FC St. Pauli

Timo Schultz geht das Jahr 2021 mit neuem Elan an

| Lesedauer: 5 Minuten
St. Paulis Cheftrainer Timo Schultz sitzt auch im neuen Jahr vorerst weiter fest im Sattel.

St. Paulis Cheftrainer Timo Schultz sitzt auch im neuen Jahr vorerst weiter fest im Sattel.

Foto: Witters

St. Paulis Trainer will in Fürth direkt die bösen Auswärtsgeister des vergangenen Jahres vertreiben. Sehnsucht nach Burgstaller.

Hamburg. Der FC St. Pauli geht das neue Jahr trotz der mageren Ausbeute von nur einem Sieg in zwölf Saisonspielen mit Zuversicht an. „Wir haben noch einmal geprüft, was wir verbessern können. Wir versuchen einen Neustart im neuen Jahr anzugehen“, sagt Trainer Timo Schultz vor dem Auswärtsspiel am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und im Liveticker auf abendblatt.de) bei der SpVgg Greuther Fürth.

„Wir haben im Jahr 2020 nicht ein Auswärtsspiel außerhalb von Hamburg gewonnen. Das ist natürlich nicht gut. Wir hoffen, dass wir dieses Thema nun zur Seite schieben können.“ Gleichwohl gibt der Trainer zu bedenken: „Es war nicht alles schlecht, was wir in den vergangenen zwölf Spielen gemacht haben. Uns haben aber die Ergebnisse gefehlt.“

St. Pauli laut Schultz bei einem Aufstiegsfavoriten

Der Kiezclub steht auf dem 17. Tabellenplatz und hat lediglich acht Punkte vorzuweisen. Greuther Fürth hingegen rangiert mit 24 Punkten auf dem dritten Tabellenplatz. „Diese Mannschaft spielt über drei, vier Jahre zusammen und ist gewachsen. „Für mich ist das eine der Mannschaften, die am Ende unter den ersten Drei stehen werden“, urteilte Schultz.

Er vertraut im Tor wohl weiter auf Svend Brodersen, der bereits in den vergangenen beiden Spielen zwischen den Pfosten stand. „Gehen wir mal davon aus, dass Svend am Sonntag im Tor steht. Aber wir schauen genau auf die Trainingsleistungen und lassen uns da nicht festlegen. Momentan hat er die Nase vorne.“ Innenverteidiger James Lawrence hingegen soll aufgrund von Wadenproblemen geschont werden.

Fürth will rätselhafte Heimschwäche beenden

Bei St. Paulis Gegner Fürth stehen womöglich der ehemalige HSV-Profi Mergim Mavraj (Abwehr) und Angreifer Branimir Hrgota wieder zur Verfügung. Beide hätten schon wieder Teile des Mannschaftstrainings absolviert, sagte Trainer Stefan Leitl am Freitag. Die Entscheidung werde nach dem Abschlusstraining am Sonnabend getroffen.

Leitl hofft, dass seine Mannschaft den Schwung des DFB-Pokal-Erfolges beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim in das neue Jahr mitnehmen kann: „Dieses Spiel hat uns schon nochmal mehr Selbstvertrauen gegeben.“

Zur Favoritenrolle sagt Leitl: „St. Pauli ist aus meiner Sicht schon eine Mannschaft, die wir nicht an ihrem Tabellenplatz bewerten. Da kommt etwas auf uns zu – und wir sollten das ernstnehmen.“ Rätselhaft ist für ihn die Heimschwäche. Zwei Siege, ein Remis und drei Niederlagen sind zu wenig für einen Aufstiegsanwärter. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass wir zu Hause nicht so punkten.“ Er glaubt, dass sein Team daheim Erfolge zu sehr erzwingen wolle.

St.-Pauli-Fan startet mit Galgenhumor

In St. Paulis Anhängerschaft macht sich indes bereits Galgenhumor breit. Das neue Jahr war gerade 19 Minuten alt, da twitterte ein Fan mit gespielter Verzweiflung: „Dieses Jahr immer noch ohne Punkt und Tor. Nicht einmal ein einziger Pass ist angekommen“, twitterte der Anhänger der Hamburger.

Aber der Spott über die sportlich vertrackte Situation bei den Hanseaten hat einen sehr realen Hintergrund. Nach nur einem Sieg in den ersten zwölf Spielen haben die Norddeutschen schon vier Punkte Rückstand auf den rettenden Rang 15.

Bornemann macht St. Paulis Offenheit Mut

Nach 14 Jahren in Liga eins oder zwei wäre ein Absturz in die Drittklassigkeit nicht nur sportlich, sondern auch finanziell verheerend. „Nichts wäre in dieser Coronazeit schlimmer als ein Abstieg obendrauf. Da gibt es nichts zu beschönigen“, räumt Präsident Oke Göttlich unumwunden ein. Jedes Heimspiel in einem leeren Millerntorstadion kostet den 111 Jahre alten Traditionsverein rund eine dreiviertel Million Euro.

Vor dem Neustart in Fürth beschwört Sportchef Andreas Bornemann den Zusammenhalt der Truppe: „Die Lage ist gefährlich. Aber es macht mir Mut, dass wir offen und ehrlich miteinander umgehen und nichts beschönigen. Der gesicherte Bereich ist noch nicht so weit weg, dass man jetzt den Mut verlieren müsste.“

Daher ist eine Trennung von Cheftrainer Schultz bislang noch kein Thema. Der Fokus liegt derzeit auf Nachverpflichtungen, aktuell allerdings wurde lediglich der vereinslose polnische Innenverteidiger Adam Dzwigala unter Vertrag genommen.

St. Pauli wartet auf Hoffnungsträger Burgstaller

Großer Hoffnungsträger der „Boys in Brown“ ist eher Guido Burgstaller. Der ehemalige österreichische Nationalspieler wechselte im September von Schalke 04 in die Hansestadt. Aber schon beim zweiten Einsatz für seinen neuen Arbeitgeber erlitt der Stürmer einen Gefäßriss im Bauchraum, der umgehend operiert werden musste.

Mittlerweile kann der 31-Jährige wieder Teile des Mannschaftstrainings absolvieren, eine Rückkehr in den Kader ist aber terminlich noch nicht absehbar. Schultz zählt dennoch die Tage bis zu Burgstallers Comeback: „Guido ist ein kompletter Spieler, ein Wühler, der einen Riecher hat.“

( dpa/sid/HA )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: St. Pauli