DFB-Pokal

St. Paulis Blamage zur Trainer-Premiere von Timo Schultz

Schmerzhafter Sturz in Elversberg: Wie hier Sebastian Ohlsson gegen Elversbergs Maurice Neubauer hatten die St. Paulianer in Zweikämpfen oft das Nachsehen.

Schmerzhafter Sturz in Elversberg: Wie hier Sebastian Ohlsson gegen Elversbergs Maurice Neubauer hatten die St. Paulianer in Zweikämpfen oft das Nachsehen.

Foto: ThorstenWagner / Witters

Pokal-Aus nach dem verdienten 2:4 beim Regionalligateam SV Elversberg. Timo Schultz: „Ich bin verwundert, wie wir gespielt haben“.

Elversberg.  Niederschmetternder hätte die Premiere für Timo Schultz als Cheftrainer des FC St. Pauli nicht ausfallen können. Nach der in dieser Höhe sogar noch knapp ausgefallenen 2:4-Niederlage beim Regionalligateam der SV Elversberg in der ersten Rundes des DFB-Pokals war der Coach entsprechend bedient. „Frustriert ist vielleicht das falsche Wort, aber ich bin schon verwundert, wie wir hier gespielt haben und uns immer wieder in der Vorwärtsbewegung leichte Ballverluste erlaubt haben“, sagte er und wirkte nach all den positiven Signalen in der sechswöchigen Vorbereitung ernüchtert.

Die Erkenntnis, dass sein Team defensiv extrem unsicher und fehlerhaft agierte, ist deshalb so dramatisch, weil in praktisch allen fünf Testspielen zuvor die Abwehr der zuverlässigste Mannschaftsteil war. Jetzt aber muss einem eine Woche vor dem Zweitligaauftakt beim VfL Bochum am kommenden Montagabend angst und bange werden. Die vier Gegentore waren sogar noch schmeichelhaft, da die Elversberger etliche weitere Torchancen besaßen und teils leichtfertig vergaben – allen voran Israel Suero Fernandez mit einem Strafstoß über das Tor (73.).

Abenteuerliches Abwehrverhalten

Es muss nachdenklich stimmen, dass die SV Elversberg als Regionalligateam klassentiefer beheimatet ist als alle fünf Testspielgegner, aber in der Lage war, St. Pauli immer wieder in Verlegenheit zu bringen. „Im Fußball ist es elementar, dass man Zweikämpfe gewinnt. Gepaart mit den Ballverlusten in der Spieleröffnung, ist es dann schwer, immer wieder Zugriff zu bekommen. Elversberg hat es dann auch gut gespielt“, analysierte Trainer Schultz und musste feststellen, dass sein Team die Devise, mutig nach vorn zu spielen, kaum einmal umsetzen konnte.

Allein mit dem Fehlen von Daniel Buballa kann das teils abenteuerliche Abwehrverhalten nicht erklärt werden. Der als Innen- und Außenverteidiger einsetzbare Stammspieler hatte sich am Freitag krankgemeldet. Tatsächlich wäre die aufgrund von Staus gut zwölf Stunden lange Bustour ins Saarland am Sonnabend für ihn eine besondere Strapaze gewesen. An Buballas Stelle rückte Abwehrtalent Marvin Senger (20) in die Startelf als linker Innenverteidiger der Dreierkette. Dieses Modell beendete Timo Schultz allerdings schon nach einer guten halben Stunde, weil er sich angesichts des 1:2-Rückstandes genötigt sah, Personal und System umzustellen. Genauso gut hätte er auch Philipp Ziereis vom Platz nehmen können, der in der Woche zwei Trainingseinheiten mit dem Team verpasst hatte.

Ziereis war ein Risikofaktor

Von Beginn an war der zentrale Innenverteidiger ein Risikofaktor und hatte Glück, dass der ihm schon ganz früh entwischte Luca Schnellbacher mit seinem Lupfer nur von oben auf das Tornetz traf. Als St. Pauli kurz danach mustergültig und mit einer einstudierten Variante durch Marvin Knoll (7.) die eigene 1:0-Führung erzielte, schien das Spiel sogar in die erhoffte Richtung zu gehen. Elversberg wirkte kurz geschockt, was die St. Paulianer aber nicht nutzten, um nachzulegen. Stattdessen bauten sie das Regionalligateam durch eigene Nachlässigkeiten auf. Bestes Beispiel war Aremus Fehlpass im Aufbauspiel, der zum 1:1 durch Luca Schnellbacher (16. ) führte.

Dieser Treffer war für die ambitionierten Saarländer das Signal, jetzt ihr mutiges Spiel nach vorn aufzuziehen. Das stürzte St. Pauli von einer Verlegenheit in die andere. Vor allem die technisch starken Sinan Tekerci, Schnellbacher und Suero Fernandez bekamen die Hamburger zu keinen Zeitpunkt in den Griff. Die Treffer durch Patryk Dragon (26.) nach einem Freistoß, Robin Fellhauer (48.) nach einer Ecke und erneut Schnellbauer (67.), der einen Konter abschloss, waren logische Folgen. St. Paulis zweites Tor durch einen abgefälschten Schuss des eingewechselten Rico Benatelli zum 2:4 (78.) ließ nur kurz auf eine Aufholjagd in der Schlussphase hoffen.

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„Wir hatten in den 90 Minuten nie Zugriff auf das Spiel, weder mit noch gegen den Ball. Wir waren immer ein, zwei Schritte zu spät und haben viele unnötige Sachen gemacht. Nach dem 1:0 haben wir dem Gegner komplett das Spiel überlassen“, sagte Torwart Robin Himmelmann. „Mit dem eigentlich positiven Aufschwung haben wir komplett den Faden verloren, wenn wir überhaupt einen hatten.“

Auch Torschütze Marvin Knoll übte Selbstkritik: „Allein von der Körperspannung war das zu wenig. Wir müssen jetzt in der Woche hart arbeiten. So dürfen wir uns nicht noch einmal präsentieren.“

Am Ende bleibt die Frage, ob die lange Bustour am Tag vor dem Spiel einen negativen Einfluss hatte. Wie schon vor dem Spiel blieb Trainer Schultz bei seiner Meinung: „Nein. Wegen der Fahrt haben wir keinen Zweikampf verloren.“

FC St. Pauli: Himmelmann – Avevor, Ziereis, Senger (36. Wieckhoff) – Ohlsson, Aremu (60. Benatelli), Knoll (60. Makienok), Paqarada (60. Zalazar Martinez) – Kyereh, Dittgen – Tashchy (75. Daschner). Tore: 0:1 Knoll (7.), 1:1 Schnellbacher (16.) 2:1 Dragon (26.), 3:1 Fellhauer (48.), 4:1 Schnellbacher (67.), 4:2 Benatelli (78.). – Gelb: Neubauer, Conrad – Ohlsson, Dittgen, Tashchy. Bes. Vorkommnis: Suero Fernàndez (SV Elversberg) verschießt Foulelfmeter (73.). – SR: Gerach (Landau), Zuschauer: 500.