Ausrüster

FC St. Pauli trennt sich von Under Armour – die Hintergründe

Im Juli 2017 präsentierten (v. l.) Christopher Buchtmann, Cenk Sahin und Sami Allagui das neue Under-Armour-Trikot für den FC St. Pauli. Im Sommer 2021 endet nun die Zusammenarbeit.

Im Juli 2017 präsentierten (v. l.) Christopher Buchtmann, Cenk Sahin und Sami Allagui das neue Under-Armour-Trikot für den FC St. Pauli. Im Sommer 2021 endet nun die Zusammenarbeit.

Foto: Witters

Der auslaufende Vertrag wird im beiderseitigen Einvernehmen nicht verlängert. Bei den Fans in Hamburg war die Partnerschaft umstritten.

Hamburg. Sucht man auf der Website des FC St. Pauli unter den Sponsoren den Ausrüster Under Armour, so findet man: praktisch nichts. Nur den Firmennamen und darunter einen Weblink zur Seite des US-amerikanischen Sportartikelherstellers. Dort kann man Aufwärmkleidung käuflich erwerben, Sport-BHs, Sweatshirts oder Golfklamotten – und man muss schon sehr lange herumklicken, bis man Trikots und Hosen der Kiezkicker findet. Eine intensiv gelebte Partnerschaft stellt man sich doch etwas anders vor.

Die offizielle Mitteilung vom Freitag über das Ende dieser Geschäftsbeziehung nach Abschluss der laufenden Saison war daher kaum noch eine Überraschung. Schon seit dem Sommer hatte es entsprechende Gerüchte immer wieder gegeben. „Der FC St. Pauli bedankt sich für die erfolgreiche Zusammenarbeit und wünscht Under Armour alles Gute für die Zukunft“, heißt es. Und tschüs.

FC St. Pauli: Under Armours Plan ging nicht auf

Der US-amerikanische Sportbekleidungshersteller aus Baltimore stattete seit 2016 die Lizenz- und Nachwuchsfußballteams des Vereins mit Spiel- und Trainingskleidung aus. Diese Partnerschaft war für den Kiezclub finanziell äußerst lukrativ, es sollen jährlich rund eine Million Euro geflossen sein. Under Armour hatte sich erhofft, durch die Zusammenarbeit mit den Hamburgern seinen Anteil am europäischen Teamsportmarkt zu erhöhen.

Dies ist offensichtlich nicht in ausreichendem Maß gelungen. Zudem wurde der Konzern von der Corona-Krise hart getroffen. Im ersten Quartal 2020 schrumpften laut „boerse.ard.de“ die Einnahmen um 23 Prozent, der Verlust summierte sich auf 590 Millionen Dollar. Angeblich hat Under Armour auch deshalb seit einiger Zeit nichts mehr an St. Pauli überwiesen. Dafür durfte der Club den Gewinnanteil an den verkauften Trikots behalten, der sonst an den Ausrüster geflossen wäre.

Fans des FC St. Pauli fremdelten mit Under Armour

Besonders viele Trikots hat St. Pauli jedoch nie verkauft. Fünfstellig sei die Zahl, heißt es. Bei den St.-Pauli-Fans stieß das Unternehmen wegen seiner Jagd- und Militärausrüstungen in den USA von Anfang an auf große Widerstände. Under Armour wird eine Nähe zur Waffenlobby in den USA nachgesagt, das Unternehmen hat auch Großwildjäger gesponsert, alles nicht schön. Der Gründer und Mehrheitseigner Kevin Plank hatte sich 2017 als Anhänger von Donald Trump geoutet, ist erst nach massiver Kritik an ihm aus einem Beratergremium des nun abgewählten US-Präsidenten zurückgetreten.

2019 zog er sich als Geschäftsführer zurück, blieb aber Aufsichtsratsvorsitzender. St.-Pauli-Fans starteten vor zwei Jahren eine Internetpetition, in der eine Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen verlangt wurde. Immerhin rund 50.000 Menschen haben unterzeichnet. „Dass wir uns gemeinsam entschieden haben, die Zusammenarbeit nicht über die Saison 2020/21 hinaus fortzuführen, liegt daran, dass sich beide Seiten durch Lust auf Neues auszeichnen“, begründete St. Paulis Geschäftsleiter Vertrieb, Bernd von Geldern, die Entscheidung.

Under Armour war für St. Pauli lukrativ

„Unser Club und Under Armour lieben es, die Dinge anders zu sehen und anders anzupacken“, erklärte St. Paulis Präsident Oke Göttlich 2016 die Kooperation mit dem US-Unternehmen. Eine Laufzeit von fünf Jahren und eine Million Euro jährlich waren auch verlockende Argumente. Gemeinsamkeiten ließen sich beim „anderen“ Außenseiterimage finden, dem Behaupten gegen ein „Establishment“. Under Armour wurde schließlich erst 1996 von Plank mit einem Startkapital von 17.000 Dollar gegründet und schaffte es in den folgenden Jahren, zum ernsthaften Herausforderer für die Branchenriesen mit „Swoosh“ oder drei Streifen zu werden. 2016 wurde die Deutschland-Niederlassung in München eröffnet.

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Der Spielertunnel im Millerntor-Stadion wurde auch mit finanzieller Unterstützung der Amerikaner neu designt und soll das Motto „Welcome to Hell“ unterstreichen. Die beiden USA-Reisen der Profitruppe 2018 und 2019 mit Besuch im Under-Armour-Hauptquartier 2018 waren perfekt organisiert. Die digitalen Kanäle von Under Armour und dem FC St. Pauli bildeten den medialen Rahmen der Kampagne und sorgten zusätzlich für Reichweite.

„Wir sehen jetzt die Zeit für eine Neuausrichtung gekommen, blicken aber auf eine sehr erfolgreiche Partnerschaft mit vielen gegenseitigen Impulsen zurück“, betonte von Geldern höflich. Wie die Neuausrichtung konkret aussehen soll, sagte er noch nicht, es gab aber im Sommer Gerüchte, dass der Club die Sache eventuell selbst in die Hand nehmen will. Möglicherweise erfahren die Mitglieder darüber in der virtuellen Infoveranstaltung an diesem Sonntag von 11 Uhr an mehr.