FC St. Pauli

Luhukay: "Wir können unseren Beruf gerade nicht ausüben"

St. Paulis Trainer Jos Luhukay hofft, dass die Zweite Liga den Betrieb irgendwann wieder aufnimmt. Bis dahin analysiert der Niederländer die bisherige Saison.

St. Paulis Trainer Jos Luhukay hofft, dass die Zweite Liga den Betrieb irgendwann wieder aufnimmt. Bis dahin analysiert der Niederländer die bisherige Saison.

Foto: witters

Kein Training, kein Ligaspiel. Der Cheftrainer des Kiezclubs gibt einen Einblick in sein Seelenleben in Zeiten des Coronavirus.

Hamburg. Für einen Mann, der den Ruf hat, ein Fußball-Nerd zu sein, ist es die pure Qual, nicht tagtäglich auf dem Trainingsplatz zu stehen, Taktiken auszuarbeiten und seine Spieler sukzessive besser zu machen. Doch für Jos Luhukay vom FC St. Pauli und unzählige seiner Trainerkollegen von der Bundesligaliga bis zur Kreisliga ist das in Zeiten der Coronapandemie die bittere Realität.

"Das ist schwierig, weil ich im Prinzip gerade meinen Beruf nicht ausüben kann. Aber ich mache mir viele Gedanken darüber, was wir bisher in dieser Saison mit der Mannschaft erarbeitet haben. Das reflektiere und analysiere ich zurzeit sehr gründlich", sagt der Niederländer auf der Internetseite des Kiezclubs.

Luhukay bekommt mit Joggen und Radfahren den Kopf frei

Luhukay macht keinen Hehl daraus, wie schwer ihm die Situation fällt. 90 Prozent des Tages befindet sich der 56-Jährige in den eigenen vier Wänden. Nur zum Joggen und Radfahren geht der St.-Pauli-Trainer vor die Tür. "So bekomme ich den Kopf frei", sagt Luhukay, der regelmäßigen Kontakt zu seinem Trainerteam pflegt. Vor allem die Athletiktrainer Christoph Hainc und Karim Rashwan sind derzeit besonders wichtig beim Kiezclub. "Sie machen eine fantastische Arbeit und sind täglich im Kontakt mit den Spielern. Sie übernehmen die Auswertung und Steuerung der Trainingseinheiten, die die Spieler zu Hause umsetzen. Sie sind sehr engagiert und geben uns regelmäßig Feedback", lobt Luhukay.

Und die Auswertungen machen den von Ehrgeiz getriebenen Ex-Profi bisher glücklich. "Ich muss sagen, es gibt mir ein gutes Gefühl, wie die Spieler mit dieser schwierigen Phase umgehen. Sie verhalten sich professionell und arbeiten sehr intensiv. Davor habe ich sehr großen Respekt, gerade weil sie eigentlich viel lieber auf dem Platz stehen würden. Das verlangt viel Disziplin, aber alle ziehen hervorragend mit", freut sich der Trainer.

Mannschaft erhielt Vortrag zu Corona von Teamarzt Carrero

Die Profis hatten am letzten Tag vor der selbst auferlegten Quarantänemaßnahme einen Vortrag von Teamarzt Volker Carrero bekommen, in dem die Spieler über das Coronavirus aufgeklärt wurden und wie sie sich in diesen Tagen zu verhalten haben. "In erster Linie hoffen wir, dass wir alle gesund bleiben. Das ist zunächst das Allerwichtigste. Wir achten sehr genau auf die Empfehlungen der Behörden und leiten die Maßnahmen an die Spieler weiter. Wir müssen in dieser Hinsicht vorangehen, soziale Kontakte vermeiden und Abstand zu unseren Mitmenschen halten", sagt Luhukay.

Nur so könne gewährleistet werden, dass die Zweite Liga den Spielbetrieb wiederaufnimmt. Deshalb, so sagt Luhukay, bereitet er sich auf den "Tag X" vor. Jener Tag, wenn die Behörden wieder Fußballspiele – mit oder ohne Zuschauer – zulassen. "Ich mache mir viele Gedanken für den Moment, an dem wir wieder an der Kollaustraße zum Training zusammenkommen können. Das sind Überlegungen darüber, wie wir das Training planen und strukturieren möchten", sagt Luhukay, der diesen schweren Zeiten auch positive Aspekte abgewinnen kann.

Luhukay appelliert an die Vernunft der Menschen

Sollte die Zweite Liga forgeführt werden, könnten mit Christopher Avevor (Reha nach Wadenbeinbruch), Christian Conteh (Reha nach Sehnenriss) und Henk Veerman (Schulterverletzungen) womöglich wichtige Alternativen in den Kader zürückkehren.

Doch bis dahin hat der Niederländer noch einen wichtigen Appell an die Bevölkerung. "Wir alle erleben eine außergewöhnliche Situation und große Unsicherheit. Ich hoffe, dass unsere Fans und alle anderen Menschen die empfohlenen Maßnahmen umsetzen. Wir dürfen nicht nur an unsere eigene Gesundheit denken, sondern auch an die Gesundheit unserer Mitmenschen. Wir können das nur gemeinsam schaffen, darum müssen wir das sehr ernst nehmen."