zweiten Halbzeit starken Darmstädter äußerst glücklich war. Bezeichnend war allein die letzte Szene, als zunächst St. Paulis Außenverteidiger Sebastian Ohlsson auf der Torlinie sitzend den Ball abwehrte und der Nachschuss von Darmstadts Immanuel Höhn an die Unterkante der Latte und von dort vor die Torlinie prallte, ehe der Ball aus der Gefahrenzone befördert werden konnte.

St. Pauli besiegt Darmstadt – die Bilder:

„Diese Szene ist symbolisch für den Wandel zwischen Dezember 2020 und jetzt. Wir haben uns dieses Glück Stück für Stück erarbeitet. Dieser Sieg wäre im Dezember nicht möglich gewesen“, sagte Trainer Timo Schultz.

„Wenn wir ehrlich sind, waren wir nicht der verdiente Sieger. Wir haben nach dem 2:0 den Faden verloren, hatten viel zu große Abstände und haben Darmstadt ins Spiel kommen lassen“, übte Kapitän Philipp Ziereis Selbstkritik.

Burgstaller: Schultz witzelt über Serie

Nach den Treffern von Guido Burgstaller und Omar Marmoush zur 2:0-Führung und dem schnellen Ausgleich durch die Darmstädter Tim Skarke und Serdar Dursun hatte erneut Torjäger Burgstaller seinen großen Auftritt. Einen weiten, hohen Ball von James Lawrence bekam der Österreicher im Strafraum mit rechts unter Kontrolle und erzielte mit links das Tor zum 3:2.

„Ich habe ihm schon in der Halbzeit gesagt, dass seine Serie reißen wird und er diesmal zwei Tore schießt“, verriet Trainer Schultz. Zuvor hatte Burgstaller in sechs Spielen in Folge jeweils einen Treffer erzielt, nun folgte sein erster Doppelpack für St. Pauli.

Lesen Sie auch:

Burgstaller selbst, dessen Torserie ein vereinsinterner Ligarekord ist, gab sich gewohnt bescheiden. „Für solche Siege sorgen nicht einzelne Personen. Die Jungs machen es mir einfach und spielen mir gute Bälle zu“, sagte der 31-Jährige.

„Über die Serie denke ich nicht viel nach. Ich habe die andere Seite im vergangenen Jahr auch erleben müssen. Daher genieße ich es jetzt mit den Jungs. Das macht Spaß.“ In Derbyform ist er auf jeden Fall.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: St. Pauli