Auswärtsspiel

FC St. Pauli kämpft um Ligaverbleib und TV-Geld

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Carsten Harms
Beim bisher letzten Auftritt in Darmstadt verlor der FC St. Pauli, hier mit Johannes Flum gegen Marvin Mehlem, mit 1:2.

Beim bisher letzten Auftritt in Darmstadt verlor der FC St. Pauli, hier mit Johannes Flum gegen Marvin Mehlem, mit 1:2.

Foto: Thorsten Wagner / Witters

Der FC St. Pauli strebt an diesem Sonnabend bei Darmstadt 98 den ersten „echten“ Auswärtssieg seit März 2019 an.

Hamburg. 16-mal probiert, 16-mal ist nichts passiert – diese leicht abgewandelte Zeile des Hits „1000 und 1 Nacht“ der Klaus Lage Band beschreibt ziemlich treffend die Zweitliga-Auftritte des FC St. Pauli außerhalb Hamburgs seit dem 2. März 2019. Damals gewann das Millerntor-Team beim späteren Aufsteiger SC Paderborn mit 1:0 und konnte sich selbst noch Chancen auf den Sprung in die Bundesliga ausrechnen. Seither ist die Auswärtsbilanz desaströs. Elf Niederlagen und fünf Unentschieden stehen zu Buche – und der 2:0-Sieg im Stadtderby am 22. Februar beim HSV, aber eben innerhalb der Hamburger Stadtgrenzen.

An diesem Sonnabend nimmt das Team von Cheftrainer Jos Luhukay nun einen erneuten Anlauf, die Negativserie in fremden Orten zu brechen. Womöglich sind die immer noch ungewohnten Umstände, vor leeren Rängen spielen zu müssen, der geeignete Anlass dafür. Um 13 Uhr wird das Spiel beim SV Darmstadt 98 angepfiffen, wobei die Bilanz der St. Paulianer im Stadion am Böllenfalltor ebenfalls ernüchternd ist. Es gelang dort noch überhaupt kein Sieg, zuletzt gab es 1992 beim 1:1 wenigstens einen Punkt.

Darmstädter verpatzten Restart nach der Corona-Pause

Mit einem Erfolg könnte der FC St. Pauli also gleich zwei Minusserien auf einen Schlag beenden. „Es ist jetzt eine gute Zeit, daran zu schrauben und die Bilanz zu verbessern. Wir gehen es optimistisch an“, sagt Mittelfeldspieler Rico Benatelli.

Dazu besteht durchaus Anlass, schließlich konnte er mit seinem Team am vergangenen Sonntag gegen einen starken 1. FC Nürnberg dank einer Steigerung im Laufe des Spiels mit 1:0 gewinnen, während die Darmstädter ihren Restart nach der Corona-Pause mit dem 0:2 beim abstiegsgefährdeten Karlsruher SC verpatzten. „Sie haben eine hohe körperliche Präsenz und sind nach Standards gefährlich. Wir werden auf einen guten Gegner treffen, den wir nicht unterschätzen“, sagte Trainer Luhukay dennoch vor dem Abflug nach Frankfurt.

Für ein echtes Auswärtsmatch hält er die Partie allerdings nicht. „Ich glaube, es gibt im Moment keinen Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen. Die Kulisse bleibt leer und ohne Atmosphäre. Für beide kommt es darauf an, sich auf das Spiel zu konzentrieren.“

Zweiter Sieg könnte Verbleib in Zweiter Liga bedeuten

Ein zweiter Sieg nach der Corona-Pause würde den FC St. Pauli mit dann 36 Punkten dem angestrebten Verbleib in der Zweiten Liga ein gutes Stück näher bringen und auch Sportchef Andreas Bornemann etwas mehr Planungssicherheit für die kommende Saison bescheren.

Die immer wieder spannende Frage, wie viele Punkte am Ende wohl zum direkten Klassenerhalt reichen werden, stellt sich auch in diesem Jahr. „Vielleicht werden es diesmal sogar 41 oder 42 Punkte sein“, sagte Luhukay am Freitag, stellte aber auch klar: „Ich habe mir bis heute über Abstieg oder Klassenerhalt keine Gedanken gemacht, weil ich von der Mannschaft überzeugt bin und sie immer Charakter und Qualität gezeigt hat, wenn es darauf ankam.“

Dies wird im letzten Viertel dieser Saison auch dann noch nötig sein, wenn der Klassenverbleib vorzeitig feststehen sollte. Schließlich kann am Ende jeder einzelne Punkt und jeder auch nur um eine Position bessere Tabellenplatz viel Geld wert sein. In der sogenannten Fernsehtabelle rangiert der FC St. Pauli unter den 36 Teams der beiden Bundesligen derzeit an 27. Stelle, was ihm in der kommenden Saison knapp 13,2 Millionen Euro aus der nationalen TV-Vermarktung bescheren würde.

FC St. Pauli rangiert in Fernsehtabelle an 27. Stelle

Zum Vergleich: In dieser Spielzeit bekommt der Club rund 11,5 Millionen Euro. Angesichts des zu erwartenden Rückgangs der Zuschauereinnahmen aufgrund von weiteren Geisterspielen im Herbst gewinnt der Posten der Fernsehgelder auf der Einnahmeseite noch mehr an Bedeutung.

Sicher ist St. Pauli die aktuell zu erwartende Summe allerdings keineswegs. Die im TV-Ranking direkt hinter St. Pauli liegenden Vereine VfL Bochum, SpVgg. Greuther Fürth und Jahn Regensburg könnten am Kiezclub vorbeiziehen, wenn er in der Tabelle wieder abfällt. Die Platzierung in der aktuellen Saison wird mit dem Faktor fünf gewichtet, die Plätze in den vier Jahren zuvor dagegen abfallend mit den Faktoren vier bis eins.

Auf der anderen Seite könnte St. Pauli im Idealfall im TV-Ranking noch an Holstein Kiel vorbeiziehen und sogar noch einen weiteren Platz nach oben klettern, sollte der 1. FC Nürnberg absteigen. Der finanzielle Unterschied zwischen dem für St. Pauli möglichen besten und schlechtesten Fall beläuft sich auf rund 2,7 Millionen Euro. Eine Summe, mit der in der Zweiten Liga der Kader qualitativ spürbar verbessert werden kann. Ein erster echter Auswärtssieg seit fast 15 Monaten wäre ein erster wichtiger Schritt dahin.

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